An Tagen wie diesen – mit Schnee und Eis auf unseren Straßen – erkennen auch die Nutzer befestigter Straßen im flachen Land, wie wertvoll ein Allradantrieb sein kann. Wer dazu noch am Berg wohnt, wird auf den Allradler nicht verzichten wollen. Und für Landwirte, Jäger oder andere, die sich über oder in unbefestigtem Gelände bewegen müssen oder wollen, ist der Antrieb an allen 4 Rädern unersetzbar. Selbstredend hat nicht jeder, der den Allradler braucht, einen dicken Geldbeutel und so fällt der Blick auf bezahlbare, geländetaugliche Automobile.

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Allrad in der Mini-Klasse

Der neue Panda Cross ist ein Vertreter dieser Gattung, den ich über 14 Tage hinweg unter die Lupe nehmen konnte. Mein Testwagen war mit einem 1,3 Liter Dieselantrieb ausgestattet. Über sein manuelles 5-Gang-Getriebe bringt er maximal 59 kW (80 PS) an die Räder. Fiat gibt für diesen Selbstzünder im Panda Cross einen kombinierten Normverbrauch von 4,7 Liter auf 100 Kilometer an. Alternativ ist der Fiat Panda Cross auch mit dem aus anderen Fiat-Modellen bekannten Zweizylinder-Turbo-Benziner erhältlich, der hier 66 kW (90 PS) leisten soll und mit einem Normwert von 4,9 Liter angepriesen wird. Wie schon in anderen Fiat Modellen wird dieser Wert in der Realität jedoch nicht annähernd erreichbar sein. Bella Italia!

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Der erste Blick auf den Panda Cross erzeugt bei mir Kopfschütteln. Noch nie habe ich ein so grell-gelbes und hippes Gelände-Make-up in Kombination mit tatsächlicher off-road-Tauglichkeit gesehen. Figura Italiano. Vor mir steht ein winziger City-Flitzer, der zum Kletter-Max mutiert ist. Skurrile Erscheinung. Und getreu dem Motto, was ich nicht verstecken kann, muss ich betonen, wurde die beiden Abschleppösen an der Front knallrot gestrichen. Ich zweifle, ob hiesige Wein- und Bergbauern diese Symbiose lieben werden.

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Wer geländetaugliches Auto sucht, wird sich indes über die Höherlegung um neun Millimeter, die Ganzjahresreifen im Format 185/65 R15 und die Stahlprotektoren am Unterboden freuen, denn sie helfen dem Panda Cross im Gelände tatsächlich. 161 Millimetern Bodenfreiheit, eine maximale Steigfähigkeit von 70 Prozent und eine maximale seitliche Neigung von bis zu 55 Prozent sind gute Werte. Dazu kommt noch ein Böschungswinkel von 24 Grad vorne, 34 Grad hinten sowie einen Rampenwinkel von 21 Grad. Die Ansaugöffnung des Motors liegt runde 739 Millimeter über dem Boden, das hilft bei Wasserdurchfahrten. So ausgestattet zieht sich der Panda Cross in schrägen und rutschigen Fahrsituationen überraschend lässig aus der Affäre.

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Neues Allradsystem

Das Allrad-System dieses Mini-Cross-Mobils mit einem elektro-hydraulischen Mittendifferenzial und elektronischem Sperrdifferenzial, nutzt im Bedarfsfall ESP um einzelne Räder abzubremsen und die Kraft auf die Räder mit guter Haftung zuleiten. Diese Features werden in der neuen „Terrain Control System“ zusammengebführt, die über ein Drehrad zwischen den Vordersitzen eingestellt wird. Im Auto-Modus wandern 98 Prozent der Kraft an die Vorderräder. Die Hinterräder wird nur zugeschaltet, wenn „Schlupf“ entsteht. So kann im Bedarfsfall das komplette Drehmoment an die Hinterachse wandern. Im Offroad-Modus (bis max. 50 km/h) sind der Allradantrieb, das Sperrdifferenzial und die automatische Drehmomentverteilung permanent aktiv. 3. Einstellvariante ist der Hill-Descent-Modus, der bis zu einer Geschwindigkeit von 15 Stundenkilometern bei steilen oder schwierigen Abfahrten hilft. Der Fahrer muss dann nur noch lenken, die Elektronik erledigt den Rest.

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Diesel gibt sich dauerhaft zu erkennen

Der 80 PS-Turbo-Diesel sorgt mit seinen 190 Newtonmetern für angemessenen Vortrieb. Er bringt den Panda Cross ordentlich, aber nicht ausufernd schnell voran. Er bleibt, selbst wenn er warm ist, ein rauer und lauter Geselle. Ein gut abgestimmtes 6-Gang-Getriebe würde dem Panda Cross zu einer besseren Bewertung verhelfen. Auf meinen gemischten Testfahrten, die überwiegend auf normalen Straßen stattfanden, verbrauchte er im Schnitt 6,5 Liter. Das Auto ist zwar wendig, seine Federung passt indes zum rauen und wenig komfortablen Gesamteindruck. Die Bedienung des Panda Cross war im Großen und Ganzen unkompliziert. Smartphones scheinen sich jedoch nur über das unperfekte Spracheingabesystem einbinden zu lassen, das dauert und nervt. Intuitiv geht anders.

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Der Preis ist nicht heiß

In der Diesel Variante kostet der Panda Cross mindestens 19.890 Euro. Das sind runde 4.000 Euro mehr, als für den alten Panda 4×4 verlangt wurden. In diesem Preis sind dann zwar die extra für den Cross entwickelten Stoffe, eine Klimaanlage sowie das „Blue&Me-Entertainmentsystem“ samt Bluetooth-Freisprecheinrichtung und USB-Anschluss beinhaltet, aber ein Schnäppchen ist dieser Grundpreis für mich beileibe nicht. Mein Testwagen hat mit einigen netten Extras, wie City-Notbremsassistent, Seitenairbags vorn und einem Winterpaket, ausgestattet schließlich 21.890 Euro gekostet. Wer im Segment der bezahlbaren Allradler sucht, der sollte den Panda Cross mit dem Lada Taiga, dem Suzuki Jimny und dem Dacia Duster 4×4 vergleichen.

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