Wenn ich an Autos der englischen Traditionsmarke Jaguar denke, fällt mir immer der gute alte E-Type ein. Um 1960 sorgte dieser kompromisslose Sportwagen mit seinem langen Vorderbau und dem weit nach hinten gelegten Fahrerhaus für Furore. Längst ist der E-Type und insbesondere seine offene Variante ein Klassiker und wohl einer der beliebtesten Oldtimer.

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Und das, obwohl sein Besitzer handwerkliche Fähigkeiten durchaus gut gebrauchen kann. Jaguar hat auch nach dem E-Type Sportwagen – mehr oder minder erfolgreich – gebaut, aber ich denke, keiner war mehr ein so konsequenter Sportwagen. Es waren mehr sportliche Gran Tourismo, die das Angebot der Engländer markierten. Unter seinem neuen indischen Eigentümer hat Jaguar nun auf die Räder gestellt, was viele nicht mehr erwartet haben: Einen reinrassigen, einen puren, einen kompromisslosen und offenen Sportwagen mit aufregendem Design.

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Der F-Type steht vor mir. Im spanischen Pamplona hat eine relativ kleine Gruppe von Auto-Journalisten die Chance, das Raubtier auf himmlisch leeren Straßen zu testen. Den Jaguar Designern ist mit dem F-Type tatsächlich ein großer und einzigartiger Wurf gelungen. Obwohl der zweisitzige Roadster ein modernes und puristisches Design zeigt, nimmt er doch gekonnt Details der legendären Klassiker auf. Und weil ein reinrassiger Sportwagen leicht und doch verwindungssteif sein soll, haben die Ingenieure ihm ein schickes Kleid aus Voll-Aluminium verpasst. Der F-Type wiegt komplett mit seiner mehrlagigen Stoffhaube nur 1.597 Kilogramm. In Kombination mit seinem Heckantrieb und der ausgeglichenen Gewichtsverteilung soll überragender Fahrspaß entstehen.

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Für den notwenigen Vortrieb sorgen aufgeladene Motoren in Symbiose mit einer acht-stufigen Quickshift-Automatik. Stärkste Kraftquelle ist ein 5 Liter V8 Motor mit einer maximalen Leistung von 495 PS (364 kW). Darunter sind zwei 6-Zylinder Aggregate angesiedelt, der eine mit 340 PS (250kW), der andere mit 380 PS (280 kW). Der V8 erreicht auf Wunsch und per Pedaldruck in nur 4,3 Sekunden Tempo 100, erst bei knapp 300 Kilometer pro Stunde ist Schluss mit lustig. Aber auch die beiden 6 Zylinder sind nicht von schlechten Eltern: In 4,9 bzw. 5,3 Sekunden erledigen auch sie die gestellte Aufgabe. Und auch hier ist erst bei Tempo 260 bzw. 275 die elektronisch festgelegte Grenze erreicht.

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Die 8-Gang-Automatik des F-Type wirkt mit den Motoren über den gesamten Drehzahlbereich hinweg prima zusammen. Nach jedem Gangwechsel stellt das System sicher, dass es weiter im optimalen Leistungsspektrum verbleibt. Sobald die Elektronik erkennt, dass ich zügiger unterwegs bin, dreht es den jeweiligen Gang höher aus und schaltet automatisch später in die nächste Gangstufe. Wunderwerk der Technik! Beim Herunterschalten führt das System klangvolle kurze Zwischengasmanöver aus. Apropos Klang. Der F-Type röhrt kräftiger als jeder Hirsch. Und mit einer Soundtaste (Dynamic Mode) in der Mittelkonsole brüllt das Raubtier – fast schon unanständig bis prollig- noch lauter und noch gewaltiger.

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Wer mal keine Lust auf den Automatik-Modus hat, der kann mit den Schaltpaddeln am Lenkrad Fahrspaß haben. Präzise und schnell lässt sich der f-type so schalten. Wobei das runter Schalten mit programmierten Fehlzündungen für eine aufregende und süchtig machende Geräuschkulisse a la Formel 1 sorgt. Der F-type liegt sensationell auf der Straße. Wie auf Schienen jagt er kraftstrotzend durch Kurven und Spitzkehren der Bergstraßen. Wen das keinen Spaß macht, der hat keinen einzigen Tropfen Benzin im Blut. Jaguar möchte mit dem F-type im Revier von Aston Martin Vantage, von Audi R8 und auch vom 911er jagen. Runde 30 Prozent liegt der F-Type preislich unter dem 11er. In 2013 stehen lediglich 600 Jaguar F-Type für Deutschland zur Verfügung. Ich denke, die werden bald vergriffen sein.

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