Das Mercedes GLE Coupé kommt mir entgegen. Meine Marotte gern einen Tee ins Auto zu nehmen, wird von diesem SUV-Coupe unterstützt. Denn Gefäße, die im Getränkehalter abgestellt sind, werden auf Knopfdruck warm oder kühl gehalten. So bleibt mein Tee wunderbar warm. Dieses angenehme Gimmick ist selbstredend nicht alles, was dieses mächtige Automobil zu bieten hat. Aber für Preise für 66.700 Euro darf der geneigte Mercedeskunde schließlich was erwarten. Auch wenn damit längst noch nicht Schluss ist, denn wenn die gern genommenen Zusatzausstattungen dazu gerechnet sind, dürften Preise knapp unter 90.000 Euro resultieren.Mercedes GLE Coupé SeitenansichtKaum 8 Jahre sind vergangen, seit BMW mit dem X6 dieses Fahrzeugsegment begründet hat und schon zieht Mercedes nach. Von Beginn an hat der BMW X6 mit seiner schieren Größe und seiner Optik polarisiert. Und auch das GLE-Coupé erzeugt fragende wie auch bewundernde Blicke. Auf den oft knapp geschnittenen City-Parkplätzen macht man sich mit diesem mächtigen SUV kaum Freunde. Denn wer links oder rechts vom GLE parkt, kommt kaum aus seinem Fahrzeug, so breit ist das GLE-Coupé. Auch Standard-Garagen sind wohl nicht das geeignetes Zuhause für dieses mächtige Coupé. Auf Autobahnen ist dagegen ausreichend Raum für seinen selbstbewussten Auftritt. Es sei denn man fährt in einen Baustellenbereich, da kann die Enge beklemmend werden.

Feudaler Innenraum

Ist die erhöhte Sitzposition erst mal erklommen, genießen die Insassen den souveränen Überblick auf dem feudalen Ledergestühl, dem in der ersten Reihe selbst eine Massagefunktion (gegen Aufpreis) nicht fehlt. Ob indes die Bedienung der Massagefunktion in der dritten Ebene des Bediensystems sinnvoll aufgehoben ist, darf in Frage gestellt werden. Das große, zu empfehlende Panoramadach lässt auf Wunsch Sonne und Frühlingsluft herein. Man fühlt sich wohlbehütet im GLE. Dass alle modernen Assistenzsysteme mit an Bord sind, muss eigentlich nicht erwähnt werden. Das geräumige Gepäckfach fasst in Abhängigkeit von der Stellung der Rücksitze 650 bis 1.720 Liter. Nicht unwesentliches Manko: Die Ladekante des GLE Coupés ist sehr hoch, noch höher als im BMW X6.Mercedes GLE Coupé HinterradDas Fahrverhalten des GLE-Coupés hat mich überrascht. Mit seinen 315er-Hinterrad-Schlappen scheint er den Lenkbewegungen nur widerwillig folgen zu wollen. Der Lenkwiderstand ist unangenehm groß. Wenn sich dann noch der Spurhalteassistent ins Spiel bringt, wird das für den Fahrer ein Kampf mit den Elementen. Das GLE-Coupé fährt sich nicht wirklich leicht. Da braucht es den ganzen Kerl. Selbst im Komfortmodus bleibt die Fahrt eine raue Angelegenheit.

Durchzugsstarker 3-Liter-Diesel

Der 3-Liter-Selbstzünder des GLE 350 d 4matic wuchtet den 2.250 Kilogramm schweren SUV in Kombination mit der serienmäßigen 9-Gang-Automatik kraftvoll und ohne erkennbare Zugunterbrechungen vorwärts. Wohl der perfekte Antriebsstrang für dieses Automobil. Auf unseren gemischten Testfahrten hat das GLE Coupé im Schnitt 10,8 Liter Diesel auf 100 km verbraucht. Mercedes gibt den kombinierten Normverbrauch des Wagens mit 6,9 – 7,2 Liter an.

Fazit

Mir hat schon der BMW X6 schon richtig gut gefallen. Und so ist auch das GLE Coupé optisch genau mein Ding. Denn es verbindet den selbstbewussten Auftritt eines SUV mit einer ausgesprochenen sportlichen Formensprache, die schon im Stand Dynamik zum Ausdruck bringt. Wenig angetan bin ich indes vom schwerfälligen Fahrverhaltens dieses Mercedes, die stets die ganze Aufmerksamkeit des Fahrers auf sich ziehen möchte. Das GLE Coupé will im Mittelpunkt stehen. Für Fahrten in der Stadt gibt es geeignetere Autos, aber auch hier haben andere Modellen mit ihren Verkaufserfolgen schon bewiesen, dass dies kein Anachronismus sein muss. Im Gegenteil. Das Unrationale übt bekanntlich starke Reize aus. Ich stelle mir die zierliche Frau vor, die ihre Kinder mit diesem automobilen Ungetüm vor dem Kindergarten absetzt.