Luftschiffe, Duftwässer im Fass, Dinosaurier-Skelette, ein U-Boot für zwei Personen oder ein Monopoly-Spiel komplett aus Schokolade – die Fantasie der amerikanischen Nobelkaufhauskette und Online-Versandhauses Neiman Marcus aus Dallas/Texas ist nahezu grenzenlos, wenn der Weihnachtskatalog zusammengestellt wird. Und immer sind auch besondere Autos im Angebot. Wenn auch die Preise mitunter exorbitant wirken – ein beträchtlicher Teil des Mammons dient immer guten Zwecken.

Rund 750 000 Haushalte in den USA erhalten zur Zeit das frisch aus der Druckerpresse gepurzelte „Neiman Marcus Christmas Book“. Es gilt als Auftakt für die beginnende Weihnachtszeit, die in den Vereinigten Staaten religionsübergreifend Holiday Season (Ferienzeit) heißt. Als es 1926 zum ersten Mal erschien, umfasste es 16 Seiten und war nur für handverlesene Kunden bestimmt. Diesmal bietet es auf 300 Seiten rund 700 Produkte an, darunter Dinge, die normalerweise nur schwer oder überhaupt nicht zu bekommen sind.

So dürfen zum Beispiel Normalsterbliche weder für Geld noch für gute Worte zusammen mit den Größen aus Rock und Pop über den roten Teppich schreiten, wenn am 12 Februar 2017 in Los Angeles die Grammy Awards, die wichtigsten US-amerikanischen Musikpreise, vergeben werden. Bei Neiman Marcus geht das. Dann kostet der exklusive Spaß für zwei Personen schlappe 500 000 Dollar. Dafür gibt es obendrein passende Garderobe, Frisur und Makeup, die Teilnahme an der Insider-Party der Künstler, Zugang zum Backstage-Bereich und manches mehr. Übernachtet wird im Peninsula Beverly Hills-Hotel, das dafür bekannt ist, seine Gäste im Rolls-Royce durch die Gegend zu chauffieren.

Oder will jemand als Statist auf der Bühne des Broadway-Erfolgsmusicals Waitress mitwirken? Kostet zusammen mit vier Eintrittskarten für Freunde 30 000 Dollar. Fast ein Klacks gegenüber den 700 000 Dollar, die der einwöchige Luxus-Aufenthalt in drei besonders geschichtsträchtigen britischen Landsitzen für acht Personen inklusive Hubschraubertransport, Dinner mit dem Hochadel, Verpflegung durch Sterne-Köche und angemessener Freizeitgestaltung kostet.

Größten Zuspruch finden stets die eigens für Neiman Marcus einer optischen und technischen Frisur unterzogenen Autos. So waren 2011 die zehn angebotenen Ferrari FF innerhalb von 50 Minuten zum Stückpreis von 395 000 Dollar weg. 2012 dauerte es weniger als zwei Stunden, bis zwölf McLaren MP4-12c Spider für 354 000 Dollar/Exemplar verkauft waren. Sieben Jahre zuvor hatte das Versandhaus 50 spezielle BMW M6 Cabrio innerhalb einer Minute und 32 Sekunden jeweils für 139 000 Dollar inklusive Flug nach München zur Abholung ab Werk unter die Leute gebracht.
Waren es im vergangenen Jahr 100 Ford Mustang GT Cabrio mit 522 kW / 710 PS samt zweitägigem Fahrsicherheitslehrgang für 95 000 Dollar, so wartet diesmal fast ein Sonderangebot auf die Neiman- Marcus-Autofreaks. 63 000 Dollar (ca. 58 600 Euro) soll jeweils einer von 50 Infiniti Q60 Red Sport 400 kosten. Das Auto der Luxusmarke des japanischen Nissan-Konzerns mit Twinturbo-Motor, drei Litern Hubraum, sechs Zylindern und 300 kW / 405 PS verfügt komplett über alles, was Infiniti auf seiner Wunschausstattungsliste zahlungskräftigen Kunden anbietet. Dazu gehören zum Beispiel eine Bose-Audioanlage, eine Sieben-Gang-Automatik, zahlreiche Fahrerassistenzsysteme auf dem jüngsten Stand der Technik oder Lederausstattung. Neiman Marcus steuerte darüber hinaus speziell entworfenes Reisegepäck sowie eine Abdeckplane für den Wagen bei. Alles mit Infiniti- und Neiman- Marcus-Logo versehen, damit die Nachbarn auch bemerken, woher das gute Stück stammt.

