Kias kubischer Elektro-Soul mit 250 Kilometern Reichweite für unter 30.000 Euro im AlltagstestKia Soul EVDen Kia Soul gibt es bereits seit 2008. Im Jahr 2014 kam die zweite Generation des Soul auf den Markt, der mit seinem eigenständigen Design durchaus polarisiert. Kurz darauf präsentierten die Koreaner zur Überraschung vieler eine E-Variante des Soul. Das bis heute einzige, rein elektrisch angetriebene Modell von Kia schaffte eine NEFZ-Reichweite von 212 Kilometern. Im Rahmen einer Modellpflege Mitte 2017 wurde seine Reichweite auf nun 250 Kilometer gesteigert. Ob diese Reichweite auch im Alltagsbetriebe erreicht werden kann, und wie sich der E-Soul im Alltag schlägt, soll unser Test zeigen.

Seit geraumer Zeit fahren E-Autos auf unseren Straßen. So der VW e-Golf, der Opel Ampera-e, Tesla Modell S und X, Renault ZOE und auch BMWs i3. Dabei sind die Preise der E-Autos höchst unterschiedlich. Wir finden E-Autos spannend, die für nahezu jeden finanzierbar sind. Den Kia Soul EV zweifelsohne als Stromer für Jedermann bezeichnen. Denn mit seinem Listenpreis von unter 30.000 Euro, seiner ordentlichen Reichweite, dem guten Platzangebot und kurzen Lieferzeiten könnte er für viele passen.Kia Soul EVDer 4.14 Meter langer Crossover scheint auf den ersten Blick eine Mischung aus kantiger aus Limousine und SUV. Dieses kubisch anmutende Design kann man mögen oder nicht. Eines scheint jedoch sicher: Der Kia Soul ist nicht nur wegen der blauen Farbe und der weißen Kontrastlackierung seines Dachs ein Hingucker. Auf unserer Testfahrten kam das deutlich zu Tage.Kia Soul EVDie Koreaner folgten bei der Entwicklung des E-Soul keineswegs der Philosophie: E-Motor rein, und das war´s. Nein, der E-Soul grenzt sich durch einige optische Differenzen von seinen Brüdern mit Verbrenner-Herzen ab. So erscheint der vollverkleidete Kühlergrill immer wieder futuristisch. Unter seiner aufklappbaren Abdeckung verstecken sich die beiden Ladebuchsen. Überarbeitete LED-Rückleuchten zieren allein das EV-Heck. Der auch eine leichte Tieferlegung erfährt.  Der Unterboden des E-Soul ist voll verkleidet. Das soll gemeinsam mit den 16 Zoll großen Leichtmetallfelgen und den rollwiderstands-optimierten Reifen zu besserer Aerodynamik und damit höherer Reichweite führen.

Die umfangreiche Grundausstattung des  EV-Soul macht den hell und offen gestalteten Innenraum zu einem Platz, an dem man sich wohl fühlt. Neben den (teilweise) verwendeten Bio-Kunststoffen wartet die E-Kiste mit voller Ausstattung auf. Das wohl beliebteste seiner Art ist der acht Zoll große Touchscreen des Infotainmentsystems. Seine Navigationseinheit wird im E-Auto genauso nötig, wie einige spezielle Funktionen. So gibt es einen „Driver only“ Knopf, der Batterie sparen will, indem er die Klimafunktionen ausschließlich auf den Fahrer abstimmt. Zusätzlich können einzelne Ladevorgänge manuell getimt werden. Hängt das Auto per mitgeliefertem Kabel an der Steckdose, besitzt die serienmäßige Klimaautomatik die Möglichkeit, den Kia eine halbe Stunde vor Start vorzukühlen oder vorzuheizen. Über den Ladestand informiert eine blau leuchtende Einheit auf dem Armaturenbrett. Die integrierte Wärmepumpe zeugt davon, dass der EV eine Öko-Seele hat. Denn sie nutzt die Abwärme der Klimaanlage zur Schonung der Batterie. Auch Rückfahrkamera, Sitzheizung, Bluetooth, DAB+ und Keyless-Go sind serienmäßig im E-Boot. Wer eine Batterieheizung, elektrisch anklappere Spiegel, Nebelscheinwerfer und den automatisch abblendenden Innenspiegel zu schätzen weiß, der greift zur 1.900 Euro teureren „Play“ Version. Sie kostet mindestens 31.390 Euro. Optional sind zudem gekühlte Sitze, Parkpiepser, ein Panoramadach, Teilledersitze oder die Sitzheizung hinten bestellbar. Man sieht, E-Autos müssen heute keine spartanischen Kisten mehr sein.Kia Soul EVBeim Laden des Kia Soul gilt die gleiche Regel wie bei Smartphones: Wenn sich die Möglichkeit ergibt, sollte man ihn laden. Dafür ist neben einem Typ-1-Stecker ein sogenannter Chademo-Anschluss vorhanden. Der eine wird für das Laden an 230-Volt-Steckdosen genutzt, der andere für Schnelllade-Stationen. Die Standardladung an der Steckdose ist in weniger als 6 Stunden vollbracht (6,6 kW/bis 100% der Kapazität). Die Schnellladung dauert nur 33 Minuten (50 kW/bis 80% der Kapazität). Die Ladekabel können übrigens gut aufgeräumt in den Ablagefächern unter dem 281 Liter fassenden Kofferraum verstaut werden.

