Was ich tun würde, hätte ich 60.000 Euro übrig? Ich würde mir die V-Klasse als Marco Polo kaufen. Und wissen Sie warum, weil ich in den zwei Wochen mit ihr gelernt habe, dass man sich Freiheit eben doch kaufen kann. Zumindest ein gehöriges Stück von ihr. Denn wer träumt nicht davon, einfach mal wegfahren zu können, das Bett und eine Küche stets dabei. „Heute hier, morgen dort, bin kaum hier, muss ich fort“ sang schon Hannes Wader 1972. Wie meine Erfahrung mit dem VW California Konkurrenten schlechthin waren, lesen Sie hier.V-Klasse Marco PoloDer Marco Polo (MOP) soll Urlaubsfieber auslösen und dem VW Bus mit dem California Ausbau die Stirn bieten. Bei Westfalia in Rheda-Wiedenbrück wird der Mercedes Serienbus zum edlen Camping- Profi umgebaut. Eine Zweier-Rückbank, Küchenzeile, ein paar Schränke, Hochstelldach und fertig ist das Wohnmobil für bis zu vier Reisenden.Der Marco Polo Umbau der V-Klasse ist ab 54.835 Euro zu haben. Dann kommt er mit dem kleinen Dieselantrieb, dem CDI 200 mit 136 PS, daher. Unser Testwagen ist mit dem leistungsstärkeren 250 BlueTec Motor versehen. Mit ihm kostet die V-Klasse MOP dann schon mindestens 61.118 Euro. Allerdings bekommt man dafür auch einen 2,2-Liter Vierzylinder Turbodiesel, der maximal 190 PS auf die Straße bringt. Er ist mit das Modernste was Mercedes momentan im Antriebsregal zu bieten hat. Dank „Adblue“-Einspritzung in den Verbrennungsprozess soll man mit einem kombinierten Normverbrauch von 6,1 Liter je 100 Kilometer auskommen. Wir finden uns zwar bei etwa 8 Litern ein, doch betrachtet man die 2,2 Tonnen Leergewicht des Fahrzeugs und 440 Newtonmeter als maximales Drehmoment, dann ist das ein guter Wert. Auch die 200 Stundenkilometer an Höchstgeschwindigkeit erscheinen uns mehr als ausreichend. Wer dynamische Beschleunigung schätzt, der ist mit diesem großen Diesel bestens bedient.Im Alltag kommt man mit der V-Klasse sehr gut zurecht. Denn an ihre Länge von 5.14 Metern gewöhnt man sich schnell. Der MOP ist kaum länger, als ein VW Passat Variant (ca. 4,80 m). Weil die 7-Gang Automatik das Schalten tadellos übernimmt, bleibt genug Kapazität, um sich aufs Fahren zu konzentrieren. Und wird’s mal eng, so helfen Rückfahrkamera, Park-Piepser und natürlich auch die besonders großen Außenspiegel. Die Höhe des MOP von lediglich 1,99 Meter erweist sich als praktisch, denn mit ihr sind viele höhenbegrenzte Park- und Stellplätze befahrbar. Zugelassen ist der MOP für bis zu 4 Personen. Im Fond nimmt man auf der Rückbank Platz, die sich um einen Meter verschieben lässt. Hier steht Fußraum ohne Ende zur Verfügung.Und jetzt wird gecampt. Im Wohnmodus schieben wir die Sitzbank ganz nach hinten. Wir stellen das Ausstelldach auf, das sich gegen einen Mehrpreis von 1.714 Euro auf Knopfdruck ohne Mühe elektrisch erhebt. Jetzt ist ausreichend Platz, um den kleinen Zwei-Flammen-Gasherd mit Piezo-Zündung komfortabel bedienen zu können. Für die Nacht bauen wir die Rückbank kinderleicht zum Doppelbett um. Auch das funktioniert gegen 1.297 Euro Aufpreis elektrisch. So entsteht eine etwa zwei Meter lange Liegefläche mit einer Breite von 1,13 Meter. Wer nicht umbauen möchte, der schläft im kuschligen Hochbett unter dem