Kennen Sie die Parabel mit dem Frosch im Kochtopf? Nein? Setzt man einen Frosch in einen Topf mit kaltem Wasser und erhitzt beide langsam, springt der grüne Freund nicht – wie vermutet – aus dem Wasser heraus. Er bleibt sitzen, fühlt sich wohl, genießt, bis er eben gekocht wird und zur französchisch-delikaten Vorspeise lanciert. Wer wissen will warum es diese Geschichte die Einleitung zum Fahrbericht für den neuen Hyundai i20 zu bildet, der muss JETZT weiter lesen.

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Warum der neue Hyundai i20 kein Frosch ist?

Hyundai, das ist ein südkoreanischer Automobil-Hersteller und gleichsam genau das Gegenteil unseres Frosches. Das jüngst gelaunchte Erfolgsmodell des Importeurs, der i20, ist auch kein Frosch. Hyundai geht mit dem i20 nicht ansatzweise das Risiko ein von der Konkurrenz gekocht zu werden. Oder anders formuliert: den Rang abgelaufen zu bekommen. Der alte i20 optisch noch so attraktiv, modern und erfreute sich bisweilen so großer Beliebtheit bei seiner Zielgruppe, dass man es sich eigentlich mit ihm bequem hätte zurücklehnen können und auf seinem Erfolg ausruhen. Denn dieses Jahr kauften noch etwa 17.000 Menschen das alte Modell. Die Zielgruppe besteht übrigens zu 2/3 aus Fröschen, ähm Frauen.

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Ein beliebter Streber mit Freunden, ja sowas gibt es wirklich!

Betrachtet man den neuen i20, wird die Crux der Frosch- Geschichte ersichtlich. Der kleine Polo- und Corsajäger sieht aus als hätte man eine Evolutionsstufe im Automobilen Entwicklungsprozess übersprungen und wäre direkt beim übernächsten Modell gelandet. Sich zurücklehnen, kochen lassen oder auf Erfolg ausruhen, das gehört eben nicht zur südkoreanischen Firmenkultur. So ist der i20 auf einer neuen, ganz eigenständigen Plattform entwickelt. Deshalb konnte sein Radstand ebenso um 5-Zentimeter wachsen, wie die Länge und Breite des Kleinwagens. Zum Marktstart wird es den Cityhopper ausschließlich als 5-Türer geben. Eine 3-türige Variante wird folgen, soll dann Coupé heißen und optisch noch eigenständiger sein. Eigenständig ist der 5-Türer jetzt schon allemal. Denn er ist auch flacher geworden und damit schnittiger. Das verleiht ihm kraftvolle Präsenz. Das Dach am Heck, farblich zweigeteilt, vermittelt fliegende Leichtigkeit. Durch die spitzen Scheinwerfer besteht im bei der Konfrontation im Dunkeln die Verwechslungsgefahr mit einem bösen Baby-Jaguar. Durch diese neue Optik steht der Hyundai i20 so stolz auf den Beinen, wie ein strebsamer Grundschüler, der gerade mitgeteilt bekommen hat, dass er die zweite Klasse überspringen darf. Oder einer, dem gerade einer dieser komischen Buchpreise am Ende des Schuljahres verliehen wurde. Beides habe ich nie geschafft. Und überhaupt? Wer braucht schon die zweite Klasse. Ohnehin nur zeitraubendes Beiwerk auf dem Weg zum Erfolg. Die Freunde die vielleicht auf der Strecke bleiben, wen störts. Das interessante beim Hyundai, ich war früher sein Freund, denn ich war sehr angetan von seiner frischen Optik und seinem aufsehenerregende Preisleistungsverhältnis und bin es beim neuen Modell umso mehr. Ich wechsle also gerne die Klasse mit ihm. Und mit ihm vielleicht viele andere. Fest steht, der i20 ist gar kein Streber. Keiner wird ihn als Frosch beleidigen. Er ist einfach nur sau-gut in seinem Business und behält die nötige Portion Coolness, auf die Kunden stehen.

