Wohin des Weges? – Noch pures Nutzfahrzeug oder doch schon Lifestyle-Symbol?

Und weiter geht es mit unserer Serie zu den Pick-ups. Heute berichten wir über den Nissan Navara. Wie bereits erwähnt, finden die Allzweck-Autos, die ihren Ursprung bekanntlich in den USA und Südamerika haben, immer mehr Anhänger, auch wenn ihre absolute Zahl noch weit von den SUVs und ihren Ablegern entfernt ist. Nissan Navara FrontAber auch der SUV-Trend ist in den späten 90er aus Amerika zu uns herübergeschwappt und hat hier einen unglaublichen Siegeszug geführt. Wir wollen damit nicht sagen, dass es in 10 Jahren auch die Pritschenwagen zu ähnlichen Stückzahlen bringen werden. Jedenfalls verzeichnen die noch wenigen Anbieter in diesem aufstrebenden Segment die höchsten Steigerungszahlen der Branche. Und in den USA ist das meistverkaufte Automobil mit dem Ford F-150 ein Pick-up. Grund genug für den Autotester.de, sich ausführlicher mit den diesen Nutzfahrzeugen zu beschäftigen, die längst auch bei Trendsettern beliebt sind, die mit ihrem Pick-up ins Theater, zum Rock-Konzert oder in die Oper fahren.Nissan Navara FelgeOper oder Feld?

Groß ist er, der Nissan Navara. 5,30 Meter lang, 1,84 Meter hoch und 1,84 Meter breit. Für die Stadt beinahe zu groß. Schmale Gassen sind mit ihm kein Vergnügen. Wer ihn erklimmt, thront deutlich über dem allgemeinen Verkehr. Ein mächtiges Gefährt, das seinen Fahrer die Übersicht bewahren lässt. Aber auch ein monumentales Status-Symbol. Symbolträchtiger als die meisten SUVs, die inzwischen ja schon von Lieschen Müller gefahren werden. navaraWer die Kinder mit dem Pick-up vor den Kindergarten bringt, dem ist Aufmerksamkeit gewiss. Zwar gibt es die meisten Pick-ups mit einer Single-Kabine, in der nur 2 Personen mitfahren können, aber deutlich gefragter sind die „Double-Cabs“, mit denen, wie im normalen PKW, bequem 4 -5 Personen Platz finden. Das gilt auch für unseren Testwagen, den Navara Double Cab in der „Tekna“-Ausführung. Nissan Navara 2. SitzreiheDie zweite Sitzreihe kann auch dem sicheren und trockenen Verstauen von Gepäck dienen, denn die Ladefläche (1,85 x 1,56 x 0,74 m) liegt grundsätzlich ja im Freien und ist somit für jeglichen Zugriff offen.

Gegen Aufpreis können jedoch Ladeflächenabdeckungen erworben werden, so gibt es optional ein Softcover, ein Rollcover, eine Aluminiumabdeckung oder ein Hardtop.

Hohe Anhängelast und hohe Zuladung möglich

Der robuste Diesel-Antrieb des Navara leistet mit der 2,3 Liter 4-Zylinder-Maschine maximal 190 PS (140 kW), so bringt er den rund 2 Tonnen schweren Wagen, der ein Drehmoment von bis zu 450 Newtonmeter auf den Asphalt bringt, durchaus kraftvoll in Gang. Dabei hält sich sein Diesel-Durst während unserer 2-Wochen-Test-Phase durchaus im Bereich des erträglichen. Im Schnitt aller Straßenarten und Fahrstile haben wir runde 10 Liter notiert. Nissan gibt den kombinierten Normwert, der bekanntlich unter Labor-Bedingungen gemessen wird, mit 7 Litern an.Navara VorderradWie es sich für einen Pick-up gehört, kann unser Navara an allen 4 Rädern (grundsätzlich an den Hinterrädern befeuert, die Vorderräder können nach Bedarf dazu geschaltet werden) angetrieben werden, damit er auch die Fahrt aufs Feld unbeschadet übersteht. Übersetzt wird sein Kraft mit einem Mittelkonsole7-Gang-Automatikgetriebe, das es nicht allzu eilig hat, den Navara in die Gänge zu kriegen. Halt ein klassischer Wandler und damit mehr auf bequem, denn auf sportlich getrimmt. Passt ja. Wer übrigens auch mit Hänger unterwegs sein muss, für den bietet der Navara bis zu 3,5 Tonnen gebremster Anhängelast. Und auch seine maximal zulässige Zuladung von ca. 1.000 Kilo ist beachtlich.

