Wieviel GTI steckt im Golf für den Kundensport?

Was hat die 230 PS leistende und 29.975 Euro kostende GTI Version des Volks-Golf mit dem 300 PS-heißen 95.000 Euro-TCR-GTI-Rennwagen mit Käfig-Interieur gemein? Wir waren auf Spurensuche beim diesjährigen ADAC GT Masters Wochenende auf dem Nürburgring, wo die TCR-Rennserie ausgetragen wird. Die TCR International Series ist eine seit 2015 weltweit ausgetragene Rennserie für Tourenwagen. Mit ihr soll Motorsport relativ preiswert möglich sein, damit eine große Teilnehmerzahl mit viel Konkurrenz, echtem Racing und spannenden Duellen zu Stande kommen kann. Blechschäden oder kleinere Berührungen der TCR Rennwagen werden in Kauf genommen. So dürfen die 4-türigen Autos maximal 1.300 Kilogramm wiegen, 330 PS leisten und höchstens 100.000 Euro (netto) kosten. Genau das macht die Serie für private Schrauber-Teams genauso interessant, wie für viele Hersteller, die hier zeigen können wie gut ihre kompakten Rennzwerge sind.

In der TCR-Serie duellieren sich inzwischen 44 Autos.

Mit dabei ist Alfa Romeos Giulietta, der Ford Focus RS TCR, Honda Civic TCR, Hyundai i30 TCR, Kia Cee’d GT TCR, Opel Astra TCR, Peugeot 308 Racing Cup, Subaru Imbreza STi TCR, Seat Leon TCR, Audi RS3 LMS und natürlich der VW Golf GTI TCR.Der Golf GTI TCR wurde von der Volkswagen Motorsport Abteilung in Zusammenarbeit mit der Sportabteilung von Seat entwickelt. Dabei konnte man von der Erfahrung mit dem Seat Leon Cup Racer profitieren. Der GTI TCR hat rund 60 Prozent seiner Bauteile aus dem Serien GTI übernommen. So konnte man ein relativ kostengünstiges Rennauto auf die Straße bringen. Die spezifischen Leistungsdetails des 2.0 Liter-Turbo-Motors mit Benzin-Direkteinspritzung sind folgende:

243 kW/330 PS

420 Newtonmeter max. Drehmoment

258 km/h Höchstgeschwindigkeit

Beschleunigung: 5,2 – 5,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100

Diese beachtlichen Werte kommen aus dem gleichen Motor wie er im aktuellen Golf GTI und Golf R, Audi, Seat Leon, und Skoda Oktavia RS verbaut wird. Auch den Turbolader könnte so im GTI zu finden sein. Das Chassis wurde vom Golf R übernommen. Das DSG-Getriebe entstammt dem normalen GTI – jedoch anders übersetzt.

Die beiden Modelle unterscheiden sich weit weniger, als erwartet. Der TCR mit seinen 18-Zoll-Felgen baut auf einer 15 Zentimeter breiteren Karosserie auf. Sein Radstand ist größer und seine Spur ist etwas weiter. Dem TCR wohnt ein Bilstein-Fahrwerk inne. Das Bodykit im TCR sorgt für einen giftigeren Look. Darin sind Front- und Heckschürze, Kotflügel, Schweller, und markanter Heckflügel aus Aluminium. Für die Unversehrtheit des Fahrers sorgen Sicherheitstank, ein Rennsitz mit Kopf-Protektoren und der bereits erwähnte Sicherheitskäfig. Den GTI TCR zeichnet – so ausgestattet – eine ausgesprochen hohe Kurvengeschwindigkeit und ein enorm agiles Handling aus.

Für 95.000 Euro bekommt man denn Renn-Golf mit DSG Getriebe. 115.000 Euro muss man hinblättern, wenn man ihn mit einer sequenzieller Schaltung möchte. Bestellt werden kann das kleine Monster übrigens via Email-Anfrage unter: golf-gti-tcr@volkswagen-motorsport.com

Doch zu früh gefreut: Zum Zeitpunkt der Bestellung müssen mindestens 20 Prozent angezahlt sein. Anschließend braucht es 4 Monate Geduld bis zur Auslieferung.Wem diese Geduld fehlt oder wem der Preis zu hoch ist, der kauft einfach den Golf GTI von der Stange. Denn mit einem Listenpreis von 30.875 erleichtert er das Konto deutlich weniger. Aber man bekommt viel: Nämlich das front-getriebene Golf VII-Update mit seinem turbogeladenen Vierzylinder, der beachtliche 230 PS auf die Straßebringt. Seine Alltagstauglichkeit zeigt sich nicht allein am hohen Raumangebot und dem urlaubsgepäck-tauglichen Kofferraumvolumen. Auch der niedrige kombinierte Norm-Verbrauch von 6,4 Litern schont das Budget. Wer den Touch mehr möchte, kauft den Golf GTI als „Performance“. Der leistet 245 PS und kostet mindestens 32.475 Euro. Eins drauf setzt der Golf R, der satte 310 PS an alle 4 Räder verteilt. Er will mit 40.675 Euro bezahlt sein.Fazit

„GTI“ steht für „Gran Turismo Injektion“. Seit 1976 steht der Golf GTI für alltagstaugliche, kompakte  Autos mit kraftvollen Motoren. Mit dem Golf GTI TCR gibt es nun auch eine Variante für den seriennahen Kundenrennsport. Der Renn-Golf konnte bereits in seiner ersten Saison den Titel in der spannenden und bezahlbaren TCR International Series gewinnen. Seit 40 Jahren lässt der GTI inzwischen unzählige Kundenherzen höher schlagen. Passend zum Jubiläum hat VW mit dem 265 PS starkem Golf GTI Clubsport den bisher kräftigsten seiner Zunft auf den Markt gebracht. Wie schnell der Golf GTI tatsächlich sein kann, demonstrierte Benjamin Leuchter bei seinem Rekord für Frontgetriebe Fahrzeuge auf der Nordschleife des Nürburgrings. Denn er stellte eine Fabelzeit von 7.49,21 Sekunden auf. Im GTI TCR sollte da noch Luft nach oben sein.