Eine technische Besonderheit dieses Autos liegt in seiner direkt-adaptiven Lenkung. Mit Hunderten von Anpassungen pro Sekunde ist sie eine bislang weltweit einmalige Innovation, die eine fortwährende Feinabstimmung der Lenkung vornimmt. Das System überträgt Lenkbewegungen digital von und zu den Rädern und sorgt so für eine weiche und schnellere Reaktion. Außerdem werden unerwünschte, durch die Fahrbahnoberfläche hervorgerufene Vibrationen und Seitenwindeinwirkungen herausgefiltert. Da weniger Lenkkorrekturen nötig sind, soll der Q60 ein starkes Gefühl der Kontrolle und Sicherheit vermitteln.

In diesem Jahr bietet Neiman Marcus noch mehr Fahrzeuge an Neben dem luxuriösen Sportwagen aus Japan gibt es ein nostalgisch anmutendes Fortbewegungsmittel, das an Straßenszenen der 1950er- und 1960er-Jahre in Monte Carlo, Nizza oder Cannes erinnert. Damals machten Leute wie Aristoteles Onassis, Grace Kelly oder Yul Brynner mit Strandvehikeln auf Fiat-500-Baisis die Promenaden unsicher. Wie diesen Autos aus der Karosserie geschnitten sehen die His & Hers Neiman Marcus Island Cars aus, in Grün für den Herrn, in Rosa für die Dame.

Island Car Limited, ein Kleinserienhersteller aus Palm Beach in Florida, ist auf Spaßmobile im Oldtimerlook mit Elektroantrieb spezialisiert. Für Neiman Marcus entwarf das Unternehmen ein Strandbuggy ohne Türen und mit Stoffdach, bemalt im Stil von Lilly Pulitzer, der 2013 verstorbenen amerikanischen Modeschöpferin und Designerin, die es mit Kleidern für Jacqueline Kennedy zu Weltruhm brachte. Unverwechselbares Markenzeichen von Lilly Pulitzer waren ihre Stoffdrucke in hellen, sommerlichen Farben mit Blumen oder Früchten als Motive. Die kehren nicht nur auf den Sitzbezügen und der Dachbespannung der Autos wieder, sondern zieren auch die Accessoires, die im Preis von jeweils 65 000 Dollar inbegriffen sind: Badekleidung, Handtücher und Strandtaschen. Die Fahrzeuge mit leisem Elektromotor wiegen pro Stück weniger als 500 Kilogramm, so dass „sie mühelos Platz auf den meisten Yachten finden“, wie es im Katalog heißt.

Wenn bis hier der Eindruck entstanden ist, Neiman Marcus würde sich auf Kosten finanzkräftiger Milliardäre schamlos bereichern, irrt. Denn von jedem der zugegebenermaßen teilweise aberwitzigen Beträge geht ein Teil an wohltätige Zwecke weiter. Bei den Strandautos sind es zum Beispiel pro Exemplar 5000 Dollar, beim Infiniti 1000 Dollar. Wer für die Teilnahme an den Grammy Awards eine halbe Million Dollar locker macht, kann sicher sein, dass die Hälfte davon der musikalischen Ausbildung junger Menschen dient. Von den 30 000 Dollar für den Auftritt am Broadway leitet Neinam Marcus 22 500 Dollar weiter. Und beim Kauf des teuersten diesjährigen Geschenks, einem 1,5 Millionen Dollar teuren Privatflugzeug für drei Passagiere (Cobalt Valkyrie-X in den Farben Rosa und Gold) sind 200 000 Dollar für die Wohltätigkeit bestimmt.

Doch es geht auch billiger. Auf den Seiten 130/131 des Christmas Book gibt es ein Angebot für Pessimisten und eins für Optimisten. Das für Schwarzseher, die niemandem trauen, ist eine Matratze mit eingebautem Tresor für 25 000 Dollar. 10 000 Dollar davon werden gespendet. Schönseher können sich für ein ganz besonderes Armband zum Preis von 25 Dollar entscheiden. Es besteht aus handgerollten Papierkügelchen, einem Mittelpunkt aus recyceltem Glas und zwei kleinen Scheiben aus Gold.

Das Geld und weitere Einnahmen aus der Rubrik Fantasy Gifts geht komplett an Akola, eine gemeinnützige Organisation, die das Präsent für Optimisten herstellte und die rund um den Globus Frauen in der Dritten Welt ausbildet und beschäftigt, damit sie für die Grundbedürfnisse ihrer Kinder sorgen können. Diese Hilfe zur Selbsthilfe verdient Respekt und Unterstützung. ampnet