Der VW Beetle hat für mich eine ganz besondere Faszination. Denn mit seinem Vorfahren hat mein Autofahrer leben begonnen. Das erste Auto, das wir in seinem Leben gefahren haben, wird wohl den meisten von uns in Erinnerung geblieben sein. So auch mir. Mein erster Käfer hatte es indes nicht leicht mit mir. Ich habe meinen Fahrstil von damals zum Glück überlebt. Er leider nicht. Schon nach 3 Monaten wurden wir unsanft getrennt.

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Mit seinem Nachfolger habe ich dann aufregende Jugendjahre verbracht. Heute beschleichen mich nostalgische Gefühle, wenn ich in den aktuellen Beetle steige. Auch wenn er längst auf der Plattform des Golf aufbaut und nur noch seine äußere Form und einige Reminiszenzen an den Ur-Käfer erinnern.  Und selbst der New Beetle hat sich inzwischen fortentwickelt. Motorhaube und Kofferraumdeckel wurden gegenüber dem Vorgänger verbreitert. Die Scheinwerfer erhielten Kontur, die Rückleuchten wurden größer und  die Karosserie insgesamt etwas flacher.  Ein bisschen erinnert  mich der neueste Beetle an den Porsche 911. War da nicht was? Ferdinand Porsche sei Dank.

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Heißer Beetle in kühlem Babyblau

Mein Testwagen kommt in kühlem Babyblau daher. Ungewöhnlich! Der Spoiler und die Turbo-Schriftzüge an den Seiten machen deutlich, hier kommt einer heißer Beetle. Unter der Motorhaube dieses Beetle arbeitet ein 2.0-Liter großer TSI Motor, der es auf stolze 210 PS (155 kW) bringt. Seine 280 Newtonmeter Drehmoment werden über ein 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) auf den Asphalt gebracht

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Käfer für die Moderne

Im Innenraum wurden die Reminiszenzen an den Käfer auf ein charmantes Minimum reduziert. Die kitschige Blumenvase gibt`s heute nur noch als Zubehör. Dagegen gehört das Fach im Armaturenbrett weiter zur Serie.  Trotzdem  weckt der New Beetle bei mir kaum Assoziation zu seinem Ur-Ahn. Nicht zuletzt der opulente Raum zwischen Fahrer und Windschutzscheibe macht deutlich, dass der alte Käfer längst Vergangenheit ist. Auch die qualitative Anmutung ist zum Glück auf dem Niveau des Golf IV.  Den Kofferraum finde ich heute natürlich hinten. Was geblieben ist. Er ist noch immer nicht riesig und ergonomisch kein Weltmeister.  Die Käfer-Form mit der abfallenden Dachlinie platziert den Gepäckraum vom Nutzer entfernt. Man muss sich weit nach vorn beugen, um ihn zu entladen. Der Beetle kommt nur auf nur 310 Liter Gepäckraum. Durch das Umklappen der Sitze lässt sich dieses Volumen jedoch auf passable 980 Liter erweitern. Bei der Bedienung und Funktionalität ist auch der Beetle ein wahrer Volkswagen. Alles funktioniert gut und nach gewohntem Muster. Ungewöhnlich sind nur die sportlichen Zusatzarmaturen für Öltemperatur, Ladedruck und Stoppuhr in der Mitte des Armaturenbretts.

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Kraftvoller Motor

Der Klang des Motors zeigt nach dem Druck auf den Startknopf, dass hier kein luftgekühlter Motor mehr werkelt. Der Klang des Vier-Zylinders verspricht aber, dass der Motor einiges auf dem Kasten hat. 155 kW (210 PS) sind ja nicht wenig. Mit dem bequemen 6-Gang DSG lässt es sich einerseits wunderbar cruisen, aber im Sportmodus auch temperamentvoll sportlich fahren. Das Fahrwerk des Beetle ist ziemlich hart ausgelegt. Im Gegensatz zum Golf muss der Käfer-Nachfolger auf die adaptiven Dämpfer aus dem Golf verzichten. Im besagten Sportmodus dreht der Beetle übrigens signifikant höher und der neue Käfer wird zum Tier. Nach etwas mehr als 7 Sekunden habe ich Tempo 100. In Kurven scheint sich der Beetle mit an den Asphalt zu krallen. Die Kurvenhatz macht richtig Spaß.  Auf der Autobahn geht diesem flotten Beetle erst über 220 Stundenkilometern die Puste aus. Diese kühle, babyblaue Knutschkugel der Neuzeit kann zum heißblütigen Tier werden. Bei sportlicher Fahrt ist der Beetle mit dem kraftvollen 4-Zylinder Benziner natürlich kein Verbrauchsheiliger. Bei gesittetem Tempo lässt sich der potente Käfer dagegen mit rund 8 Liter auf 100 Kilometer bewegen. VW gibt als kombinierten-Normverbrauch 7,6 Liter an. Wer auf Spritsparer steht, sollte zu den Dieselantrieben greifen.

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Mein Fazit

„The Beetle“ ist natürlich nicht der bessere Golf. Zu viele Kompromisse verlangt die Reminiszenz an die von Vielen geliebte Form des alten Käfers. Aber er bleibt ein alltagstaugliches Automobil, das sich vom Golf-Mainstream abhebt und Erinnerungen an die Jugend in Fahrt halten kann. Mit dem 2.0 Liter Benziner in der „Sport“ Variante kostet „The Beetle“ übrigens ab 28.175 Euro. Mein Testwagen kam sogar auf 36.655 Euro. Auch beim Preis ist der gute Käfer offensichtlich in der Moderne angekommen.

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