Aufstelldach. Zwar muss man ein bisschen sportlich sein, um es über die Vordersitze zu besteigen, doch oben erwarten einem dann eine wirklich gute Matratze, zwei LED-Lampen und ein USB-Anschluss. Wer Angst hat nächtens herunter zu fallen, der spannt einfach das Schutznetz auf. Hilfreich für einen guten Schlaf ist auch, dass man den Innenraum mit Schutzblenden und Vorhang komplett abdunkeln kann. Das Heckfenster des MOP lässt sich separat öffnen und sorgt so für ausreichend Frischluftzufuhr. Die elektrische Heckklappe kann für 702 Euro geordert werden. Diesen Zusatzbetrag sollte man investieren, den diese Klappe ist riesig groß und schwer. Über sie erreicht man den 670 Liter großen Kofferraum. Hier sind in einem Fach zwei Stühle und ein Campingtisch verstaut, beides gehört zum Serien-Lieferumfang. In der großen Schublade unter der Rückbank und in den Schränken an der Küchenzeile lässt sich alles fürs Campen nötige gut unterbringen. Hinten in der Ecke gibt es auch einen hohen Schrank mit beleuchtetem Spiegel. Dort lassen sich Kleider, Jacken und Hemden mit Bügeln aufhängen. Bekanntlich kommen nur die Harten in den Garten. Und für die steht im MOP eine Außendusche bereit. Sie zieht ihr Wasser aus einem 40 Liter Tank, der mit der Spüle verbunden ist, die links neben dem Gasherd liegt und sich auch zum Zähneputzen oder für Katzenwäschen eignet.Die Standheizung bezieht ihre Energie aus dem Dieseltank, der Kühlschrank benötigt allerdings Gas. Er wird, genauso wie das elektrische Dach, über Schalter an der Mittelkonsole gesteuert. Hier kann man auch den Ladezustand der zweiten Batterie, den Wasser- und den Abwasserstand ablesen. Nutzt man einen Campingplatz mit Stromanschluss, so kann man sich über die Klappe links am Auto Strom holen und muss sich über Batterien keine Gedanken mehr machen. Dann kann man auch sein Handy sorgenfrei an einer 220-Volt Steckdose im Auto laden.Diniert wird bei schlechtem Wetter problemlos im Auto. Dazu dreht man die Vordersitze in den Raum, klappt einen kleinen Tisch, der an der Küchenzeile hängt, heraus und fertig ist das Esszimmer, das für vier Personen allerdings eng ausfällt. Unter der 718 Euro teuren Markise lässt es sich da schon komfortabler aushalten. Vorausgesetzt man hat das etwas komplizierte Prozedere ihrer manuellen Bedienung schon intus. Doch Küche, Esszimmer, Schlafzimmer und eigene Terrasse immer bei sich zu haben und so die Welt erkunden zu können, dafür lohnt sich doch die Einschränkung. Oder um es mit Hannes Wader zu sagen: „Manchmal träume ich schwer und dann denke ich es wär, Zeit zu bleiben und nun was ganz andres zu tun“.

Fazit

Billig ist das rollende Eigenheim unter dem schwäbischen Stern erwartungsgemäß nicht. Die V-Klasse Marco Polo beginnt beim Preis von 54.835 Euro. Allerdings kann man Beträge von 60.000 bis 80.000 Euro mit etwas mehr Ausstattung problemlos erreichen. Dafür erhält man Luxus, Premium, Leistung und vor allem Freiheit. Für mich ist der MOP aktuell der bessere VW Bus, weil er sich noch mehr wie ein PKW fahren lässt und das Cockpit so schick aussieht, wie in der aktuellen C-Klasse. Auch die Küchenmöbel gefallen mir im Mercedes besser. Zumal sich die Preise nicht viel geben.