Schon immer haben sich Autobauer im Motorsport betätigt. Rennsport weckt Emotionen und begeistert für neue Technologien. Das zeigt auch der Erfolg der Formel E. In diesem Jahr wurde der Rundkurs mitten in Berlin, unweit des Alexanderplatzes,  aufgebaut. Für den Sponsor und Automobilzulieferer Schaeffler Grund genug und perfekter Anlass,  über die Aktivitäten  im Bereich der E-Mobilität und über seine Erwartungen mit Blick auf die Antriebssysteme der Zukunft zu sprechen.

Peter Gutzmer, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes und Vorstand Technologie bei Schaeffler, prophezeit,

Peter Guzmerdass sich die Autoindustrie in den nächsten 10 Jahren stärker verändern werde, als in letzten 30 Jahren. Mit rund 84.000 Mitarbeitern ist Schaeffler eines der weltweit größten Familienunternehmen und verfügt mit rund 170 Standorten in 50 Ländern über ein weltweites Netz aus Produktionsstandorten, Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Die Schaeffler Gruppe wolle auch künftig eine tragende Rolle in dieser Industrie spielen, aber nicht allein als Zulieferer auch als Systempartner der Hersteller.Schaeffler wolle über sein Engagement im E-Motorsport neue Technologien unter den härtesten Bedingungen testen. Die Formel E Rennen finden alle in den Zentren von Weltstädten statt. Das sei gut so, denn „ … was Menschen interessiert, muss man zu den Menschen bringen, also in die Städte“. Motorsport zeige zudem Grenzen bei Leistungsfähigkeit und Effizienz auf. Was hier getestet und angewendet wird, werde schließlich übertragen auf kommende Generation der Elektro-Serien-Modelle. Leistungsdichte, niedriges Gewicht und Systemkompetenz seien die entscheidende Größen, so Gutzmer weiter.Seit 1999 beschäftige sich Schaeffler bereits mit E-Mobilität. Im Jahr 2002 hätte das Unternehmen sein erste E-Concept-Car vorgestellt. 2011 wurde dann ein eigener E-Mobilitätsbereich geschaffen. Die Schaeffler-Gruppe habe bisher über eine halbe Milliarde Euro in E-Mobilität investiert. Künftig werde Schaeffler noch einmal eine halbe Milliarde investieren und die Mannschaft verdoppeln, so der Entwicklungsvorstand weiter.Kurzfristig würden 48 Volt-Systeme (bis 20 kW) zur milden Hybridisierung von Verbrenner-Systemen beitragen. Damit könnten Verbrauchseinsparungen von bis zu 25 Prozent erzielt werden. Speziell für Stadtfahrzeuge werden nach Auffassung von Gutzmer Radnabenantriebe eine Rolle spielen. Hier erwarte Schaeffler die Serieneinführung allerdings erst nach 2020. Wenn sich allerdings ein Partner finde, der den Radnabenmotor früher in Serie bringen wolle, wäre Schaeffler schon in 3 bis 4 Jahren in der Lage, solche Systeme zu liefern. Schaeffler erwarte dass der Anteil reiner Elektromobilität in 10 bis 15 Jahren bei 20 bis 25 Prozent liegen wird. Den reinen Verbrenneranteil sieht Gutzmer dann unter 50 Prozent. Bestimmte Regionen der Erde, wie etwa Indien, würden wegen der dort nicht vorhandenen Infrastruktur jedoch weiter vom Verbrenner beherrscht. Die Hybrid-Technik sehe er als Übergangstechnologie.
Die Entwicklung der Infrastruktur werde aber auch in Europa für die Zunahmen der Elektromobilität entscheidend sein. Hier sei die Politik über die deutschen Grenzen hinaus gefordert. Neben den Kosten sei auch beim großen Thema Brennstoffzelle die Tank-Infrastruktur die entscheidende Größe. Hier plant eine Projektgesellschaft aus Regierung und Industrie mit nur 400 Wasserstofftankstellen bis 2020. Vor dem Hintergrund der vorhandenen rund 900 Erdgastankstellen in Deutschland, erscheint die geplante Zahl von Wasserstofftankstellen deutlich zu gering. Im europäischen Ausland scheint die Lage indes noch schlechter.Schaeffler Vorstand Gutzmer erwartet für die Zukunft, dass sich die Beziehungen von Autoherstellern zu Zulieferern ändern werden. „Hersteller gehen bei der eigenen Wertschöpfung nicht mehr so stark in die Tiefe, weil Partner aus der Zulieferindustrie zunehmend Kern-Kompetenz bei kompletten Systemen aufbauen würden. Dieses Know-how würde sich bereits heute in vorgestellten Konzeptfahrzeugen zum Ausdruck bringen. Zudem würden Fahrzeug in Zukunft deutlich stärker als heute schon, nämlich zu 60 bis 70 Prozent, von der Software bestimmt. Auch damit würden wohl neue Player aufs Spielfeld kommen, so Gutzmer weiter.

Der Automobil- und Industriezulieferer sei bestens auf die Anforderungen der Zukunft vorbereitet und beschäftige sich mit allen bekannten Mobilitätslösungen, um auf gesellschaftliche und nachfragebasierte Entwicklungen reagieren zu können.