Wer kennt sie nicht, die Kraft von Seitenwind. Schon in einem PKW spürst du sie. Das Lenkrad zuckt, die Fahrtrichtung ändert sich jedoch kaum. Ganz anders in einem Wohnmobil. Dieses bietet mit einer Seitenfläche von 20 Quadratmetern mehr als die dreifache Angriffsfläche einer Mercedes C-Klasse. In einem Reisemobil zuckt nicht nur das Lenkrad, es ändert deutlich die Fahrtrichtung. Und so birgt unerwarteter Seitenwind in einem Reisemobil die Gefahr von einem ungewollten Spurwechsel.

Seitenwind-Assistent hilft

Abhilfe schafft der Seitenwind-Assistent, der im Hymer ML-T nun zur Serienausstattung gehört. Die Technik stammt aus dem aktuellen Mercedes Sprinter, auf dem der teilintegrierte Hymer ML-T basiert. Der Assistent konnte jedoch nicht einfach übernommen werden, er musste auf die Bauform des Wohnmobils angepasst werden. Damit ist Hymer der erste Hersteller, der ein Reisemobil mit Seitenwind-Assistent anbietet.

Die Wirkung dieser hilfreichen Technik konnten wir auf dem Testgelände der Daimler AG in Stuttgart-Untertürkheim erfahren. Zum Glück war dazu kein natürlicher Sturm notwendig. Die Versuchsstrecke bietet neben einer Steilkurve, Abfahrrampe und Rüttelpisten auch eine Seitenwindanlage. 16 Turbinen erzeugen dort Wind mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern.

Mercedes-Benz / Hymer Innovationstag

Bei der ersten Fahrt spürten wir in einem Mercedes Viano Marco Polo 209D von 1984 die volle Kraft einer Seitenwindböe bei Tempo 100. Das Ergebnis. Im negativen Sinn beeindruckend. Ohne Lenkeingriff versetzt sich das Reisemobil um eine komplette Fahrspur.

Hymer ML-T Test

Ganz anders dann mit dem Seitenwind-Assistent im Hymer ML-T. Den Seitenwind spürst du nach wie vor, jedoch versetzt sich das Fahrzeug nur minimal. Nicht mal ein Lenkeingriff ist nötig.

Nachrüstbar per Softwareupdate

Wie das funktioniert? Für den Assistenten wurden im Hymer ML-T keine neuen Sensoren verbaut. Die Erkennung des Windes erfolgt durch das serienmäßige adaptive elektronische Stabilitätsprogramm (ESP). Bei Seitenwind werden gezielt die beiden dem Wind zugewandten Räder abgebremst. Dieses Bremsmoment wirkt der Seitenwindstörung entgegen.

Der Seitenwind-Assistent kann in einem Hymer ML-T ab dem Modelljahr 2012 durch ein Softwareupdate nachgerüstet werden. Das Update wird vom Hersteller kostenfrei zur Verfügung gestellt. Lediglich das Einspielen durch die Werkstatt wird mit 200 bis 300 Euro in Rechnung gestellt.

Noch mehr Sicherheit

Schon das erste Hymermobil aus dem Jahr 1971 basierte auf Mercedes-Benz Technik. Diese Kooperation ist naheliegend, denn bei beiden Marken wird das Thema Sicherheit traditionell groß geschrieben. So bietet das Hymer ML-T noch mehr Assistenten.

Mercedes-Benz / Hymer Innovationstag

Vor zu geringem Abstand zum Vorausfahrenden warnt der optional erhältliche Collision Prevention Assist. Die Jungs vom Fach nennen es nur CPA. Ich würde einfach Notbremsassistent dazu sagen. Wobei, das ist auch nicht ganz richtig. Denn das System warnt schon vor dem Notfall. Bei zu geringem Abstand zunächst optisch und anschließend akustisch. Der Bremsassistent Pro regelt die Bremskraft in der richtigen Stärke, um eine Kollision zu vermeiden, bremst aber nicht übermäßig. Selbstständig bremsen, das kann das System jedoch noch nicht. Hier ist die PKW Technologie schon weiter. 19 Prozent der Unfälle in Deutschland sind bekanntlich Auffahrunfälle. Mit dem Collision Prevention Assist könnten wohl die meisten von ihnen vermieden werden.

Mercedes-Benz / Hymer Innovationstag

Weitere sinnvolle Assistenzsysteme wie der Spurhalte-Assistent, der Totwinkel-Assistent und der Fernlicht-Assistent sind für dein Hymer ebenfalls optional erhältlich.

Fazit

Diese Menge und Qualität an Sicherheitstechnik ist für ein Reisemobil äußerst beeindruckend. Mercedes und Hymer sind damit Vorreiter für Sicherheit im Reisemobil.

Fotos: Hersteller