Toyota Avensis – Frischenzellenkur für den Passat-Konkurrent

Toyota verpasst dem Avensis eine Frischzellen-Kur. Der überarbeitete Japaner möchte mit attraktiverem Blechkleid, neuen Technologien und neuen BMW-Diesel-Motoren auf Kundenfang gehen. Mit günstigen Ausstattungspaketen will man nun auch vermehrt Privatkunden erreichen. Lest hier, wie gut diese bayrisch-asiatische Kombination geworden ist.

Dass der Avensis keine Ein-Tags-Fliege ist, lässt sich schon anhand seiner Historie sehen. 1997 liefen die ersten Flaggschiffe Toyotas vom Band. 1.7 Millionen Autos über 3 Modellgenerationen hinweg wurden seither in Europa verkauft. Genau da, wo der Avensis konzepiert, entwickelt und gebaut wird. Qualität, Haltbarkeit und Zuverlässigkeit sind die Attribute, welche die Käufer offensichtlich überzeugten. Doch machen wir uns nichts vor, mit etwa 3.700 Zulassungen im Jahr zollt der Avensis hierzulande der starken Konkurrenz um Mercedes C-Klasse, VW Passat, 3er BMW, Skoda Octavia – und wie sie alle heißen – Tribut und ist hierzulande eine seltene Erscheinung auf den Straßen.

Design nun europäischer

Das Design des Avensis ist nach dem Facelift etwas europäischer geworden. Sein Blechkleid erscheint jetzt deutlich dynamischer und fließender. Die Leuchten in Voll-LED-Technologie setzen zudem attraktive Akzente. Der Kundenstamm der Geschäftswagen- und Flottenkunden darf sich jetzt sowohl bei der Limousine, als auch beim Touring Sports (Kombi), über einen deutlich repräsentativeren Auftritt im Avensis freuen.


Geschäftswagenfahrer verbringen sehr viel Zeit im Auto, vor allem auf der Autobahn. Da ist es gerade bei den Business-Limousinen, dem sogenannten D-Segment – von Bedeutung, dass man sich in seinem mobilen Zuhause wohl fühlen kann. Und das gelingt im Japaner mühelos. An die ausgesprochen bequemen Sitze gewöhnt man sich schnell, nicht so an die hohe Sitzposition. Sie offenbart kleine Anpassungsschwierigkeiten an die Bedürfnisse großgewachsener Europäer.

Der Innenraum des fortan in England gefertigten Avensis wurde komplett neu gestaltet. Die Qualität der verwendeten Materialien hat sich merklich verbessert. Ihre Haptik ist genauso angenehm wie das schnörkellose, fahrerorientierte Design des Armaturenbretts. Das Multimedia-Audio-System „Toyota Touch2“ wurde technisch auf dem aktuellen Stand gebracht und lässt sich intuitiv bedienen.

Sein 8 Zoll großes Display thront in der Mitte. Ein digitales Modul im Instrumentenblock zeigt dem Fahrer die wichtigsten Informationen an. Die eingestellte Tempomat-Geschwindigkeit kann jedoch nicht digital angezeigt werden. Die aktuell gefahrene Geschwindigkeit hingegen schon. Was vollkommen überzeugt sind Platzangebot und Bequemlichkeit im Fond. Die weich-gepolsterten Ledersitze der 2. Reihe schmeicheln dem Gesäß in solch einem Maße, dass sich hier jeder gerne mal chauffieren lässt. Die verbesserte Dämmung führt zu einem niedrigen Geräuschniveau im Innenraum. Flüsterleise!

Der große Gepäckraum stellt bei aufrechten Rücksitzen in der Limousine 509 Liter Volumen bereit. 543 Liter im Sports Touring.

Kein Automatikgetriebe für die Diesel-Varianten

Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es Spannendes über die Motoren zu berichten. Der Toyota wird nämlich nun teilweise von BMW Motoren angetrieben. Eine Zusammenarbeit, wie sie sein soll. So profitieren – im Gegensatz zu vielen anderen Joint-Ventures – beide Parteien. Toyota-Kunden dürfen sich fortan über zwei bewährte BMW-Dieselmotoren freuen. Das ist zum einen der 1.6 D – 4D Motor, der den bisherigen 2.0 Liter Dieselmotor ersetzt und 112 PS/ 82 kW und 4,2 Liter (kombinierter Normwert) Diesel auf 100 km verbraucht. Zum anderen das 2.0 D-4-Aggregat. Dieser Selbstzünder leistet 143 PS/ 105 kW und spurtet in 9,5 Sekunden von 0 auf 100. Bei angepasster Fahrweise begnügt sich dieser Antrieb mit 4,5 Litern Diesel je 100 Kilometer.

Leider sind beide Motoren nur mit der Handschaltung kombinierbar. Kaum verständlich, denn Geschäftskunden ziehen heute überwiegend moderne Automaten vor. Wer nicht selbst schalten will, der muss auf den 1,8 Liter Benzinmotor mit 1.798 cm3 Hubraum und 147 PS/ 108 kW zurückgreifen, wenn er den Avensis möchte. Der Vierzylinder braucht in Verbindung mit dem Multidrive-S Getriebe 9,4 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100. Dabei benötigt er 6 Liter Benzin (Normwert) auf 100 Kilometer. Wer sich mit 132 PS begnügen kann, wählt den 1,6 Liter Benziner, der mit einem Verbrauch von 6,1 Liter und einer Beschleunigung von 10,4 Sekunden auf 100 angegeben wird. Alle solide Motoren für die ich mir allerdings einen Touch mehr Durchzugskraft wünschen würde.

Toyota Avensis Felge  - 2015Die Optimierung des Fahrwerks trägt wohlschmeckend süße Früchte und so sind Handling und Fahrgefühl für den Fahrer angenehm. Soll heißen: Im Avensis lässt es sich butterweich cruisen. Er bügelt fast jede Ungereimtheit der Straße weg, als schwebe man auf einer japanischen Wolke. Dazu passt die Ruhe im Innenraum, die selbst bei höheren Geschwindigkeiten Bestand hat. Der Avensis lässt sich präzise und direkt lenken. So macht auch die schnelle Kurvenjagd Spaß. Und wird’s doch mal kritisch, dann hilft das serienmäßige „Toyota Safety Sense System“. Der Avensis verfügt bereits In der Grundausstattung über ein laser- und kamerabasiertes Pre-Collision-System, das einen Front-Kollisionswarner (FCW) und das Notbremssystem (PBA) mit autonomer Notbremsfunktion (AEB) beinhaltet.

Toyota Avensis  - 2015Fazit

Der Avensis überzeugt mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Wer nicht allzu große Ausstattungswünsche hat, der erhält den Avensis als Limousine für 23.640 Euro als handgeschaltenen Benziner. Der Touring Sports (Kombi) kostet genau 1.000 Euro mehr. Dafür bekommt man eine manuelle Klimaanlage, LED-Tagfahrleuchten, ein modernes Radio sowie das PRE-Collisions-System. Dass man den Japaner mit dem großen Dieselmotor und in der höchsten Ausstattungsline preislich auf mehr als 35.000 Euro treiben kann, zeigt auch seinen Premiumklassen-Anspruch. Warum kein Diesel mit Automatikgetriebe verfügbar ist, bleibt aus der Sicht europäischer Kunden unverständlich.