Was ist eigentlich ein Crossover?

Diese Frage stellt sich in jüngster Zeit nicht selten, wenn ein neues Automodell vorgestellt wird. Alles was nicht eindeutig einem der bekannten Segmente zuzuordnen ist, wird kurzerhand „Crossover“ genannt. Vielleicht lässt sich der Begriff ja schlicht als Mischung aus zwei Bereichen einkreisen. Das trifft aus meiner Sicht jedenfalls auf den neuen Opel Crossland X zu. Er sieht zunächst nach Freiheit und Abenteuer aus, denn hier finden sich die typischen optischen Merkmale eines SUVs: Höher gelegtes Fahrwerk, Unterfahrschutz und schützende Kunststoffbeplankungen um die Radhäuser. SUVs liegen im Trend, mit ihnen fährt man gerne vor, sie verkaufen sich derzeit wie geschnitten Brot. Umso nahe liegender erscheint es, eher langweiligen Autos mit einem hohen Nutzwert, wie die sogenannten Vans, eine aufregendere Hülle zu verpassen. Das macht Papa dann vielleicht mehr Lust auf die wenig geliebte Familienkiste. Wenn dann noch ein Motor eingebaut ist, der den Crossover dynamisch nach vorn treibt, ist der Erfolg des neuen Crossover-Modells kaum noch zu verhindern. Das hofft nun auch Opel, die den Crossland X seit 2012 gemeinsam mit den Kollegen von Peugeot auf der Basis des 2008 entwickelt haben.Auch wenn der Crossland X aussieht wie ein SUV – er ist keiner

Bewusst haben die Rüsselsheimer auf einen Allradantrieb verzichtet, um mehr Nutzraum erzielen zu können. Das hat funktioniert. Sowohl vorn, wie auch hinten, sitzt es sich komfortabel. Und die um 15 Zentimeter in der Längsrichtung verschiebbare Rücksitzbank lässt die Wahl, ob man mehr Raum für das Gepäck oder mehr Raum für die Mitfahrer in der zweiten Reihe bevorzugt.

So variiert der Gepäckraum zwischen 410 und 520 Litern. Wird die Bank nach vorn geschoben, bleibt vor den Rücksitzen allerdings im besten Fall ausreichend Fußraum für Kinder. Aber auch das ist nachvollziehbar in einem Auto dieser kompakten Größe. Sind nur zwei Personen an Bord, lässt sich der Gepäckraum durch das Umlegen der Sitzbank (40:60 ist auch möglich) auf bis zu 1.255 Liter erweitern.  Mir gefällt diese Variabilität ausgesprochen gut. Und man darf nicht vergessen, dass sich der Crossland X  (Länge 4,21 Meter) im B-Segment bewegt – also auch in der Nachfolge des Meriva.

Positives kann ich auch über das Cockpit sagen, das optisch in drei Ebenen aufgeteilt ist und wirklich aufgeräumt und in guter Qualitätsanmutung daher kommt. Die Bedienung von Multi-Media und Navigation gibt keine Rätsel auf. Wenn man sich überlegt, wo man eine bestimmte Funktion finden könnte, dann liegt man sehr oft richtig. Das ist durchaus ein Kompliment. Auch die Anmutung der Materialien passt. Premium ist das allerdings noch nicht. Darf  man bei einem Einstiegspreis von 16.850 Euro auch nicht erwarten.Mein Testwagen ist mit dem maximal 110 PS (81 kW) leistenden 3-Zylinder-Benziner versehen, der seine Kraft über eine 6-Stufen-Wandler-Automatik an die Vorderräder leitet. Es schaltet zwar sauber durch, ist aber kein sportlich ausgelegtes Getriebe. Wer es etwas dynamischer mag, der kann mit dieser Automatik auch manuell schalten. Der Vortrieb bleibt aber verhalten. Auf unseren Testfahrten in den Bergen von Venetien und in der Ebene an der Küste hat der Crossland X mit diesem Antriebsstrang 7,2 Liter Benzin je 100 Kilometer verbraucht.Ein üblicher Wert, mit dem man gut leben kann. Wer weite Strecken fährt, sollte eher auf den 120 PS Diesel zurückgreifen, der mit seinen 300 Newtonmetern Drehmomentspitze nahezu 100 Nm mehr liefert als der 110 PS-Benziner und (bei geringerem Kraftstoffpreis) unter 6 Liter je 100 Kilometer zu bewegen ist. Der Benzin-Motor ist auch mit der Leistungsstufe von 130 PS zu haben. Den Diesel gibt es schon in einer 99 PS-Leistungsstufe. Beeindruckend klein ist der Wendekreis des Crossland X (10,70 Meter), das macht ihn zum gelenkigen Stadtflitzer. Dazu passt die eher direkte Lenkung bestens. Das Fahrverhalten des neuen Opel Stars erinnert mich in Summe eher an einen Van, als an einen SUV. Aber das soll ja nichts Schlechtes bedeuten.Für den Crossland X sind selbstverständlich die meisten bekannten Assistenzsysteme zu haben. Meine Empfehlung ist das einfache, aber effektive Head-up-Display für 300 Euro. Mit ihm kann der Blick auf der Straße bleiben und man ist stets über aktuelle Geschwindigkeitsbeschränkungen informiert, auch die Navigationshinweise sind so im direkten Sichtfeld des Fahrers. Den im Zweifel lebensrettenden Notbrems-Assistenten soll es im Lauf des Jahres geben. Ein Abstandsregeltempomat ist dagegen überraschenderweise nicht im Angebot.

Fazit:

Der Crossland X ist in meinen Augen ein gelungenes Auto, das für eine große Zielgruppe spannend sein dürfte. Wenn die Zusammenarbeit (und vermutlich mehr) von Opel mit dem PSA Konzern auch beim nächsten gemeinsamen Modell, dem im Lauf des Jahres debütierenden Grandland X, genauso erfolgreich sein wird, darf man in Rüsselsheim positiver in die Zukunft schauen. Auch wenn PSA-Chef Tavares bestimmt noch kostenreduzierende, bittere Pillen für die Opel-Mitarbeiter in petto haben dürfte. Bleiben wir optimistisch.

Technische Daten

Opel Crossland X 1,2 DIT 6AT

Länge x Breite x Höhe (m): 4,21 x 1,76 x 1,60
Radstand (m): 2,60
Motor: R3-Benziner, 1.199 ccm, Direkteinspritzung, Turbo
Leistung: 81 kW / 110 PS bei 5500 U/min
Max. Drehmoment: 205 Nm bei 1500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 187 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 11,8 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 5,4 l
Effizienzklasse: B
CO2-Emissionen: 123 g/km (Euro 6)
Leergewicht / Zuladung: min. 1289 kg / max. 516 kg
Kofferraumvolumen: 410–1.255 Liter
Max. Anhängelast: 840 kg
Wendekreis: 10,7 m

Preis mit diesem Antrieb ab: 19.950 Euro

Basispreis Crossland X: 16.850 Euro