Was hat eigentlich der Serien-Skoda Fabia mit seinem Rallye-Pendant Skoda Fabia R5 gemein? Wir waren bei der ADAC Deutschland Rallye auf Spurensuche. Beim Erstkontakt mit dem Skoda Fabia R5 standen unsFabian Kreim und Beifahrer Frank Christian, deutsche Rallye-Meister, sowie Matthias Kahle, siebenmaliger deutscher Rallye-Altmeister zur Seite. Als Beifahrer in den Rallye-Boliden mit Käfig war ich nicht nur dem Tod etwas näher, ich habe auch eine ganze Menge über den waghalsigen Sport gelernt. Gemächlicher und sicherer ging es da am Steuer der fünf-türigen Skoda Fabia Limousine in der „Monte Carlo“ Topversion zu. Hier ersetzt ein neuer 1.0 Drei-Zylinder Motor in zwei Leistungsstufen den in Rente geschickten Vierzylinder beim Fabia. Die Geschichte passt, denn kaum ein anderes Modell würde den Spagat gekonnter schlagen. Hat doch die Rallye Monte Carlo eine Historie, die schon 1911 begann. Und auch Skoda mischt im Rallye Sport seit über 100 Jahren mit. Wie man es auch dreht und wendet, Skoda hat Rallye in seiner DNA. Doch wieviel davon steckt im aktuellen Skoda Fabia? Begleiten Sie uns auf einer spannenden Reise durch Thüringen!

Skoda ist in Deutschland längst kein Leichtgewicht mehr, das untermauern die fast 99.000 Autos, die Skoda im ersten Halbjahr hierzulande zugelassen hat. Damit steht man auf dem siebten Platz in der deutschen Zulassungsstatistik. Damit aber weit hinter Fabian Kreim und Frank Christian, die aktuell im Skoda Fabia R5 den zweiten Platz bei der Deutschland Rallye belegen. Doch mit dem Ausbau der Modellpalette um den SUVs Kodiaq und dem bald erscheinenden kompakteren SUV Karoq erhofft sich die VW-Tochter weiteres Wachstum, während Fabian Kreim seinen zweiten Sieg in der Rallye Deutschland anpeilt. Der Skoda Fabia ist seit dem Jahr 1999 eine feste Größe bei Skoda und wird inzwischen in der dritten Generation gebaut. Der Name Fabia steht für moderne Technik, hohe Sicherheit, viel Raum und kleines Geld. Diese Attribute sorgten wohl dafür, dass im Juli der Vier-Millionste Fabia in Mladá Boleslav vom Band lief.

Wem das nicht reicht um die Erfolgsgeschichte des Fabias zu begreifen, dem sei gesagt, dass seine Limousine und sein Kombi im Segment der Kleinwagen jeweils Platz drei belegen. Die Top-Ausstattung „Monte Carlo“ wählen dabei nur vier Prozent der Käufer. Die Verteilung der Ausstattungslinien spricht für sich: Cool Edition – 44 Prozent , Drive – 27 Prozent und Ambition – 21 Prozent. Neu im Fabia ist der 1.0 Liter Benzin-Motor mit seinen drei Zylindern, der schon in anderen Modellen des Konzern verbaut wird. Er ersetzt den 1,2 Liter Benziner mit seinen vier Zylindern. Das neue Aggregat ist in zwei Leistungsstufen mit 95 und 110 PS erhältlich.

Der neue Fabia bekommt im neuen Modelljahr zudem moderne Konnektivität-Lösungen. Das Sicherheis-Paket „Care Connect“ ist jetzt ab der Ausstattung Ambition Teil der Serienausstattung. „Skoda Connect“ wird ab sofort in allen Fabias vertreten sein.

Der Skoda Fabia R5 ist ein Rallye Sportwagen. Er besitzt zwar eine beschränkte Strassenzulassung, sein Metier ist allerdings der Rennsport. Hier fühlt er sich am wohlsten und hier ist er das erfolgreichstes Auto seiner Klasse. Das weckt bei den Rallye-Sport Kunden aus aller Welt natürlich Begehrlichkeiten. Sie haben die Möglichkeit den Fabia R5 ab Werk zu bestellen. Bereits rund 160 Fabia R5 wurden ausgeliefert. Das ist Benchmark im Segment der R5 Autos. Einer der glücklichen Kunden ist der siebenmalige Champion der deutschen Rallye-Meisterschaft Matthias Kahle. Er ist nicht nur erfahrener Profi-Sportler, sondern gleichermaßen Fan des Fabia R5, der, nebenbei erwähnt, auch dem Gesamtsieger-Auto in der WRC2 stellt. Doch wie wird aus einem Fabia ein R5? Und warum nahmen die Tschechen hierfür gerade den Fabia?

