Elektro -Mobilität, Wasserstoff und selbstfahrende Systeme

Der Siegeszug der Elektro-Mobilität ist wohl nicht aufzuhalten. Auch wenn die Wunschzulassungszahlen der Regierung nicht annähernd erreicht werden, bewegt sich in der Industrie deutlich sichtbar Vieles darauf zu. Die Zahl angebotener E-Fahrzeuge und insbesondere Plug-in-Hybride (hier sind Verbrenner und E-Motor in einem Auto verbaut) steigt. Und seit die Preise fallen, wird auch das Kundeninteresse größer. So bietet BMW bereits mehrere Modelle an, bei denen die Plug-in-Variante kaum mehr kostet, als die vergleichbare Verbrenner-Variante. Ein deutlich größeres Netz von Ladestationen und kürzere Ladezeiten würde die Entwicklung ebenfalls beschleunigen.Wasserstoff-Tankstelle FellbachWasserstoff könnte, wenn er aus der Energie erneuerbarer Quellen hergestellt würde, eine Alternative zur aktuellen Batterien-Technologie sein. Wasserstoff hat eine hohe Energiedichte mit guten Reichweiten und er lässt sich ähnlich schnell tanken, wie Benzin oder Diesel. Zwar arbeitet die Regierung mit der Industrie bereits an einem Netz von Wasserstoff-Tankstellen, doch die bundesweit anvisierten 400 Tankstellen bis 2020 sind nicht ausreichend. Beim Aufbau dieser Infrastruktur erscheint stattliche Förderung sinnvoller, als bei der Subventionierung des Kaufs von E-Autos.Autonomes Fahrzeug der Schweizer PostAuch für die Entwicklung von Systemen, die uns die Lasten des Autofahrens Zug um Zug um Zug abnehmen werden, schreitet voran. Dabei geht es nicht darum, uns den Spaß am Selbstfahren zu nehmen. Aber wer kennt nicht Situationen, in denen wir große Erleichterung empfinden würden, könnte uns unser Auto selbstständig und ohne unser Eingreifen nach Hause oder zur Arbeit fahren. Menschen, denen heute der Zugang zum Autofahren verwehrt bleibt, wie Kinder, alte Menschen oder Behinderte, könnten sich ins Auto setzen und zum Ziel gebracht werden. Ein Führerschein wäre dafür wohl nicht mehr notwendig. Nur wer selbst weiterhin ins Geschehen eingreifen möchte, müsste die staatliche Lizenz erwerben. Zukunftsmusik? Ja, noch. Aber als vor Kurzem die Experten zu diesem Thema in Baden-Baden zusammen gekommen sind, war die Zuversicht, schon in 5 bis 10 Jahren autonom fahrende Mobile nutzen zu können groß. Schon in wenigen Jahren könnten Autos in Situationen mit geringerer Komplexität auf ausgesuchten Teilstrecken autonom fahrend unterwegs sein. Wohl noch mit Fahrer an Bord. Aber die Verantwortung, und darin gibt es weit verbreiteten Konsens, wird bei selbstfahrenden Autos nicht mehr bei einem Insassen liegen, sondern beim Hersteller bzw. Entwickler.

Daimler und Benz Stiftung, Forschungsgruppe Autonomes Fahren

So sieht es auch Markus Maurer, anerkannter Experte, Universitätsprofessor und Berater der Industrie. Wer sich jedoch selbst ans Steuer setzt, wird selbstredend weiterhin die Verantwortung tragen.

Längst werden Systeme in aktuellen Automobilen verbaut, die Teilschritte zum autonomen Fahren darstellen. Wesentlicher Bestandteil dieser sogenannten Assistenzsysteme sind miteinander vernetzte Sensoren.
So werden im neuen Toyota Prius 22 verschiedene Sensoren verbaut. Bei anderen Modellen und Herstellern ist das ähnlich. Am Ende werden für alle Funktionen, die bislang ein Autofahrer erfüllen musste, miteinander verbundene Sensoren vorhanden sein, die uns das aktive Fahren abnehmen können.

Toyota Prius (Hybrid)

Toyota Prius (Hybrid)

Aber wie gut müssen diese Systeme sein, bevor wir uns ihnen anvertrauen? „Autonomes Fahren wird mit Sicherheit erst zugelassen, wenn wir sicher sein können, dass sie mindestens genauso gut funktionieren, wie wir Menschen“, erklärte Markus Maurer im vergangenen Jahr in einem Interview mit der Mittelbadischen Presse. Bleibt zu hoffen, dass die Maschinen ihre Arbeit besser machen, als wir Menschen, denn die zum Glück und durch den technischen Fortschritt zurückgehende Zahl von Todesopfern im Straßenverkehr ist noch immer viel zu hoch.Auch in der Ortenau sind Automobilzulieferer angesiedelt. Bereiten auch sie schon die automobile Zukunft vor? Hat sich die Entwicklung gar schon auf die Produktion ausgewirkt?  Wie sieht man hier die zu erwartende Entwicklung? Wir haben nachgefragt.

000018C0_214_col2LuK-Schaeffler in Bühl bestätigt, dass das Thema Elektro-Mobilität ein Teil des Schaeffler Strategie-Konzeptes „Mobilität für morgen“ ist. Vor dem Hintergrund immer strengerer Emissionsziele seitens der Gesetzgebung und dem weltweit steigenden Mobilitätsbedarf führe aus der Sicht des Unternehmens keinen Weg an der Elektrifizierung des Antriebsstrangs vorbei. Schaeffler habe diesen Trend frühzeitig erkannt und reagiert. Bereits Ende der 1990iger Jahre habe man mit der Grundlagenentwicklung für elektrifizierte Antriebsstränge begonnen. „2010 begann dann die Serienfertigung von Komponenten für P2-Hybridmodule, seit 2015 wird ein asiatischer Automobilhersteller mit einer automatisierten Kupplung für ein solches Modul beliefert“, so Sprecherin Petra Wolf. Mittlerweile stehe die zweite Generation des Hybridmoduls am Start, das 2017 in Serie gehen wird. Zudem laufen bereits Serienentwicklungen für Fahrzeuge mit elektrischen Achsantrieben, so Wolf weiter. Aus der Sicht Schaeffler sei 2020 ein 20-prozentiger Anteil an elektrifizierten Fahrzeugen vorstellbar. Ausgehend von 120 Millionen produzierten Fahrzeugen im Jahre 2030, bedeute das zehn Millionen rein elektrisch betriebener Fahrzeuge. Das entspreche einem Anteil am Gesamtfahrzeugmarkt von neun Prozent. Schaeffler bietet Technologien über die gesamte Bandbreite der effizienten Elektrifizierung des Antriebsstrangs an. Von Hybridmodulen über die elektrische Achse bis hin zum Radnabenantrieb können Schaeffler-Produkte in Hybrid-Fahrzeugen und reinen Elektroautos integriert werden.

PWO in OberkirchBernd Bartmann, Vorstand für den Kaufmännischen Bereich bei PWO in Oberkirch, sieht für sein Unternehmen indes keine starken Auswirkungen durch Elektro-Mobilität und selbstfahrende Autos. Bei PWO werden Sitze, Motorgehäuse, Airbags, Lenksysteme oder Querträger entwickelt und hergestellt. „Auf unser Geschäftsmodell nimmt dieser Trend daher kaum Einfluss“, erklärt Bartmann. Man sehe keine Ausfälle für das Produktionsprogramm. „Mag sein, dass Motorengehäuse sich verändern, kleiner oder größer werden, das stellt für die PWO jedoch keine Herausforderung dar“, so Bartmann weiter.