Remzi Ibraimor kann seine Begeisterung nicht verbergen. Trotzdem wartet der Teenager geduldig mit weiteren Schulkameraden auf dem Offenburger Flugplatz bis er endlich an der Reihe ist. Der 16Jährige darf nämlich gleich auf dem Beifahrersitz eines Autos Platz nehmen und danach selbst einige Runde drehen. Das Auto, ein Micro-Car der Ligier-Group, ist ein Leichtkraftfahrzeug, das maximal 45 Stundenkilometer auf den Tacho bringt. Und: Man darf es mit dem sogenannten Rollerführerschein ab 16 Jahren lenken. Eigentlich keine große Geschichte, könnte man denken. Doch Remzi und seine Schulkameraden besuchen die Hansjakob-Schule in Offenburg.

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„Der Erwerb einer Fahrerlaubnis versetzt unsere Schüler in eine Situation, dass sie sich wie Gleiche unter Gleichen wahrnehmen können“, erklärt Sonderschulleiter Winfried Neuburger, der die Führerscheinvorbereitung in den Lehrplan der Förderschule für Geistigbehinderte aufgenommen hat. Fünf Schüler der Hansjakob-Schule haben bereits die Mofaprüfung bestanden. Zwei weitere die Rollerprüfung (Prüfbescheinigung AM). Geübt wurde mit den drei schuleigenen Mofa-Rollern auf dem Pausenhof.  „Man fühlt sich so erwachsen“, sagt die 16jährige Diana Mieland, als sie aus dem Auto mit dem Automatikgetriebe des französischen Herstellers aussteigt.

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Der autobegeisterte Pädagoge hat das Unterrichtskonzept der Fahrprüfungsvorbereitung bereits an einer früheren Schule erfolgreich umgesetzt. „Ein ehemaliger Schüler hat zwischenzeitlich sogar den LKW-Führerschein gemacht und arbeitet heute als Mitarbeiter in der Stiftung Liebenau“, so Neuburger. Doch der Pädagoge führt seine Schüler ganz behutsam über eine Fahrrad- und Mofaführerschein bis zur Rollerprüfung. Remzi hat bereits die offizielle Mofa-Prüfbescheinigung bestanden. Heute soll neben der Autotestfahrt seine erste praktische Fahrstunde auf dem Roller stattfinden. Auf dem Rollfeld dreht er mit dem Roller Runden. Anzumahnen braucht Sonderschulleiter Neuburger Remzi nicht.

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Alle Schüler wissen, wie sie sich im Verkehr verhalten müssen. „Ihre Selbsteinsicht ist gut ausgeprägt“, versichert Neuburger. Am Rollfeldrand steht auch Dirk Gießler, der Vorsitzende des Fördervereins der Hansjakob-Schule. Für seinen 14-jährigen Sohn, der eine geistige Behinderung hat, wäre das Microcar eine tolle Sache. „Die Kosten sind in einem überschaubaren Rahmen“, rechnet er vor. 600 Euro für den Rollerführerschein, 200 Euro Versicherung inklusiv Steuer, dann der Verbrauch von drei Liter Diesel auf 100 Kilometer. Bliebe nur noch die Frage über die Höhe der Anschaffungskosten? „Ab 8.490 Euro ist das kleinste Modell zu haben“, gibt Thomas Walther, der Mann von Ligier, Auskunft. Gibt es denn keinen deutschen Hersteller? Lediglich vier in Frankreich und zwei in Italien haben den Markt entdeckt. Auch Jenny Schönleber würde gern später Autofahren.  „Da muss ich aber noch viel sparen“, betont die 19Jährige.

 

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