Seit März 2015 kann der Ford Mustang in Europa und damit auch in Deutschland direkt beim Ford-Händler bestellt werden. 50 Jahre lang konnte das Pony-Car nur über Umwege aus Übersee eingeführt werden. Und diesen Entscheidung scheint goldrichtig gewesen zu sein, denn runde 10.000 Fahrzeuge wurden inzwischen in Europa bestellt; davon 3.500 allein in Deutschland. An einem warmen, sonnigen Novembertag haben wir uns eine Ausfahrt mit dem neuen Mustang Cabrio (Convertible steht in der Preisliste) gegönnt.

Acht oder vier Zylinder?

Nach dem Einsteigen zieht mich der Start-Knopf magisch an. Ich will die acht bösen Zylinder brüllen hören! Die wundervolle Taste versteckt sich unterhalb der Klimasteuerung. Ich trete das Bremspedal und starte den Motor. Der meldet sich mit einem milden röcheln. Jetzt noch die Sitze einstellen und die Stoffhaube öffnen und es darf losgehen.

Ford Mustang Convertible 2015 Startknopf

Doch nur nicht zu wild mit dem jungen Pony, schließlich wirken bis zu 530 Newtonmeter an seinen Hinterrädern. Tempo 100 erreicht der V8-Mustang mit seinen 421 PS in nur 4,8 Sekunden. Sein Automatikgetriebe schaltet auf der Autobahn alle 6 Gänge mit kaum erkennbarer Schubunterbrechung bis auf 250 Stundenkilometer durch. Dabei ist der Mustang beileibe kein schlanker Sportler, eher ein vollgepumpter Muskelprotz. Der kraftstrotzende Mustang hält sich beim Benzinschlucken nicht zurück: 12 bis 16 Liter auf 100 Kilometer laufen locker durch. Zum Vergleich: Der Mustang mit dem aufgeladenen 2,3-Liter-EcoBoost-Motor leistet 317 PS und lässt sich mit einem Verbrauch von 8 bis 9 Litern bewegen. Der Sound des 4-Zylinders kann trotz eines akkustischen Facelifts nicht mit dem Achtzylinder mithalten. Dagegen überzeugen die Fahrleistungen des „kleinen“ Mustangs. Seine Handschaltung macht Spaß und passt gut zum Charakter des Vierzylinders, an dem Sparfüchse ihre Freude haben dürften. Wer aber das Original sucht, der kommt am blubbernden 8-Zylinder nicht vorbei. Verbrauch ist dann nicht der Maßstab.

Im Innenraum europäisch

Die Grundzüge des Ami-Klassikers sind unverkennbar. Das neue Design macht den Mustang noch etwas mächtiger und furchteinflössender. Sein Innenraum beeeindruckt mit Details, die man bei amerikanischen Autos meist vergeblich sucht. Über dem Handschuhfach thront stolz ein Schild mit der Aufschrift “Mustang – Since 1964”. Die Drehzahl wird in “Revolutions per Minute” signalisiert. Ganz und gar nicht amerikanisch ist die Verarbeitung: Sie scheint inzwischen europäische Standards zu erreichen, wobei das weder Premium ist, noch sein möchte. Auf Assistenzsysteme verzichtet der klasssiche Sportwagen weitestgehend. Selbst Annehmlichkeiten wie ein Windschott können nicht mitbestellt werden. Bei Fahrten mit offenem Dach im November wäre man dafür dankbar. Aber was soll’s, dafür hat er ja acht Zylinder, die dem Fahrer einheizen.

Schlanke Preisliste

Der Mustang mit EcoBoost-Motor ist ab 37.000 erhältlich. Für den Mustang GT mit dem Achtzylinder-Motor berechnet Ford einen Aufpreis von 5.000 Euro. Für das Cabrio werden weitere 4.000 Euro fällig. Die Automatikschaltung kostet 2.000 Euro Aufpreis. Wenn der Käufer nun noch das Premium-Paket für 2.500 Euro auswählt, ist der Mustang nahezu voll ausgestattet. Für 50.500 Euro erhält man folglich ein Ford Mustang Cabrio mit 4 Sitzen, 8 Zylindern, 412 Pferdestärken, einem Automatikgetriebe, zwei Xenon-Scheinwerfer, ein Navi und der Lederausstattung.

Ford Mustang 2015 5.0 Schriftzug

Fazit

Fans amerikanischer Automobile können den Mustang endlich beim örtlichen Ford-Händler bestellen. Das Kultauto bietet V8-Fahrfreude für vergleichsweise kleines Geld. Nicht ohne Grund war der Ford Mustang im ersten Halbjahr 2015 der meistverkaufte Sportwagen der Welt. Doch Vorsicht: Das Pony wurde von den Ford Ingenieuren kaum gezähmt. Wenn es auf einen unerfahrenen „Reiter“ auf kritischem Geläuf trifft, kann das böse enden.