Rund 300.000 Autounfälle pro Jahr gehen auf eine verminderte Sehkraft zurück. Den Schaden haben in jedem Fall die Verkehrsteilnehmer. Denn oft zahlt auch die Versicherung keinen Cent, wenn man wegen einer Sehschwäche einen Unfall verursacht und damit aus deren Sicht fahrlässig gehandelt hat.

Viele Autofahrer kümmern sich hingebungsvoll um ihr Fahrzeug: Es wird geputzt, repariert und in gepflegter Regelmäßigkeit auf die TÜV-Prüfung vorbereitet. Sich selbst vernachlässigen Fahrer hingegen vergleichsweise oft: Fahren in übermüdetem Zustand, Verzicht auf Pausen bei längeren Fahrten und kaum körperliche Gesundheitschecks (Augen, Gehör, Reaktionsfähigkeit) sind eher die Regel als die Ausnahme. Besonders das nachlassende Sehvermögen, das sich unweigerlich mit zunehmendem Alter einschleicht, ist ein Problem im Straßenverkehr. Knapp ein Drittel der über 50-Jährigen hat zu schlechte Augen, um sicher mit dem Auto unterwegs zu sein. Zwar könnten die meisten die Sehschwäche mit einer Brille korrigieren, doch längst nicht alle tun das auch.

Warum aber ist das so? Während der Sehtest für Fahranfänger Pflicht für die Beantragung des Führerscheins ist, muss er später nur noch auf freiwilliger Basis gemacht werden. Oft wird er gar nicht mehr oder nur dann durchgeführt, wenn erhebliche Augenprobleme auftreten. Die Verantwortung, regelmäßig den Sehtest zu machen, sollte allerdings ernst genommen werden. Der Test ist weder schwer noch aufwändig. In der Regel dauert er beim Optiker nur wenige Minuten und ist oftmals sogar kostenlos.

Die Brille als grundlegendes Sicherheitsmittel

Autofahrer, die eine Brille brauchen – egal, ob sie schon immer Brillenträger waren oder erst mit zunehmendem Alter eine Sehhilfe benötigen – sollten bei der Wahl immer darauf achten, dass das Modell zum Autofahren geeignet ist. Dazu müssen folgende Kriterien erfüllt sein:

  • Die Brillengläser müssen den Dioptrienwerten der Augen angepasst sein.
  • Das Gestell sollte die passende Form haben und fest auf der Nase sitzen, damit die Brille beim Fahren nicht verrutscht.
  • Die Gläser sollten entspiegelt sein, damit weniger Licht reflektiert wird und man vor allem auf Nachtfahrten besser sehen kann.
  • Die Gläser sollten zudem sehr groß sein, damit grelles Licht auch an den Seiten absorbiert wird.
  • Sonnenbrillen (mit oder ohne Sehstärke) sollten einen guten Blendschutz haben, der der UV-400-Norm entspricht. So wird das Auge vor der Sonne geschützt, gleichzeitig sieht man kontrastreich und farblich korrekt.
  • Brillen, die eine farbliche Tönung haben, sind ungeeignet für den Straßenverkehr, da sie die Farben der Umwelt zu sehr verändern und dadurch zu Missverständnissen oder Verwirrung führen können. Zudem sollte die Tönung nicht zu dunkel sein, damit man scharf und kontrastreich sehen kann.
  • Polarisationsfilter dienen ebenfalls der scharfen Sicht und unterstützen die Augen bei schwierigen Lichtverhältnissen. Denn vor allem bei nebeligen Straßen oder auf Nachtfahrten muss das Auge eine enorme Mehrarbeit leisten.

autofahren-mit-brille-infografik-4Was das Auge beim Autofahren bewerkstelligt und weitere Informationen zur am besten geeigneten Brille fürs Autofahren findet man auf dieser Ratgeberseite.

Achtung, Strafen drohen

Da schlechtes Sehen ein großes Gefahrenpotenzial beim Autofahren mit sich bringt – für sich selbst ebenso wie für andere Verkehrsteilnehmer – gibt es diesbezüglich verschiedene Regeln sowie Strafen bei Nichteinhaltung. Wer zum Beispiel ohne Brille fährt, obwohl sie im Führerschein eingetragen wurde, zahlt ein Verwarnungsgeld von 25 Euro. Passiert ein Unfall aufgrund der Sehschwäche oder ist dieser mit einer Sehschwäche in Verbindung zu bringen, kann das Bußgeld bis zu 2.000 Euro plus Punkte in Flensburg oder ein Fahrverbot betragen. Auch KFZ-Versicherungen sehen im Fahren ohne Brille eine grobe Fahrlässigkeit und kommen deshalb nicht für den verursachten Schaden auf. In vielen Fällen zahlt die Versicherung zunächst, stellt dann aber Regressansprüche und verlangt damit das Geld vom Fahrer zurück.