Kostet was

Doch wie fährt sich der Navara nun? Im Vergleich mit den Pritschenwagen, die wir bisher unter die Lupe genommen haben, ist er das rauste Gefährt. Er erinnert am stärksten an seine Vorgänger bei denen der landwirtschaftliche Nutzwert im Vordergrund stand. Sein Wendekreis von 12,40 Meter ist für die Stadt einfach zu groß. Aber hier unterscheidet er sich nicht wesentlich von Ford Ranger und VW Amarok. Nissan NavaraAls „recht wendig“ kann man ihn aber nicht bezeichnen. Dagegen liegt er auf der Autobahn auch bei höherem Tempo (Vmax: 180 km/h) gelassen und sicher auf der Straße. Denn technisch ist schon im Basis-Modell (Acenta) alles an Bord, was der Automobilbau heute möglich macht. So trägt zum gutmütigen Fahrverhalten unter anderem die Mehrlenker-Hintersachse bei. ABS und ESP sind selbstverständlich. Sogar ein autonomer Notbrems-Assistent ist an Bord. Genauso wie ein Tempomat, eine Berganfahrhilfe, wirklich Nissan Navara Vordersitzebequeme Komfortsitze mit Sitzheizung oder eine Fahrlichtautomatik. Der Nissan Navara Couble Cab kostet in der Acenta-Ausstattung mit manuellem 6-Gang-Getriebe ab 33.030 Euro. Unser „Tekna“-Testwagen ist ab 41.625 Euro zu haben, dazu kommen noch 620 Euro für eine Differentialsperre, 710 Euro für die Anhängerkupplung und Metallic-Lack für 670 Euro. In Summe müssten daher für unseren Testwagen 42.625 Euro auf den Tisch den Nissan Händlers geblättert werden.

Das ist wahrlich nicht wenig Geld. Aber wenn man sieht, dass darin unter anderem die Leder-Ausstattung, ein Navigationssystem mit 360 Grad Rundumsicht-Kamera, die Rückfahrkamera, die Einparkhilfe ein Glas-Hub-Schiebedach und ein schlüssellos möglicher Zugang beinhaltet ist, dann bewegt man sich im Vergleich durchaus in einem üblichen Preisumfeld.

Fazit

Wer sich von der Masse abheben möchte, kann den Navara ins Auge fassen. Der Navara scheint näher am Pritschenwagen Ursprung, als am Lifestyle Vehikel. Er ist mit seinem starken Diesel-Allrad-Antrieb und seiner Alu-Pritsche ein robuster Kerl für viele Fälle. In der City fühlt er sich allerdings nicht wirklich zu Hause. Aber für SUVs gilt das ja auch und sie werden dort bekanntlich in großer Zahl bewegt.

Nissan Navara Seitenansicht

Technische Daten:

Nissan Navara Double Cab 2.3 dCi 7AT 4X4

Länge x Breite x Höhe (m): 5,30 x 1,85 x 1,81
Motor: Dieselmotor, 2999 ccm

Antrieb: Hinterradantrieb mit zuschaltbarem Vorderradantrieb
Leistung: 140 kW / 190 PS bei 3750 U/min
Max. Drehmoment: 450 Nm bei 1500-2500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Durchschnittsverbrauch (nach EU-Norm): 7,0 Liter
CO2-Emissionen: 183 g/km (Euro 5b)
Leergewicht/Zuladung: 2.073 kg/937 kg
Max. Anhängelast: 3.500 kg