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Mehr Platz im luftigen Innenraum: Adieu Krankengymnast für Rückbänkler 

Im Innenraum setzt sich der positive Gesamteindruck fort. Zwar ist hier Plastik das Material der koreanischen Wahl, das stört allerdings nicht besonders, da wir es hier mit solide verarbeitetem, weichem und haptisch angenehmen Plastik zu tun haben. Chromapplikationen setzen Akzente. Das eingearbeitete digitale Display inmitten der Instrumententafel übermittelt sinnvolle Informationen an den Fahrer. Wer ein Navi braucht, der muss vorerst sein Handy anschließen. Ein festverbautes Navi wird es erst in 3 Monaten geben. Aber das mit dem Handynavi, soll ja sowieso die Zukunft sein. Mit dem optionalen riesen-großen Panoramadach (2000 Euro) wird es hell im Innenraum. Es lässt sich außerdem weit öffnen. Für Cabriogefühle reicht es zwar nicht ganz, aber das Glasdach lässt sich so weit öffnen, dass es wirklich luftig um’n Kopp wird. Die helle Atmosphäre schafft Raumgefühl. Dieses Gefühl trügt nicht. Die gewachsene Außenmaße zeigen Wirkung. Vorne regiert ausreichend Bein und Kopffreiheit. Überraschend und deutliche Steigerung: auch hinten kann man ohne anschließende Krankengymnastik-Sitzungen verrenkungs-frei sitzen. Das Kofferraumvolumen schlägt mit 326 Litern das der meisten Konkurrenten.

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Jetzt wird gefahren!

Aber es hilft ja alles nicht. Dieser Anti-Streber steht bei unserem kleinen Casting mit so makelloser Unfehlbarkeit da, dass wir ihn jetzt fahren. In der Hoffnung Fehler festzustellen, uns damit selbst besser fühlen und vergessen, dass wir nie diesen Buchpreis gewonnen hatten. Zum Marktstart wird es drei Benzin-Motoren mit 1,2 oder 1,4 Litern Hubraum und 75 bis 100 PS geben. Ausserdem stehen zwei Diesel-Motoren zur Wahl, die mit 1,1 Litern Hubraum und 75 PS oder 1,4 Litern und 90 PS aufwarten. Und zugegeben, der 75 PS Benziner hängt so direkt am Gas, wie die innere Einstellung des faulsten Schülers der Klasse zu Hausarbeiten. Soll so viel heißen wie: der zieht keine Lyoner vom Brot. Weitere vergleiche erspare ich Ihnen. Er benötigt nominell 13,6 Sekunden bis 100 km/h und verbraucht dabei 5,1 Liter Benzin. Will man also bessere Beschleunigungsswerte mit dem 1000-Kilo leichten Zwerg erzielen, sollte man auf einen der beiden Dieselaggregate oder den größten Benziner zurückgreifen. Jetzt stellt sich natürlich die Frage, will man das bei einem Auto in diesem Segment überhaupt. Den grössere Motoren sind teurer und brauchen mehr Sprit. Mit dem kleinsten Diesel, soll man laut Hyundai mit 3,2 Liter auf 100 Kilometer zurecht kommen. Wenns stimmt, ein top Wert. Was das Fahrwerk und die Lenkung angeht, dann ist man geneigt zu erwähnen, dass der i20 dem Branchenprimus VW Polo nur um wenig nachsteht. Auch die Dämmung des Innenraum ist gut. Klappern und Knarren sind höchstens tinnitusartige Rudimente in unseren Köpfen. Die 5-Gang Schaltung läuft so flüssig in die Gänge, dass man hier auch auf das Automatikgetriebe verzichten kann. Die ist sowieso nur mit dem 1.4 Liter Motor kombinierbar.

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Fazit: Die Koreaner ruhen sich nicht auf ihrem Erfolg aus. Damit besteht keine Gefahr, dass sie – wie der Frosch – von der Konkurrenz gekocht werden. Die zweite Auflage des Hyundai i20 ist optisch so neu, eigenständig und attraktiv, das man das Gefühl hat, die Asiaten hätte einen Streber geschaffen, der eine ganze Klasse übersprungen hat. Ab Dezember ist der neue Hyundai in Deutschland erhältlich. Er wird ab einem Einstiegspreis von 11.950 Euro verkauft und unterbricht damit die Schallmauer von 12000 Euro. Der Streber-Nerd in mir hat das mal für Sie nachgerechnet. Das sind in Apple-Währung gerechnet gerade mal 14 iPhones. Der Marktführer VW Polo kostet, vergleichbar ausgestattet immerhin 12.600 Euro. Das ist ein iPhone mehr! Wer auf Klimaanlage und Radio nicht verzichten will, der muss mindestens 13.450 Euro für den i20 hergeben. Was bestehende Kunden allerdings so schnell zum Kochen bringt wie unsere französische Delikatesse ist, wenn die optische Diskrepanz zum Vorgängermodell zu groß wird. Dann altert ihr aktuelles Modell nämlich schnell. Die loyale Fan-Gemeinde wird es verzeihen. Denn einen tot muss man sterben – fragen Sie den Frosch im Kochtopf!