Business Limousine für Naturburschen

Während andere Premium Hersteller, wie Audi Allroad oder Volvo Cross Country, die leicht höher gelegten Varianten mit der etwas  handfesteren Optik längst im Programm haben, hat sich Mercedes hier bislang vornehm zurückgehalten. Der weiter wachsende Trend hin zu Autos, die zwar überwiegend in der Zivilisation genutzt werden, aber nach Freiheit und Abenteuer aussehen, geht auch an einer schwäbischen Automarke nicht vorbei.Mit dem All-Terrain kann man Kunden erreichen, die zwar kein SUV wollen, aber eben diese leicht wildere Anmutung in Kombination mit der von vielen als angenehm empfundenen, höheren Sitzposition. Dazu kommt die E-Klasse All-Terrain serienmäßig mit Allradantrieb und erhöhter Bodenfreiheit (+29 mm), so dass unbefestigte Feldwege oder verschneite Serpentinen kein Hindernis mehr sein müssen. Übrigens: Die Luftfederung gehört zum Serienumfang.Allradantrieb in Serie

Wenn man die E-Klasse von schräg hinten betrachtet, erkennen wohl nur Insider, dass es sich hier nicht um einen „stinkormalen“ E-Klasse-Kombi handelt.  Allein die Radlaufverkleidungen geben einen Hinweis. Von vorn erkennt man an der grober gezeichneten Front mit dem SUV Grill allerdings klar die All-Terrain Variante.

Im Innenraum ist dann alles wie in der Mercedes Business Class gewohnt. Der doppelte in einen Rahmen gegossene riesige Bildschirm dominiert das Blickfeld. Die geschwungene Form des Armaturenbretts hebt sich angenehm von den rechteckigen Strukturen ab. Der Fahrer kann wählen, ob er mittels Dreh-/Drück-Regler bedienen möchte oder mit der handschmeichelnden Touchfläche oder per Sprachanweisung.

Luftfederung in Serie

Was dieses Auto für mich zu etwas Besonderem macht ist der Grad, in dem es autonom fährt. Bisher habe ich kein anderes Auto gefahren, das hier so weit gegangen ist. Diese E-Klasse hat ein Assistenz-Paket an Bord, das nach dem Setzen des Blinkers selbstständig ausschert und überholt. Es fährt bei eingeschaltetem Tempomaten auch bei hoher Autobahngeschwindigkeit ohne Lenkeingriffe des Fahrers. Es beschleunigt, bremst ab, lenkt und hält sich automatisiert an auftauchende Tempolimits. Der Fahrer muss dazu nur immer wieder kurz eine Hand ans Lenkrad nehmen, sonst schaltet sich das System aus und reduziert das Tempo gen Null. Für mich ist das der vielversprechende Vorgeschmack auf das, was in einigen Jahren wohl kommen wird – das autonome Fahren.

Fahrmodi fürs Gelände in Serie

Meinen Testwagen treibt ein 1,9 Liter 4-Zylinder-Diesel mit einer maximalen Leistung von 194 PS (143 kW) an, der sich im Mittel des 14 Tage währenden Testzyklus mit 6,6 Liter (kombinierter Normwert 5,2 Liter) begnügt hat. Ein guter Wert für einen so großen Wagen mit viel Platz für Mensch und Gepäck.  Die Kraft (maximal 400 Nm) wir mit einer neuen 9-Gang-Automatik an alle 4 Räder verteilt. Selbstredend kommt ein 1.900 Kilo wiegender Kombi mit einem Antrieb, der bis zu 194 PS leistet, nicht wie ein Rennwagen aus den Puschen. Dafür hält AMG ja die nötigen Maschinen vor. Aber ich hatte nie den Eindruck, untermotorisiert unterwegs zu sein. In 8 Sekunden kommt man aus dem Stand auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 232 Stundenkilometer. Die Leistungscharakteristik dieses modernen Diesels mit Harnstoffeinspritzung passt wunderbar zu diesem Auto. Oft werden diese Business-Kombis über lange Strecken getrieben, da würde ein Benziner bei den Fahrtkosten deutlich stärker zu Buche schlagen.

Luxus für die Familie

Wie er sich fährt? Souverän. Die verschiedenen Fahrmodi setzen die Wünsche von Fahrern oder Passagieren mühelos um. Einfach „Comfort“ wählen und es geht gediegen zur Sache. Oder eben „Dynamic“, dann werden die Zügel enger gezogen. Selbstredend gehört das Internet heute in ein solches Business Mobil. Das funktioniert prima, so lange die Netzversorgung mit 3G oder 4G vorhanden ist. Ein Kompliment muss ich auch den Sitzdesignern machen. Bequem und perfekten Seitenhalt geben die Sitze mit ihrer gelochten Lederhaut. Mein Tipp für geneigte Käufer: Gönnen Sie sich die Massagefunktion. Für Rückengeplagte ein Träumchen. Sogar mit heißer Luft wird hier massiert. Da sage noch mal jemand was gegen heiße Luft. Fürs leichte Gelände verfügt der E All-Terrain serienmäßig über fünf Fahrprogramme, die Motorleistung, Getriebe und Lenkung an das jeweilige Gelände anpassen.

Fazit

Ich denke, es ist kaum notwendig an dieser Stelle über das beachtliche Gepäckraumvolumen (670 bis 1.760 Liter) des E-Klasse Kombis auszuführen. Auch nicht, dass man selbst in der zweiten Reihe bequem Raum für die Füße hat. Dieses Auto stellt alles bereit (zum Teil natürlich gegen Aufpreis) was man sich von einem modernen, familientaiglichen Auto wünschen kann. Wäre da nur nicht ein kleines Hindernis, würden wohl extrem viele dieser Autos unsere Straßen bevölkern. Unser gut ausgestatteter Testwagen mit all seinen assistierenden Helferlein, dem feudalen Ledergestühl und dem luft- und lichtspenden Panoramaglasdach kostet locker 80.000 Euro (Basis ca. 58.000Euro). Ein Preis, bei dem die meisten Privatleute bedauernd den Kopf schütteln. Aber Zum Glück gibt es ja Dienstwagenregelungen. Und wer warten kann, bekommt diesen E220 d All-Terrain bis in 2 – 3 Jahren als guter Gebrauchtwagen vielleicht für das halbe Geld.

Wesentliche Technische Daten

Mercedes E-Klasse All-Terrain

Länge x Breite x Höhe (in m): 4.947 mm  x 1.861 mm  x 1.497 mm

Radstand (m): 2,93

Motor: Vierzylinder 1.950 ccm Voll-Alu-Diesel

Leistung: 257 kW / 194 PS bei 3.800 U/min

Max. Drehmoment: 400 Nm von 1.600 U/min

Höchstgeschwindigkeit: 232 km/h

Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 8,0 Sek

NEFZ-Durchschnittsverbrauch: 5,2 Liter Diesel

Testverbrauch: je nach Gangart: 6,6 Liter

CO2-Emissionen: 137 g/km

Schadstoffklasse: Euro 6

Tankinhalt: 64 Liter

Leergewicht / Zuladung: min. 1.920 kg / max. 670 kg

max. Anhängelast, gebremst: 2.100 Kg

Kofferraumvolumen: 670 – 1.820 (inkl. Sitzbereich

Wendekreis: 11,90 m

Preise: ab 58.100 Euro