Reisemobil, Caravan, Kastenwagen, Vollintegrierter, Teilintegrierter oder wie es in der Schweiz heißt „Wohnmotorwagen“. Diese Begriffe werden von Campern beinahe synonym im Zusammenhang mit der schönsten Sache der Welt verbunden: Reisen! Um präziser zu sein: Reisen im Wohnmobil. Das wusste auch Helmut Knaus, ein Architekt aus Bayern. Ein deutscher Caravan-Pionier. Er gründete im Jahr 1960 das Wohnwagenunternehmen Knaus KG im bayrischen Marktbreit. Schwalbennest so hieß der Wohnwagen mit dem alles begann. Seit damals ziert das blaue Schwalbenpaar jedes Knaus-Modell. Eine Galionsfigur metaphorisch und wie gemalt für ein Reisemobil. Steht die Schwalbe doch für Freiheit. Und weil eine Schwalbe noch keinen Sommer macht. Und reisen alleine sowieso doof ist, finden wir auf jedem Knaus Reisemobil derer gleich zwei.

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Für ein Wohnmobil schaut  auch der Rest des Knaus Sky i 650 LEG ziemlich dynamisch aus. Markante Lufteinlässe, LED Tagfahrlicht, sowie Chrom-Applikationen formen den Caravan zum „Campingplatz Schönling“. Nimmt man auf dem Fahrersitz des Knaus Platz, werden Kindheitsträume wahr. Die erhabene Sitzposition auf den Pilotensitzen, hoch über der Straße, und der Blick durch die grenzenlos wirkende Panorama-Frontscheibe suggerieren „die Straße gehört mir“. Unendliche Weiten voller Unbekanntem. Hiermit will man die Welt erkunden. Nein, erobern. Der „Knaus“, wie wir ihn liebevoll tauften (Sky 650 i LEG klingt nicht sexy und ist im Urlaub deutlich zu lang) muss nun beweisen, dass er hierfür ein geeigneter Gefährte ist.

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Auf den ersten Metern zeigt sich, dass weder die 7 Meter Länge noch die 2,34 Meter Breite schwer zu kontrollieren sind. Natürlich muss man sich an die im Vergleich zum PKW gewachsenen Außenmaße gewöhnen, auch die 2,90 Meter Gesamthöhe sollte man stets im Hinterkopf behalten. Besser ist das. Doch nach den ersten Kilometern zeigt sich, das ist alles machbar. Das macht sogar Spaß. Die hohe Sitzposition verleiht ein sicheres Gefühl. Gibt viel Übersicht in alle Richtungen. Dank Rückfahrkamera selbst nach hinten. Nach den ersten 100 Kilometern fühlt man sich angekommen im Club der Trucker. Aber falsch gedacht. Mit seinen 3,5 Tonnen wird man von den 17-Tonner-Piloten belächelt. Immerhin grüßen alle Wohnmobilfahrer freundlich. So gilt eher der Spruch: Willkommen im Luxus-Camper-Club. Beim Spritverbrauch macht der Knaus seinem Namen alle Ehre.

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Ziemlich knausrig ist die 2 Liter Fiat Ducato Zugmaschine mit 115 PS. Die erstaunlichen 10,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer machen auch lange Strecken sparsam erreichbar, sowie den lästigen und zeitraubenden Besuch an der Tankstelle zur Seltenheit. Mobil ist der „Knaus“ also. Das wäre geklärt. Doch lässt es sich in ihm auch gut wohnen? Ist der Knaus ein praktikables Haus auf Rädern?  Die Optik des Innenraums überzeugt und versprüht durchaus modernen Charme. Die Attribute sprechen für sich: Zwei vollwertige Betten im Fond. Hub-Bett über der Fahrerkabine, 2D-Bad mit Dusche, verschiebbarem Waschbecken sowie einer Toilette. Eine Küchenzeile, die aus Kühlschrank mit Gefrierfach, Gaskochherd und Spülbecken besteht. Wohnmittelpunkt und das Herz des Caravans ist der in alle Richtungen verstellbare Tisch. Dreht man Fahrer und Beifahrertisch in Richtung Raum, finden hier 4 Personen ausreichend Platz zum Essen, Rotweinabstellen, Diskutieren, Kartenspielen, Urlaub genießen. An Regentagen kann man von hier aus, im Trockenen, den Zelt-Campern trostspendend zuwinken und zusehen, wie sie nasse Kleider auswringen. Ein unbeschreibliches Erlebnis, ist man nicht gerade auf der Suche nach Camper Freunden. Thema Stauraum. Klingt spießig. Aber zu wenig davon kann einem den Urlaub vermiesen. Dank platzsparendem Doppelboden mit GFK Unterseite, Soft-close Schubladen, eine Vielzahl von sinnvoll angeordneten Schränken und einer „Tiefgarage“ für die größeren Gepäckstücke, sowie einem Fahrradträger bleibt hier kaum etwas unverstaut.

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Im Dunkeln lässt es sich gut Munkeln. Neigt sich der anstrengende Camping Tag dem Ende, beginnt die Sternstunde unseres Knaus. Das Lichtkonzept im Innern ist durchdacht und atmosphärisch einladend, die Schalter sinnvoll plaziert. Jetzt muss man sich nur noch für eine der, in jedem Fall trockenen, Schlafgelegenheiten entscheiden und das Meeresrauschen genießen. Mal unter uns: „Meeresrauschen“ dürfen sie auch durch „Schnarchenden Partner“ ersetzen.

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Wie auch immer. Mein Fazit: Applaus für unseren Knaus. Autarkes Luxus-Campen, das wenige Wünsche offen lässt. Junge und ältere Menschen können hiermit die Welt erobern. Ob auf dem Campingplatz oder in freier Natur bleibt jedem selbst überlassen. Einziges Manko: Für junge Semester ist der relativ hohe Einstiegslistenpreis von 67.390 Euro eine schwer erklimmbare Hürde. Allen anderen: Viel Spaß beim „zuwinken“.

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