Der Ford Focus RS ist das Schärfste, was Ford in der Kompaktklasse zu bieten hat. Er steht für Rückenschmerzen bei schlechtem Geläuf und einen extravaganten Auftritt mit überdimensioniertem Heckspoiler. Wir haben das 440 Newtonmeter Drehmoment-Monster im Alltag unter die Lupe genommen. Was Fans weltweit an ihm lieben, sind die Launch-Control, der Drift-Modus und der Motor mit seiner Overboost-Funktion, der die Motorleistung 15 Sekunden lang auf 470 Newtonmeter steigen lässt.Beim Einsteigen fällt der Blick auf die Zusatzinstrumente mit Ladedruckanzeige und Öltemperatur. Blaue Ziernähte, der neue Driftmodus-Schalter und aufpreispflichtige Recaro-Schalensitze sind zwar eher funktional, denn edel, lassen das Fahrwasser aber von Mund bis in den Gasfuß laufen. Die Serienausstattung im Focus RS mit SYNC2-Touchscreen-Audiosystem, schlüsselfreiem Starten, 2-Zonen-Klimaautomatik und Xenon-Scheinwerfer inkl. LED-Tagfahrlicht bietet ausreichend Komfort.Kompakt-Rennwagen mit Drift-Modus

Der Abschied vom Frontantrieb des Vorgängers zugunsten des Allradantriebes war sinnvoll, denn die Traktion ist so deutlich besser. Dabei setzt man bei Ford nicht auf den Haldex-Antrieb, wie das Audi, Mercedes oder VW machen, sondern entwickelte mit zwei elektronisch gesteuerten Lamellen-Kupplungen an Vorder- und Hinterachse kurzerhand einen eigenen Antrieb. Dadurch können maximal 70 Prozent der Leistung auf die Hinterachse übertragen werden.Diese Kraft kann dann zu jeweils 100 Prozent zwischen den beiden hinteren Rädern aufgeteilt werden. Dabei werden etwa 100 Mal pro Sekunde die Werte an zahlreichen Fahrzeugsensoren gemessen und je nach Situation Lenkung, Querbeschleunigung bis hin zum elektrischen Sicherheits- und Stabilitätsprogramm angepasst. Torque Vectoring 2.0 nennt das Ford Performance Team dieses System.Auch im Alltag dein Freund

Angetrieben wird der Spaßmacher von einem 2,3 Liter 4-Zylinder Motor, der auch aus dem kleinen Mustang bekannt ist. Im Vergleich zum fünf-zylindrigen Vorgänger empfinden manche den Verlust eines Zylinders als Nachteil, aber der Allradantrieb und die Ecoboost-Funktion entschädigen. Ein neuer Cosworth-Alu-Zylinderkopf, mechanische Hochglanzpolitur, optimierte neue Ladebuchsen, neuer Turbolader, gewachsene Ladeluftkühler, ein optimiertes Einlasssystem und eine Klappenabgasanlage ohne Mittelschalldämpfer beschleunigen den 1.530 Kilo schweren Rennzwerg in 4,7 Sekunden auf Tempo 100.

Erst bei 266 Stundenkilometern endet die Gasdruck-Orgie – damit ist dieser Focus auch auf deutschen Autobahnen ein gefürchteter Gegner. Wer es drauf anlegt, der soll den Rennzwerg mit 7,7 Litern Verbrauch fahren können. Unter 10 Litern haben wir es jedoch selten geschafft. Untermalt wird der Drehzahl-Tanz von „Bangs und Brubels“ im Sport-Modus. Das ist zwar weit entfernt von langweilig, trotzdem konstatiert man, dass die Konkurrenz aus München, Stuttgart und Ingolstadt hier in punkto Punch und brachialem Sound die Nase leicht vorne hat.Das Erfolgsrezept des Ford Focus RS ist seine Alltagstauglichkeit, denn er lässt sich jeden Tag unaufgeregt fahren und bietet dabei Platz für bis zu 5 Personen und den üblichen Gepäckraum in der Kompaktklasse. Wenn aber die Beschleunigungsgelüste beim Fahrer durchbrechen, ist alles da, was man braucht. Gaspedal kräftig durchdrücken und dann schnell von der Kupplung steigen. Die Launch Control schießt uns aus dem Stand brutal nach vorne. Das macht schon im „normalen“ Fahrmodus kirre. Wer es derber mag, der wählt „Sport“ oder „Track“. Hier verabschiedet man sich sukzessive vom ESP. Klang, Lenkung, Dämpfung und Gasannahme sind nun aggressiv abgestimmt. Schon hier lässt sich der Kleine kontrolliert quer-stellen, ohne jedoch auszubrechen um vermeintlich die Kontrolle zu verlieren. Ein echtes Novum in einem Serienkompakt-Auto ist der Drift-Modus. Alle Kraft wird dabei in Richtung Hinterachse geschoben. Die Dämpfer stellen sich weicher ein und die Lenkung wird leichtgängiger.

Was jetzt passiert ist wundersam. Der Fahrer muss den Focus RS nur im richtigen Winkel quer-stellen, Gas durchdrücken, Lenkrad festhalten und bei qualmenden Reifen mit dem Gasfuß spielend lenken. Ausgiebige und kontrollierte Quer-Fahrten sind so möglich. Auf öffentlichen Straßen sollte man das jedoch nicht ausprobieren. Für Spielereien dieser Art bieten abgesperrte Plätze, Flughäfen, Fahrsicherheits-Zentren oder Rennstrecken eine sichere Heimat. Wenn man jetzt noch einen guten Draht zum Reifenhändler hat, dann steht dem Driften nichts mehr im Wege.Fazit

Der Ford Focus RS ist schon heute unser Spaßmacher des Jahres in der Welt der kompakten Sportler. Dabei bleibt sein Preis/Leistung weiter unerreicht. Denn für 40.000 Euro bekommt man bei Ford nicht nur einen Allrad-Sportler mit beeindruckendem Handling und Drift-Skills, sondern auch ein Auto, das im deutschen Saarlouis gebaut wird und auch im Alltag problemlos fahrbar ist. Kann man sich mit dem etwas aufdringlichen Look mit dem überdimensionierten Dachspoiler anfreunden, so ist der Focus RS verglichen mit der Premium-Konkurrenz ein echtes Schnäppchen. Denn der ebenfalls allradgetriebene direkte Konkurrent VW Golf R leistet „nur“ 310 PS, bringt „nur“ 380 Newtonmeter Drehmoment auf die Straße und braucht 5,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Er kostet in deutlich „dünnerer“ Grundausstattung trotzdem 40.750 Euro.

Technische Daten:

Ford Focus RS

Fünftüriger, viersitziger Kompaktwagen mit Allrad;

Länge/Breite/Höhe/Radstand in Metern: 4,39/2,01/1,47/2,65,

Leergewicht 1.529 kg,

max. Zuladung: 496 kg,

Kofferraumvolumen: 260 l – 1.045 l,

Tankinhalt: 62 l.

Motor: Vierzylinder-Turbobenziner,

Hubraum: 2.261 ccm,

Leistung: 257 kW/350 PS bei 6.000/min,

maximales Drehmoment: 440 Nm bei 2.000/min – 4.500/min,

0 bis 100 km/h: 4,7 s,

Höchstgeschwindigkeit: 266 km/h,

Normverbrauch: 7,7 Liter Benzin je 100 km,

CO2-Ausstoß: 175 g/km,

Preis: ab 40.000 Euro.