Der Compass könnte für Jeep das wichtigste Auto der kommenden Jahre werden. Denn künftig soll jedes zweite verkaufte Jeep-Modell ein Compass sein. Die Konzernmutter Fiat will mit dem Compass einen noch größeren Marktanteil im stetig wachsenden Segment der Kompakt-SUVs sichern. Wer ein klassisches SUV sucht, soll beim Compass fündig werden. Trotzdem wird das kompakte SUV auch mit Frontantrieb angeboten. Mit dem stylischen Renegade teilt sich der Compass die Plattform und die Motorenpalette.

Jeep Compass 2018 Allrad -Test im Schnee

Bereits vor 10 Jahren gab es einen kaum Design-Preis verdächtigen Compass auf dem Markt. Er wurde damals noch unter der Regie von DaimlerChrysler beschlossen und eröffnete das neue Segment der kompakten SUVs mit. Fiat (FCA) gab sich dann viel Mühe beim Facelift des Compass, aber irgendwie war das Kind da schon zu tief in den Brunnen gefallen. Mit dem neuen Compass nimmt Jeep nun einen erneuten Anlauf. Seit Juli gibt es den neuen, 4,30 Meter langen, 1,82 Meter breiten und 1,64 Meter hohen Compass zu kaufen. Und was da auf die Räder gestellt worden ist, sieht vielversprechend aus: Klassisches aber gelungenes Design, europäisch anmutender Fahrkomfort, neuste Konnektivitätstechnik und Sicherheitsfeatures machen den neuen Compass zum ernst zu nehmenden Angebot.

Der glanzschwarz lackierte Kühlergrill, die LED-Lichtsignatur und die Bi-Color-Lackierung sehen richtig gut aus. Die typischen, vertikal verlaufenden Kühlergrillstreben und die trapezförmigen Radhausausschnitte stehen für das Jeep-Familiengesicht. Zusammen mit der umlaufenden Chromleiste am Heck und den signifikanten LED-Rückleuchten erhält der Compass einen hohen Wiedererkennungswert.

Der im Vergleich zum Renegade verlängerte Radstand sorgt für deutlich mehr Platz im Innenraum. Er überzeugt mit moderner, wie auch hochwertiger Anmutung. Auch wenn sich gegenüber der deutschen Premium-Konkurrenz in puncto Verarbeitungsqualität und Materialmix noch immer kleine Lücke auftun. Der Compass wird in Mexiko gebaut und weltweit verkauft. So muss er den unterschiedlichsten Ansprüchen an die Qualität gerecht werden. Dieser schwierige Spagat gelingt ihm aber gut.

Jeep Compass 2018 Kofferraum

Auch technisch kann der Jeep mithalten. Zwar haust zwischen den beiden analogen Rundinstrumenten „nur“ ein 7 Zoll großer TFT-Bildschirm, und nicht, wie bei manchem Konkurrenten, ein digitales Cockpit, dafür ist der Compass mit Apple CarPlay, Android Auto und Uconnect mit der modernsten Smartphone-Bluetooth-Interface-Einbindung ausgestattet, die der Markt zu bieten hat. Auch der bis zu 8,4 Zoll große kapazitiver Touchscreen-Bildschirm des leider etwas träge arbeitenden Infotainment-Systems ist State of the Art. Er lässt das vom Smartphone bekannte Steuerungen per Swipen zu. Wer beim Kaufpreis sparen möchte oder muss, verzichtet auf ein eingebautes Navigationssystem und nutzt die Smartphone-Navigation, die auf das Display des Compass gespiegelt werden kann. Eine coole Spielerei für Tech-Freaks ist der „Uconnect life“ Service, welcher mit vielen Apps bespielbar ist.

