Ein empathisches Auto, das auf die Stimmungslage und Fitness des Fahrers eingeht? Unvorstellbar? Muss bald keine Zukunftsmusik mehr sein. Ein solches System könnte gestressten Fahrern beruhigende Musik einlegen, sanft den Rücken massieren, beruhigende Farben in den Innenraum projizieren, die Temperatur anpassen oder den Duft im Raum an ihre Stimmungslage anpassen. Dabei könnte das Auto sanft auf den Fahrer oder die Fahrerin einreden. Wenn dieser einzuschlafen droht, könnte das System aber auch mal laut werden.Atmung, Puls und andere Gesundheitsparameter blieben dabei stets im Blick des Systems. Ein angenehme Vorstellung? Gar zu schön, um wahr zu sein? Audi forscht und entwickelt bereits daran. MyAudiCares soll schon in zwei Jahren serienreif sein und dann den Fahrer zum AudiFitDriver werden lassen.Klingt nach grünem Smoothie, Chia-Samen Pudding oder Yoga-Kursen im Auto. Doch warum denn eigentlich nicht? Bedenkt man, dass wir schon in naher Zukunft autonom fahren können, werden wir wohl auch mehr freie Zeit im Auto haben. Nicht nur deshalb soll der Mensch bei Audi künftig noch stärker in den Mittelpunkt gestellt werden. Denn betrachtet man die stetig wachsende Fitness- und Gesundheitsszene, so erkennt man, dass Audi da voll im Trend liegt. Das bestätigt auch Christine Stark, Projektleiterin des Audi Fit Driver Projekts. „Das Gesundheitsbewusstsein steigt in allen Altersgruppen weltweit“. Und dass das sich das Thema nicht nur in Richtung Feng Shui oder Hokuspokus bewegt, sondern eben einen echten Kundennutzen und Sicherheitsaspekt besitzen kann, zeigt Stark ebenfalls auf. Einer Studie der Techniker Krankenkasse zufolge fühlen sich in Deutschland 13,2 Millionen Menschen häufig gestresst. Das ist jeder 5. Erwachsene.Zusätzlich hat Audi in einer Studie mit rund 80 Teilnehmern herausgefunden, dass Stress im Straßenverkehr deutlich messbar ist. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn wir steigen doch alle mit unseren Gefühlen und Sorgen ins Auto. Fitness-Screening und Relaxen im Straßenverkehr ist also ein großes Thema. Und nicht nur unserem Wohlbefinden zuliebe, sondern auch der Sicherheit im Straßenverkehrs wegen. Denn gestresste Lenker fahren häufig aggressiv, unachtsam oder neigen zum Sekundenschlaf. Stress ist wohl eine häufige Unfallursache. Stress kann jedoch nicht gemessen werden und tritt deshalb kaum in den Unfallstatistiken auf.

Welche Lösungen bietet Audi konkret an? Das ist zum einen das AudiFitDriver Konzept. Es ist verknüpft mit einem „Wearable“, also einem Funktionsshirt mit eingearbeitetem Pulsmesser. Setzt sich der Fahrer dann ins Auto, wird ihm sein Puls angezeigt. Bei zu hohem Puls beginnt das Auto mit Atemübungen zur Senkung des Pulses und somit des Stresslevels. Unterstützt wird das Ganze durch sanft aufblinkendes Ambiente-Licht. Ein neu entwickelter Vibrations-Massagesitz arbeitet im Rhythmus zu beruhigender Musik. Wer das einmal ausprobiert hat, kann gar nicht genug davon bekommen. Dieser Sitz könnte den Fahrer durch sanfte Stöße auch wecken. Weißt der Fahrer beispielsweise starke Pulsschwankungen oder im schlimmsten Fall keinen Puls mehr auf, bremst der Audi ab und fährt autonom zum Fahrbahnrand. Das kann dann nicht nur das eigene, sondern auch das Leben Dritter retten.
Zudem ist ein neuer Luftfilter in der Erprobung. Er soll die Luftqualität im Innenraum weiter steigern und so Allergikern das Leben erleichtern. Ralf Blaschke, Leiter Entwicklung Heiz- und Klimageräte, hat das ehrgeizige Ziel, das Klima „Wellbeing“ im Innenraum weiter zu steigern. So filtert der neue Q2 schon jetzt ein Großteil der Allergene aus der Luft. Durch die sogenannte Ionisierung soll die Luft außerdem angenehmer gestaltet werden. In Europa haben wir das Glück, noch gute Luftwerte zu besitzen, doch betrachtet man versmogte Metropolen wie Shanghai, dann wissen wir, wie ernst das Thema ist. Ein Konzept, das man aus manchen Premium-Automobilen schon kennt, wartet ebenfalls auf die Kunden: „Wir entwickeln Öle, die in einer geringen Dosis in der Luft zerstäubt werden“ so Blaschke.

AudiFazit:

Bereits in den nächsten zwei Jahren soll das AudiFitDriver Konzept serienreif sein. Wearables, Pulsuhren oder Brustgurte könnten dann mit dieser App verknüpft werden. Einen prominenten Unterstützer hat Audi bereits gefunden. Alex Pointer – ehemaliger Erfolgscoach der österreichischen Skispringer Nationalmannschaft: „Wenn der Autofahrer fitter und leistungsfähiger ist, ist er auch sicherer im Verkehr unterwegs“. Richtig erfolgreich wird das Konzept seiner Meinung nach aber erst beim Ausbau des autonomen Fahrens werden: „Die Funktionen sind dann noch effektiver, weil wir weniger Ressourcen fürs Fahren brauchen. Man steigt dann deutlich fitter aus dem Auto, als man eingestiegen ist.“ Doch die permanente Überwachung unserer Körperfunktionen hat nicht nur Vorteile. So könnte uns kleine Abweichungen vom Status Quo und die Fixierung darauf gerade erst recht stressen oder eben zum Hypochonder werden lassen. Auch der Schritt zum gläsernen Autofahrer ist nicht weit. Wichtig wird sein, wie vertrauensvoll mit den Daten umgegangen wird. Nichtsdestotrotz ist Audis Konzept sinnvoll und ein weiterer Schritt in Richtung Fahrerorientierung. Und wem das zu weit geht, der muss ja nicht partizipieren. Ich trinke jetzt meinen grünen Smoothie. Ein Prosit auf die neuen Probleme unserer Erde.