Nach dem Erfolgsmodellen Fiat 500, Fiat 500 Cabrio und seinem größeren Bruder 500L rollt nun das vierte Modell mit dem 500-er Index vom Band: Der 500X. Eine Crossover-Variante des Cinquecento. Der 5-Türer war bereits der Hingucker auf dem Pariser Automobilsalon, basiert technisch auf dem Konzernbruder Jeep Renegade und ist jetzt bestellbar. Genau wie den Amerikaner gibt es den 500X für den Stadtverkehr optimiert oder als etwas geländetauglicher mit Allradantrieb und Unterfahrschutz. Ab Februar werden die ersten dann von den Händlern ausgeliefert.

Zur Einleitung der offizielle Fiat 500X Teaser:

Größer, stärker und bereit für Action

Im Video zu sehen eine Dame gehobene Alters, die mit bettlägerigem Schlafzimmerblick ihrem Mann das gierig-eindeutig fragende Wort „Amore?“ zuwirft. Der alte Italiener kann sein „Glück“ kaum fassen, eilt zur Viagradose, will sich lässig die letzte Pille einwerfen, doch: er verfehlt! Über Umwege einer typisch italienischen Szenerie fällt die Pille in den Tank eines Fiat 500. Sie sorgt natürlich für allerlei mächtiger Blechausbeulungen, Wachstum und mehr Power. So soll das sein, so wünscht sich das die Pharmaindustrie. Und damit findet der 500X noch mehr Aufmerksamkeit bei den Frauen „rrrrr“ stöhnen Sie, ähnlich einer Deodorant-Werbung. Werbebotschaften angekommen! Einziger Unterschied zur Deo-Werbung? Es handelt sich hier um ein Auto. Und hoffen wir mal, dass es keine Herzprobleme hat.

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Nostalgische Cross-over Designikone

Was die Werbung verdeutlicht ist, dass Designelemente der italienischen Cinquecento Ikone auf ein modernes Cross-Over-Konzept treffen. Dem 500 werden Offroad-Attribute eingehaucht, was ihn zu einem Freizeitmobil mit leichter Geländetauglichkeit macht. Ein richtiger Geländewagen ist der 500X indes nicht. Aber der alte Italiener wird durch eine Viagrapille ja auch nicht zum Hardcore Pornostar. Will er auch gar nicht. Alles was er will ist seine Frau mal wieder bespassen. Und dabei geht es eher um das praktische „ready for Action“, als stundenlang in die Tiefen des Urwaldes einzudringen. Soll heißen: das Terrain des 500X bleiben Straßen, hohe Bordsteine, Städte oder vielleicht mal Feldwege. Man wird kaum mit ihm zum Pilze-Sammeln durch den Wald brettern. Dafür ist er viel zu schön: eine echte Schönheit mit nostalgischem Charakter. Trotzdem ist der X bisweilen die männlichste 500er Variante. Die runden Scheinwerfer und das klassische Firmenlogo mit der verchromten Querspange wecken Erinnerungen an den Ur-500er. Sieht von Vorne aus wie ein sympathisch lächelnder Schnurbart-Träger. Die wuchtigen Radausschnitte, Offroadelemente wie spezifische Stossfänger und ein Unterfahrschutz sorgen in Verbindung mit der fließende Linienführung dafür, dass Eleganz und Dynamik zusammen geführt werden. Insgesamt schafft man so den optischen Sprung ins 21. Jahrhundert mit reichlich Nostalgie im Gepäck.

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Außen Kompakt, innen mehr Platz

Die geschwollenen Ausmaße sorgen einerseits dafür, dass der Innenraum mit deutlich mehr Platz aufwartet. Andererseits behält der 500X seine Innenstadt-taugliche Abmessung. Die Länge musst 4,25 Meter als CROSS. Beim CROSS PLUS sind es zwei Zentimeter mehr. Die Karosserie ist 1,80 Meter breit, die Höhe beträgt 1,60 Meter bzw. ein Zentimeter mehr mit Dachreling. Die Allradvariante des 500X misst in der Höhe 1,62 Meter. Das sorgt eben dafür, dass der Innenraum echt komfortabler wird. Direkt beim Einsteigen bemerkt man das grosszügigere Platzangebot. Wobei man im 500X als großgewachsener Hinterbänkler ziemlich den Kopf einziehen muss. Dafür ist der 500X innen via 3D Struktur klar durchdesignt. Beim Ausstatten hat man die Wahl zwischen sieben Interieur-Varianten, die neben Stoffen auch Leder in unterschiedlichen Farben kombinieren. Wow, schön, das können die Italiener. Die verwendeten Materialen und Oberflächen sind vernünftig verarbeitet und von akzeptabler Qualität. In Puncto Kratzfestigkeit herrscht Luft nach oben. Man will doch nicht, dass so ein schönes Auto im Innenraum all zu schnell altert. Dafür gibt es eine Vielzahl praktischer Ablagemöglichkeiten. Sollte der Variable Gepäckraum von 350-1000 Liter nicht ausreichen, bekommt man garantiert überall irgendetwas verstaut und reingesteckt. Hierzu fällt mir eine böse Analogie zu unserem, aus der Werbung bekannten, italienischen Liebespaar ein. Aber die erspare ich Ihnen einfach mal.

