„Do scheppert nix“, sagte Volkswagenchef Martin Winterkorn auf der letzten IAA über diesen Hyundai. Seither ist das Auto aus Korea ein echter YouTube Star. Millionenfach wurde das Video angeklickt, auf dem Winterkorn samt Entourage den Golfwettbewerber aus dem Osten unter die Lupe nahm. Auf dem Handy-Video ist deutlich zu hören: “Da scheppert nix. Warum kann’s der und wir nicht?” Gemeint war ein schlichter Hebel zur Lenkradverstellung. Zwar ein eher kleines Bauteil, aber die Geschichte dazu so grandios, dass Hyundai den i30 mit besagtem Handymitschnitt sogar beworben hat.

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Der Hyundai i30 ist ein kompakter Kombi mit üppigem Platzangebot. Der Koreaner ist speziell für den europäischen Markt im Design- und Entwicklungszentrum in Rüsselsheim entwickelt worden und wird in Tschechien gebaut. Nur Geld und Logo kommen noch aus Asien. Man sieht, der i30 ist ein Europäer. Er ist nicht zuletzt deshalb ein echter Riese was das Platzangebot und Nutzwert angeht. Kein Wunder, denn im Vergleich zum Schrägheckmodell ist die Karosserie um 19 Zentimeter auf insgesamt 4,485 Meter Länge gewachsen. Das führt zu einem Kofferraum, der zwischen 528 und 1.642 Liter Volumen bietet. Bei umgeklappter Rückbank und mit etwas angewinkelten Beinen dürfte hier selbst Martin Winterkorn Platz finden. Wieder eine Gemeinsamkeit. Und ganz nebenbei auch eine bildlich lustige Vorstellung. Vielleicht hebt er sie sich ja auch für die IAA 2016 auf und ruft in die Welt hinaus: „Warum ist im i30 fast genau soviel Platz wie in unserem Golf Variant (605-1620 Liter)“? Und da sind wir bei den Wettbewerbern: Ford Focus Turnier, Skoda Octavia Kombi, Opel Astra oder eben Golf Variant sind nur vier aus der Vielzahl ernstzunehmender Konkurrenten im Kompaktklassensegment.

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Um sich hier durchsetzen zu können, reicht ein großer Kofferraum allein nicht aus. Kunden wollen heutzutage auch ein eigenständiges, schickes und überzeugendes Designkonzept. Natürlich, über Geschmack lässt sich nächtelang vortrefflich streiten. Aber darüber, dass das Blechabendkleid des i30 eigenständig ist nicht. Sein auffallend markiges Blechkleid mit voluminös ausgeformten Vorderkotflügeln ist ein Blickfang. Auffällig sind auch die ausgeprägten Kanten. Auffallen ist die Devise. „Bevor wir fallen, fallen wir lieber auf“ – wussten schon Fanta 4. Serienmäßige LED-Tagfahrleuchten und die neuerdings querstehende Rückleuchten komplettieren die charakteristische Linienführung des südkoreanischen Kompaktklassewagens. Das Markengesicht mit Hexagongrill verleiht ihm die Portion Unverwechselbarerkeit und den Charakter, die ihn optisch ausmachen.

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Im Innenraun gibt es Platz für bis zu 5 Insassen. Das Cockpit ist an den Bedürfnissen des Fahrers orientiert. Das Touchscreen-Display ist ausgesprochen bedienfreundlich. Und auch im Hinblick auf die Qualitätsanmutung und den Wohlfühlfaktor des Innenraums kann Winterkorns Urteil nur bestätigt werden: Die einzelnen Komponenten wirken solide verarbeitet und aufeinander abgestimmt. Der weiche Kunststoff, sowie Alu-Applikationen bilden einen angenehmen Mix an Materialien – diese Qualität überzeugt. Da klappert wirklich nichts. Außerdem bieten ein großes Handschuhfach, die geräumigen Ablagen in den vorderen Türen und Fächer im Armaturenbrett viel überflüssigem Kram ein Zuhause. Ein Manko sind vielleicht die vielen Tasten. Trotzdem bleibt die Bedienung intuitiv und simpel. Die Vordersitze sind selbst für Großgewachsene passend, könnten aber durch mehr Stabilität und Polsterung den Komfortwert noch erhöhen. Die Kopffreiheit im i30 ist im Vergleich zum Vorgänger gewachsen. Ab 1.90 Meter kommt man mit ihr trotzdem in Konflikt. Das ist der coupehaften Form geschuldet. Die gewachsene Karosserie kommt dafür der Beinfreiheit zugute. Zappelphilippe können sich hier austoben.