Der Vorgänger des R5 war der Fabia S2000. Schon bei diesem Modell half Raimund Baumschlager – Inhaber der Baumschlager Rallye und Racing GmbH, erheblich bei Entwicklung und Abstimmung. Bei der Entwicklung eines Rallye Autos aus der Modell-Palette heraus, schien der Fabia durch seine kompakten Ausmaße (Länge: 3,99 Meter, Breite: 1,73 Meter (1,96 Meter mit Außenspiegel), Höhe: 1,45 Meter) und das niedrige Gewicht am geeignetsten. Hier gibt die FIA mit 185.000 Euro einen preislicher Rahmen für die Kosten des Autos vor. Mit Unterbodenschutz, Flankenschutz und weiteren Spielereien kann man den Preis allerdings bis auf 230.000 Euro treiben, was dann jedoch das Bastel-Budget-Limit des Fabia R5 darstellt. Er zeichnet sich durch ein sequentielles 5-Gang-Getriebe aus, das Schalten ohne das Treten der Kupplung ermöglicht. Der R5 erreicht maximal 204 km/h. Sein Gewicht erreicht 1.230 Kilogramm. Beim Motor entschied man sich zum Wechsel vom Sauger hin zum 279 PS-Turbo, weil dieser die Fahrer stabiler und schneller aus den Kurven heraus beschleunigen soll. Der Antrieb ist ein Allrad-System mit starrer 50/50 Verteilung – ohne Mitteldifferential. Bei dieser Art Autos ist ein gut abgestimmtes Fahrwerk entscheidend. Denn bei Motor und Getriebe gibt es weniger Stellschrauben.

Wie fährt sich nun der R5 im Vergleich zum „normalen“ Fabia? Durch die kurvigen Landstraßen im Thüringischen Pößneck fuhr ich den Fabia Monte Carlo mit seinem 1.0 Dreizylinder-Motor mit 110 PS. Dabei war ich nur von seinem aufgeräumten, ruhigen und schnörkelosen Innenraum um ein modernes Infotainment-System mit moderner Konnektivität beeindruckt. Auch das enorme Platzangebot, das auf allen Plätzen genug Bein- und Kopffreiheit verspricht, ein 330 – 1.100 Liter fassender Kofferraum, schöne Stoffsitze und das riesige Panorama-Glasdach machen den Innenraum zum fast schon luxuriösen Puristen. Auf der Straße folgte dann das Überraschungsmoment: Zwar ist der 110 PS Fabia mit einem Beschleunigungswert von 9,5 Sekunden (Höchstgeschwindigkeit 196 km/h) nicht der schnellste, doch das agile Ansprechverhalten des Motors, der sich mehr nach vier denn nach drei Töpfen anfühlt, ist genauso beeindruckend, wie der niedrige Normverbrauch von lediglich 4,4 Litern. In Verbindung mit einer leichtgängigen Schaltung, einem soliden wie stabilen Fahrwerk und direkter Lenkung steckt hier viel Spaßpotential.

Auf Strecken-Teilen der Thüringen Rallye konnte ich dann als Beifahrer von Fabian Kreim und Matthias Kahle erkennen, was die Rallye-Jungs können. Zunächst galt es den engen Käfig in Rennanzug und Helm zu erklimmen und die Gurte straff anzulegen. Was dann folgte, war schlichtweg eine der beeindruckendsten Motorsport Erfahrungen meines bisherigen Lebens. Der Skoda klebt so auf der Straße, die Fahrt für mich zu einer physikalischen Grenzerfahrung wurde. Mit 200 Sachen durch einen dichten Wald. Enge rechts links Kombinationen. 360 Grad-Wende im Drift auf der Landstraße. Das ALS auf Stufe 5 gestellt, in etwa fünf Sekunden auf Tempo 100 km/h beschleunigen, dabei die Gänge knallen lassen und schnellst möglich wieder runter bremsen. Wahnsinn. Diese Fahrer sind nicht nur ausgestattet mit enormem Talent und einem beeindruckenden Auto, sondern eben auch mit einer Extra-Portion Lebensmüdigkeit. Manchmal ist man sich nicht ganz sicher, ob sie wissen welches Risiko sie da eingehen.

Fazit
Für Fabia Kunden ist es vielleicht etwas enttäuschend zu hören, doch außer einzelnen Stücken des Chassis hat der R5 nur wenig mit dem Serien-Fabia gemein. Die Entwickler haben sich aber im Konzernbaukasten bedient, um Kosten zu sparen. Die Lenkung stammt aus dem VW Crafter, der Turbolader aus dem Audi RS3 bzw. dem Bugatti Veyron. 15 Monate Entwicklungszeit hat der  Fabia benötigt. Dabei wurde seine außerordentliche Haltbarkeit die größte Stärke des 180.000-Euro-R5. Den Serien-Fabia der neusten Generation mit dem 1.0 Liter 3-Zylinder Benziner gibt es dagegen bereits ab 14.250 Euro. Die von uns gefahrene Topausstattung „Monte Carlo“ kostet in Verbindung mit dem 110 PS Motor mindestens 19.930 Euro (18.980 mit 95 PS). Egal ob Limousine oder Kombi, neben viel Fahrspass, Flexibilität, Alltagstauglichkeit, moderner Technik und starkem Platzangebot erhält man beim Fabia Monte Carlo ein Panorama Glasdach, schwarz/glänzende 16-Zoll-Felgen, getönte Heck- und Seitenscheiben, Seitenschweller und Heckdiffusor, Sportsitze mit Schwarz-Grau-Rot-Dekor, Radio mit USB-Buchse, Bordcomputer, Tempomat und Klimaanlage inklusive.
 Fotos: Jan Weizenecker/ Jürgen Zerha