Der Automobil-Salon 2016 in Paris – Ein Kommentar

Auch wenn die Paris Motor Show – wie manche den Automobil Salon an der Seine nennen – eigentlich erst begonnen hat, ist sie für Journalisten schon wieder Geschichte. Was bleibt? Zeit für eine konzentrierte Rückschau. Wo waren die Highlights? Was hat uns enttäuscht? Was ist uns aufgefallen?Opel Ampera-e World Premiere in ParisDas Thema Elektro-Mobilität ist auf dem Salon allgegenwärtig. Und so ist unser Highlight des Pariser Automobil Salons der Opel Ampera-e. Auch wenn Opel-Chef Karl-Thomas Neumann wohl optimistisch von „mehr als 500 Kilometern Reichweite“ gesprochen hat, und die Verifizierung dieser Zahl noch auf sich warten lässt, haben die Rüsselsheimer hier einen selbstbewusst formulierten Pflog in den Boden geschlagen. Damit setzt Opel wirklich ein Zeichen.

Und dieses reine Elektro-Auto ist keine Studie, keine Concept-Car, keine Ankündigung für die Zukunft. Der Ampera-e soll im Frühjahr schon beim Opel-Händler gekauft werden können. Und wenn er diese 500 Kilometer halten kann, wird er mit seinem Raumangebot das erste alltags- und familientaugliche E-Automobil, das sich Familien mit einem normalen Einkommen auch leisten können. Wir erwarten den Ampera-e zu Preisen ab 28.000 Euro. Opel macht aus den Kaufpreisen jedoch noch ein Geheimnis.

Auch andere haben die E-Mobilität in den Focus gestellt. Vielfach allerdings mit Studien oder bloßen Ankündigungen, deren konkreter zeitlicher Bezug oft fehlte. So hatten von Volkswagen nicht wenige Marktkenner nach der vollmundigen Ankündigung, E-Fahrzeuge zu fokussieren, Herausragendes erwartet. VW Golf mit 300 km ReichweiteWas kommt ist nun der E-Golf mit einer erweiterten Reichweite von bis zu 300 Kilometern. Das ist ein sehr guter Wert, aber eben im Vergleich nicht herausragend. Alles andere ist bislang aus unserer Sicht wortreich formulierte heiße Luft mit hohem Ankündigungsfaktor. Der erhoffte Befreiungsschlag nach dem Diesel-Skandal – und nichts anderes ist er – blieb dagegen aus. Auch die 13. Marke im Konzern, die moderne Mobilitätsdienstleistungen erzeugen soll, will erst noch belebt werden. Im November soll zunächst ihr Name definiert werden. Hier musste wohl schnell etwas erfunden werden, um von der aktuellen Diskussion abzulenken. Ein fertiges Konzept ist da allerdings noch nicht erkennbar, geschweige denn fertige Produkte oder Dienstleistungen.Auch Mercedes stellte zwar verschiedene Projekte vor, aber eine konkrete Produktvorstellung, die E-Mobilität in die Nähe von Alltagstauglichkeit schieben könnte, haben wir auch bei den Schwaben nicht erkannt. Unter der Marke „EQ“ sollen bis 2025 10 neue E-Fahrzeuge auf den Markt gebracht werden. Also auch hier vor allem vollmundige Ankündigungen zum elektrisch angetriebenen Fahren.bmw-i3-garage-italia-1BMW zeigt mit dem i3 ein Auto, das zwar keine Weltpremiere war, aber die Ausweitung der Reichweite von 190 auf nun 300 Kilometer, passt zu dem, was Volkswagen im Golf als Weltpremiere präsentierte. BMW X2Mit der seriennahen Studie „X2“ beweist BMW einmal mehr seine innovative Design-Kraft. Eine wirklich vielversprechende, kraftvolle SUV-Coupé-Optik, die schon Ende 2017 in Serie gehen soll.

Renault erweitert die Reichweite des Elektroflitzers Zoe auf beachtliche 400 Kilometer.

Nissan zeigt den neuen Micra, der bei den Journalisten vielfach Anklang findet, und kaum noch wie ein Kleinwagen erscheint.

Tesla war mit einem kleinen Stand, ganz untypisch bescheiden am Rand der Halle 1 vertreten. Allzu viel Neues schien es hier nicht zu geben. Andere Hersteller wie Ford und Volvo sind jedoch gar nicht in Paris vertreten. Manchmal ist es besser, nichts zu zeigen, wenn man nicht wirklich was Neues hat. Zudem spart das hohe Kosten ein.

Bei den klassischen Verbrenner-Neuheiten sind uns der neue Audi Q5 (nahe am Q7), der Kia Rio (optisch gelungen), der Skoda Kodiaq (großer SUV ab 25.000 Euro), der Renault Koleos (endlich ein schöner Koleos) und der Land Rover Discovery (in der erfolgreichen Designlinie) besonders positiv ins Auge gefallen.