Jetzt wird gefahren. Auf Knopfdruck kann der Fahrer zwischen drei verschiedenen Modi für die Lenkung wählen. Bei Hyundai heisst das “Flex Steer”. Das gibt es auch bei andern Herstellern, ist dort aber sehr teuer. Das ist wirklich praktisch. So lässt sich der i30 auf der Autobahn in „Comfort” völlig bequem lenken. Außerdem hilft die kraftsparende Einstellung auch bei Parkmanövern. Geht’s motiviert und fahrlustig auf die Landstraße, so wird man wohl “Sport” wählen. Diese Einstellung bietet mehr direkte Rückmeldung. Dann lässt sich der i30 direkter und präziser steuern. Allerdings sollte man wissen, dass der i30 kein Landstrassenjäger ist. Der “Normale”-Modus der Lenkung findet einen guten Kompromiss zwischen den beiden Extremen.

Mit der sparsamen “blue”-Version mit einem 128 PS starken Diesel ist man in Puncto Preis-Leistung gut bedient. Das manuelle Sechs-Gang-Getriebe schaltet sich auffallend angenehm und leicht. Die Übersetzung des Getriebes wirkt in oberen Gängen sehr hoch, was in Verbindung mit dem geringen Gesamtgewicht und der flachen Karosserieform zu einem sehr guten Durchschnitts-Verbrauch führt. Der 1.6 CRDI braucht nur etwa 4,2 Liter Diesel auf 100 km. In unteren Gängen führt das allerdings, trotz der nominell eher höheren PS-Zahl zu kleinen Anzeichen von Schwachbrüstigkeit.

Generell ist der 1,6 Liter große Diesel-Motor sehr zurückhaltend. Drückt man das Gas kräftig durch, spürt man erst ab rund 2.000 Umdrehungen einen Bescheunigungskick. 11,2 Sekunden braucht der kleine von 0 auf 100 km/h. Dafür bleibt es im Innenraum angenehm leise. Wenig Windgeräusch, gute Dämmung und der zurückhaltende Motor sind dafür die Hauptverantwortlichen.

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Fazit

Martin Winterkorn hat mit seinen Video wohl ganz unfreiwillig den Bekanntheitswert des i30 gepusht. Grämen braucht er sich allerdings trotzdem nicht zu sehr. Um dem teuren Branchenprimus aus Wolfsburg wirklich den Rang abzulaufen, muss der Hyundai i30 sich noch etwas strecken und kleine Schwächen im Detail eliminieren. Allerdings ist er in Punkto Preis/Leistung jetzt schon ganz vorne dabei. Ab 17.500 Euro bekommt man den Koreaner in der niedrigsten Ausstattungslinie „Classic“. Der getestete blue 1.6 Liter CRDI in der mittleren Ausstattungslinie „Trend“ kostet 23.260 Euro. Das Automatikgetriebe würde 1.500 Euro extra kosten, das Navigationssystem schlägt mit 1.300 Euro zu Buche und das Panoramadach mit 1.200 Euro. Das ist im Vergleich zu VW wenig. Und wer gänzlich darauf verzichten kann, der bekommt ne Menge Auto für wenig Geld bei hoher Serienausstattung und 5 Jahren Garantie. Ach, übrigens: Der Lenkradverstellhebel scheppert tatsächlich nicht.