Bei Starten wird der „Drive“ und „Batterie“-Mode genutzt. Beide sind mit dem einer Eco-Einstellung kombinierbar. Sie unterscheiden sich durch den Grad der Rekuperation. Je höher die Bremskraftenergierückgewinnung, umso stärker ist der Lade-Effekt während der Fahrt. Geht man im Batterie-Modus vom Gas, bremst der Koreaner so stark ab, dass man auf das Bremspedal beinahe verzichten kann. Durch die rund 300 Kilo schwere Batterie kommt der Kia Soul EV auf ein Gesamt-Gewicht von etwa 1,6 Tonnen. Dieses Gewicht spürt man hauptsächlich in schnellen Kurven und beim Überfahren von Straßenunebenheiten. Durch die verstärkten Federn liegt der Stromer aber stabil und ausreichend komfortabel auf der Straße.

Trotz seines erhöhten BMIs und der nicht gerade rekordverdächtigen Power von 81 kW (110 PS) und 285 Newtonmeter maximalem Drehmoment macht die stufenlose Beschleunigung des E-Soul Laune. Auch wenn die 11,3 Sekunden von 0 auf 100 und die Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h es anderes vermuten ließe. Spaß macht auch der geringe Stromverbrauch (Normwert) des E-Soul von nur 14.3 kw/h pro 100 km. Die angegeben Reichweite von 250 Kilometern ist trotzdem kaum zu schaffen. Während unserer  Wochen währenden Testphase hat sich eine realistische Reichweite von 165 Kilometern ergeben, was für die meisten Nutzungsmuster von Zweitwagen ausreichend sein dürfte. Gewöhnen muss man sich daran, das Laden nicht aus den Gedanken zu verlieren. Hier gilt es jede Chance zu nutzen, dann ist der Zeitverlust durch das im Vergleich zum Verbrenner deutlich längere „Tank“-Vorgang bald minimiert. Ich denke, nach einigen Wochen hat man das intus. Ob beim Einkaufen oder während des Parkens, immer mehr Geschäfte und Parkhäuser bieten Ladestationen an, oft sogar kostenfrei.Kis Soul EV

Ach ja: An den fehlenden Motorsound habe ich mich schnell gewöhnt und ihn kaum vermissen. Damit die nahezu lautlose Fortbewegung für Fußgänger nicht zur Gefahr wird, erzeugt der Soul EV bei der Fahrt unter 20 km/h einen künstlichen Motorsound, den man im Innenraum nicht wahr nimmt. Außerdem emittiert er ein leises Piepsen beim Rückwärtsfahren, das man von LKWs kennt.

Fazit

Auch E-Autos werden nicht zuletzt über ihre Optik gekauft. Mit seiner außergewöhnlichen Karosserie wird der Soul EV zum Eye-Catcher. Durch seine umfangreiche Serienausstattung, die erhöhten Reichweite und das familienfreundlichen Platzangebot empfinden wir den Koreaner als alltagstauglich. Wer allerdings häufig weite Strecken zurücklegt und weder bei der Arbeit, noch Zuhause die Möglichkeit zum Laden hat, für den eignet sich der Kia Soul EV kaum. Er ist jedoch mit einem Preis von 29.490 Euro für die meisten bezahlbar. Denn von diesem Listenpreis gehen noch 4.000 Euro Förderprämie weg. So belastet er das Bankkonto dann nur noch um 25.490 Euro. Zum Vergleich: Den Soul mit einem kleinem Verbrenner und weniger Extras gibt es ab 17.240 Euro. Wer sich um die Haltbarkeit sorgt, dem entgegnet Kia mit 7 Jahren Herstellergarantie auf Fahrzeug UND Batterie. Ein faires Angebot. Wir werden die blaue Elektro-Seele jedenfalls vermissen.Kia Soul EV

Technische Daten

Kia Soul EV

Länge x Breite x Höhe (in m): 4,14 x 1,80 x 1,59
Radstand (m): 2,57
Motor: Permanent-Synchronmotor (Wechselstrom)
Leistung: 81 kW / 110 PS von 2730 – 8000 U/min
Max. Drehmoment: 285 Nm von 0 – 2730 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 11,3 Sek.
Durchschnittsverbrauch: 14,3 kWh/100 km
CO2-Emissionen: lokal 0
Effizienzklasse: A+
Leergewicht / Zuladung: min. 1565 kg / max. 395 kg
Kofferraumvolumen: 281 – 891 Liter
Wendekreis: 10,6 m
Bereifung: 205/60 R 16 92 H
Preis: 29.490 Euro

Kia Soul EV