Das amerikanische Unternehmen Qualcomm ist Insidern bekannt, weil Qualcomm Technologie heute in nahezu jedem Mobiltelefon verbaut ist. Dabei verdient das im kalifornischen San Diego ansässige Unternehmen nicht allein an der Produktion von Prozessoren und Co, Qualcomm profitiert auch von vergebenen Lizenzen.

Ein Geschäftsfeld, für das Qualcomm noch nicht bekannt war, ist die Entwicklung von kabellosen Ladesystemen für Elektro-Fahrzeuge. Um diese Entwicklungen unter härtesten Bedingungen im Rennsport zu testen, aber auch um diese Aktivitäten in der Öffentlichkeit und bei möglichen Geschäftspartnern in der Autoindustrie bekannter zu machen, engagiert sich Qualcomm in der FIA Rennserie „Formula E“. Das einzige Formel E Rennen findet hierzulande in Berlin statt. Der-Autotester.de besuchte das Rennen und machte sich bei Qualcomm schlau, wie die neue Technologie funktioniert und was hier in Zukunft zu erwarten ist.

Bereits heute wird das Safety Car der Formel E, ein BMW i8, von einem Qualcomm System ohne jegliche Kabelverbindung – quasi durch die Luft – aufgeladen. Dabei wird selbstredend niemand gefährdet. Um Strom zu tanken, fährt das aktuelle Saftey Car, ein BMW i3, über ein auf dem Asphalt liegendes Induktionsfeld (siehe Foto). Der Fahrer sieht auf dem Display seines Smartphones, sobald das Auto perfekt über der Ladefläche positioniert ist. Dann startet er den Ladevorgang, der in rund 90 Minuten abgeschlossen ist.Graeme Davison, Vice President Technology bei Qualcomm EuropeDas sei jedoch nur der erste Schritt in die richtige Richtung, erklärt Graeme Davison, Vice President Technology bei Qualcomm Europe. In rund 10 Jahren erwartet Davison, dass Fahrzeuge während der normalen Fahrt auf öffentlichen Straßen mit Energie aufgeladen werden können. Dazu müssten die Induktionsfelder unsichtbar in der Asphaltdecke eingebaut werden. Noch ist das Zukunftsmusik. Auf dem Weg zu diesem Ziel müssen Teilschritte erfolgen.Safety Car mit Qualcomm Technologie bei der Formel E in BerlinDer nächste Schritt sei das statische kabellosen Laden, das erfolgt, während das Auto eine gewisse Zeit steht, so etwa während des Einkaufens oder während der Arbeitszeit, wenn im Asphalt der Parkplätze Ladefelder eingelassen sind. Nächster Schritt könnte das teil-mobile Laden sein. So etwa wenn Taxis während ihrer Wartezeit langsam vorwärts fahren. Der dritte Schritt wäre dann das mobile Laden während der schnellen Fahrt.

Bruno Correia ist der Fahrer des Safety Cars BMW i8 und Graeme Davison, Vice President Technology bei Qualcomm EuropeMit dieser Qualcomm Technologie würde neben dem Vermeiden des An- und Abstecken an einer Leitung auch das Kapazitätsproblems der Batterien relativiert, weil der Ladevorgang in Teilschritten während der Nutzung erfolgt. Auch die aktuell noch langen Ladezeiten und damit verbundene Wartezeiten würden der Vergangenheit angehören. Qualcomm Experte Davison sieht der Zukunft der E-Mobilität ausgesprochen positiv entgegen. „In Zukunft wird es wohl nicht das System geben, das zu 100 Prozent die Lösung ist. Wir werden weiterhin Verbrennungsmotoren haben, wenn auch in einem deutlich geringeren Anteil als heute“, prognostiziert der Qualcomm Vice President. Für kurze und mittlere Strecken erwartet Davison Elektromobile mit Batterien als Speicher für die notwendige Energie. Für lange Strecken sieht er auch die Brennstoffzelle als mögliche Lösung.Mit der Anwendung des kabellosen Ladens bei der Formel E beweist Qualcomm, dass sein System schon heute funktioniert. Einmal mehr wird im Motorsport getestet, was später zum Standard werden könnte. Nur noch runde 20 x 30 Zentimeter groß und ein Kilo schwer ist das Bauteil (siehe Foto), das im Auto als Empfänger für die kabellose Übertragung der Energie eingebaut werden muss. Noch vor 2 Jahren wäre dazu ein Bauteil von 2 Quadratmeter Größe notwendig gewesen.