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Auf die richtige Technik kommt es an

Beschäftigen wir uns lieber mit der Technik. Denn die Technik zählt sowieso immer mehr als gewachsene Proportionen – sagt meine Freundin zumindest aufmunternd. Was man sich bei Audi abgeschaut hat, ist ein unten abgeflachtes Lenkrad – liegt ganz gut in der Hand. Das neue Touchscreen Navi aus dem Konzernbaukasten ist filigran und liegt wirklich im Sichtfeld des Fahrers. Es ist 5.0 Zoll bzw. 6,5 Zoll groß. Gut auch: das neue „Uconnect Live“ System macht die Integration des Smartphones möglich und erlaubt damit Zugriff auf viele Apps direkt über das Bordsystem. Das Digitale Tacho in der Mitte zweier Rundinstrumente ist sinnvoll und dient dazu dem Fahrer wichtige Informationen vorzuspielen. Auch hat man sich ein neues Konzept für die Türgriffe einfallen lassen. Diese sind schön, klar. Jedoch nicht ergonomisch. So nimmt man zum öffnen der Türen eher die weiter entfernte Hand. Und greift damit über. Was solls, denn „Übergreifen“ propagiert Olli Kahn seit jeher als Erfolgskonzept bei Torwarten.

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Und so fährt er sich…

Doch jetzt fahren wir den italian stallion (italienischer Hengst, Kampfname aus dem Film Rocky) endlich mal. Dem Fahrer fällt direkt der neue Fahrmodi-Drehregler ins Auge. 3 Stufen stehen zur Verfügung: „Auto“, „Sport“ und „Allwetter“. Hier werden  Motorsteuerung, Ansprechverhalten der Bremsen, Lenkung, sowie Arbeitsweise des Automatikgetriebes an die Umweltbedingungen angepasst. Was man direkt bemerkt ist eine sehr angenehme flüssige Hand-Schaltung. Hier ruckelt nichts. Der 500X ist auch der erste Fiat, der neben einem 6-Gang Doppelkupplungsgetriebe auch mit einem 9-Gang Automatikgetriebe angeboten wird. Dieses Getriebe hat die Möglichkeit sehr schneller Gang-Wechsel und sanfter Kraftentfaltung. Fährt sich also Butterweich und wer will kann auch manuell per sequentieller Handschaltung die Gänge wechseln. Der 500X ist als Vorderrad- oder Allradantrieb bestellbar. Eine besondere Eigenschaft des Allrädlers ist ein System zur automatischen Entkopplung der Hinterachse. Beim Fahren merkt man deutlich, dass der Fiat 500X auf dem Jeep Renegade basiert. Die Lenkung ist leider etwas indirekter abgestimmt, was man aber durch den Fahrmodi „Sport“ ausgleichen kann. Der getestete 1.6 Liter Multijet Motor mit 120 PS beschleunigt in 9,8 Sekunden von 0 auf 100 Km/h. Bei 190 Km/h ist dann Ende-Gelände. Bei angepasster Fahrweise verbraucht er 6 Liter Diesel. Was wirklich vernünftig ist. Insgesamt fährt sich der Fiat sehr kultiviert, komfortabel und ruhig. Bei Bedarf hat der Diesel in niedrigeren Gängen auch genug Power zum kurzen Sprint. Die Motorenpalette umfasst die Benziner 1.4 MultiAir Turbo mit 140 PS und den 1.6 E-torQ mit 110 PS, sowie die beiden Turbodiesel 1.6 16V MultiJet mit 120 PS und den 2.0 16V MultiJet mit 140 PS.

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Fazit

The italian stallion hat das Zeug zum Kassenschlager. Eigenständiges Design, vernünftig verarbeitet und auf Wunsch mit vielseitiger Ausstattungsliste. Damit kann der 500X selbst dem Mini Countryman die Stirn bieten. Auch ein wenig Fahrspass kommt auf. Die Geländetauglichkeit ist mit der Konkurrenz im Segment vergleichbar. Vom Raumangebot darf man keine Wunder erwarten. Hier ist Kompromissbereitschaft angesagt. Die Italiener rufen für die vierte Variante des Kleinstwagens mindestens 16.950 Euro auf – dafür gibt es das vorderradgetriebene Einstiegsmodell mit einem 110 PS starken 1,6-Liter-E-torQ-Benziner und manuellem Fünfganggetriebe. Das ist ein wirklich fairer Preis, der Ressourcen dafür frei hält – beispielsweise die Viagra-Dose neu zu befüllen, denn nicht nur Autofahren bringt Freude.