Und wie funktioniert der Antrieb? Es wird immer mit Allrad losfahren. Der 4×4 Antrieb ist permanent bis zum Erreichen von 30 – 40 Stundenkilometern aktiv. Danach kontrolliert die Technik, ob Allrad notwendig ist oder Vorderradantrieb ausreicht. Bei guter Traktion, zum Beispiel auf trockener Autobahn, schickt das System bis zu 100 Prozent der Antriebskraft spritsparend allein an die Vorderachse. Dabei wird ständig die Bodenhaftung kontrolliert. Bei plötzlich auftretendem Schlupf kann innerhalb einer sechzehntel Radumdrehung wieder auf den Allradantrieb umgeschaltet werden. Dieses Antrieb-Wechsel-Dich-Spiel funktioniert so schnell und zuverlässig, dass es vom Fahrer nicht mehr wahrnehmbar ist.

Der tauglichste Geländegänger unter den Compass-Varianten ist – am oberen Ende der Preisspanne – der Compass „Trailhawk“. Bei ihm ist der Böschunswinkel vorn und hinten vergrößert und auch die Bodenfreiheit steigt um 2,5 auf 21,6 Zentimeter an. Fünf Allrad-Modi machen hier das Leben im Gelände leichter, weil sie auf verschiedene Untergrundsituationen eingehen. Rock, Mud, Snow, Sand und Automatik können vom Fahrer ausgewählt werden. Aber auch ohne dieses System werden im Bedarfsfall bis zu 100 Prozent des Drehmoments an ein einziges Rad geleitet. So lassen sich selbst kritische Geländesituationen im Tiefschnee oder auf Eis so gut meistern, dass man selbst in Situationen zurecht kommt, wo andere Schneeketten benötigen. Mit der Jeep Skill App können zudem bei extremen Fahrsituationen wie auf Schnee und Eis G-Kräfte, Bremspedal-Druck oder Lenkwinkel abgebildet wurden. In Verbindung mit den modernen Sicherheitsassistenten macht das den Kompass zum idealen Begleiter unter winterlichen Bedingungen in den Bergen, genauso wie auf langer Autobahnfahrt. Auf unseren Testfahrten auf tief verschneiten Straßen in Tirol hat der neue Compass seine Qualitäten im Schnee beeindruckend unter Beweis gestellt.

Jeep Compass Limited im Test vom Jan Weizenecker

Fazit

Der Jeep Compass ist ab einem Einstiegspreis von 24.900 erhältlich. Zu diesem Preis kommt er als frontgetriebene Variante mit dem 1.4 Benziner, 140 PS und 6-Gang Handschaltung. Damit ist der Compass geeignet für alle, die keine ausgesprochene Geländegängigkeit brauchen, meist kurze Strecken fahren und keine fette Ausstattung wollen. Wer dagegen hohen Anforderungen an Komfort und an Traktion im Gelände hat, der konfiguriert den Compass mit einem dynamischem Diesel, Allradantrieb und dem sauber schaltenden 9-Gang-Automatik-Getriebe . Mit der gern genommenen Zusatzausstattung kommt der Compass dann aber locker auf einen Preis über 40.000 Euro. Aber auch mit diesem Preis liegt Jeep gut im Wettbewerbsumfeld. Jeep möchte bei ähnlichen Preisniveau immer etwas mehr Ausstattung anbieten, als die Konkurrenz. Künftig will Jeep noch intensiver auf Business- und Leasing-Kunden eingehen. Denn die Konkurrenz um VW Tiguan, Ford Kuga oder Mazda CX3 ist groß.

 

 

Technische Daten

Jeep Compass 2.0 Multijet

Länge x Breite x Höhe (m): 4,39 x 1,81 x 1,65
Radstand (m): 2,63
Motor: R4-Diesel, 1956 ccm, Direkteinspritzung, Turbo
Leistung: 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min
Max. Drehmoment: 350 Nm bei 1500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 196 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 10,1 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch (Durchschnitt nach EU-Norm): 5,1 Liter
CO2-Emissionen: 138 g/km (Euro 6)
Leergewicht / Zuladung: min. 1615 kg / max. 516 kg
Kofferraumvolumen: 438 Liter
Max. Anhängelast: 1900 kg
Wendekreis: 11,07 m
Bereifung: 225/60 R 17
Preis: 31.300 Euro

Bild-Quelle: Vielen Dank an Thomas Starck @ http://thomasstarck.de/