„GTI“ steht für „Gran Turismo Injektion“. Seit 1976 steht der Golf GTI beinahe exemplarisch für alltagstaugliche, kompakte Autos mit kraftvollen Motoren. Auf über 40 Jahre Historie kann die VW GTI-Sparte zurecht stolz sein. Inzwischen werden neben dem Golf auch der Polo (200 PS) und der up! (115 PS) als kräftige GTI Varianten mit einer gehörigen Extraportion Power angeboten. Die aktuelle Version des Golf GTI fußt auf dem Golf-7-Facelift, das 2017 auf den Markt kam und – wie bei VW üblich – nur leicht überarbeitet wurde.VW_PerformanceDays_Ascari

Die wichtigsten Änderungen am Golf GTI sind – neben den aggressiveren Stoßfängern – neu gezeichnete Rückleuchten mit nach außen laufendem Blinker, vergrößerte Endrohre und serienmäßige LED-Scheinwerfer. Außerdem kommt der GTI im Innenraum nun mit dem aktuellen Technik-Konzern-Standard um den digitalisierten Tacho und das Infotainmentsystem mit aktueller Konnektivität. Doch die für die zahlreichen Fans wichtigste Neuerung steckt mit zehn Pferdestärken zusätzlicher Leistung unter der Haube. Der GTI bringt fortan 230 PS auf die Straße, während der GTI Performance nun 245 PS bringt – also 15 PS mehr als zuvor.

Golf GTI 2018

Die Optik des Golf 7 GTI Facelifts ist zweifelsohne in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Soll heißen: Mit ihm fühlt man sich stets passend gekleidet. Er ist ein Auto für alle und will damit nicht zu prollig, sondern eher zurückhaltend auf den serienmäßigen 17-Zöllern stehen. Beim Auftritt im GTI wird man an keinem Ort unangenehm auffallen. Ein echter „Volkswagen“ eben. Trotzdem bleibt für jeden direkt ersichtlich: Hier kommt ein GTI. Dieser Gedanke wird beim Kompakten prominent nach außen getragen. Am deutlichsten erkennbar an der unteren Chromleiste des Kühlergrills. Sie strahlt dezent aber dennoch präsent in sportlichem Rot. Dieser Lidstrich setzt sich in den zwei sogenannten „Winglets“ in den beim GTI nun serienmäßigen LED-Scheinwerfern fort. Neben der etwas sportlicher geformten Frontlippe, den GTI Logos und den roten Bremssätteln erkennt man den kräftigen Golf an den zwei, beim Facelift etwas dicker gewordenen, Endrohren. Eine zurückhaltende sportliche Optik zum Verlieben.

Der sympathische Eindruck setzt sich auch im Innenraum fort. Am deutlichsten wird der GTI hier an den Sportsitzen im Karomuster. Sie bringen auf unvergleichlich charmante Art und Weise die GTI Historie ins moderne Interieur – übrigens auch auf der Rückbank. Das Lenkrad liegt gut in der Hand, ohne wulstig zu sein, so muss man nicht erst seine roten Nähte oder die GTI-Prägung spüren, um richtig Bock auf die Kurvenhatz zu bekommen. GTI Einstiegsleisten, eine Edelstahl-Pedalerie, Zierelemente im Waben-Muster und ein GTI-Schaltknauf im Golfball-Design bekommt der GTI-Kunde inklusive. Nach wie vor begeistert die gute Verarbeitung des Golfs.VW_PerformanceDays_Ascari_Jan-Weizenecker Egal wer einsteigt, das Auto passt für jeden. Ein echtes Phänomen der Automobil-Branche und vielleicht DAS Erfolgsgeheimnis.

Das riesige 12,3 Zoll große und variabel gestaltbare „Active Info Display“ ersetzt auch beim Golf GTI 7 Facelift (optional) die analogen Rundinstrumente. Es wird so auch in anderen VW und Audi-Modellen verbaut und will hier mit 510 Euro gelöhnt werden. Richtig weh tut finanziell dagegen das 2.385 Euro teure berührungsempfindliche Touchscreen Infotainment-System „Discover Pro“. Aber es ist beim Thema Konnektivität um Apple CarPlay, Android Auto oder MirrorLink der „heiße Scheiß“ und damit eine der Wunderwaffen im digitalen Baukasten des VW Konzerns. Übrigens: Sportfahrern kann es mit „Laptimer“ und einer Sportanzeige wunderbar dienen. Auf letzterer wird via Knopfdruck die Öltemperatur, Fliehkräfte oder der Ladedruck sichtbar – ein besonders nettes Detail im GTI für die Rennstrecke!VW_PerformanceDays_Ascari_Jan-Weizenecker

Für die meisten GTI Fans wird der 230 PS starke 2.0 Liter Vierzylindermotor mit Turbo-Aufladung unter der Haube indes entscheidender sein. Wir haben es auf der Rennstrecke in Ascari getestet: Dieser Dampfhammer jagt uns mit 350 Newtonmeter maximalem Drehmoment aus dem Stand in 6,4 Sekunden auf Tempo 100. In etwa 20 Sekunden erreichen wir Tempo 200. Bei 250 Stundenkilometern wird – leider – elektronisch abgeriegelt. Gut so für unerfahrene Jungspunte. Schade für und, dass die Beschleunigungs-Orgie hier schon ein Ende findet. Der GTI Performance schafft den Spurt auf 100 sogar 0,2 Sekunden schneller. Seine Endgeschwindigkeit bleibt indes auch bei 250 Stundenkilometern stehen.

Doch wie beschreibt man das ausgegorene Fahrerlebnis mit dem front-getriebenen GTI auf dem Circuito Ascari? Die präzise Lenkung: Ein Genuss. Das Lenkrad liegt fest in der Hand. Das Fahrwerk: Sehr solide. Die Bremsen: Kontrollierbar und gut dosiert abgestimmt. Der Sound: Sonores Frotzeln. Das Sechsgang-Schaltgetriebes: Knackig. Die Sitze: Bequem und bieten trotzdem guten Seitenhalt. Dabei waren die Dämpfer tendenziell etwas härter abgestimmt, aber im Fahrmodus „Sport“ fühlt man sich in Ascari schnell zuhause. Lediglich bei schlechten Straßenbedingungen stempelt der GTI vorne beim Beschleunigen leicht in den Asphalt, bleibt aber in den Kurven auch im Extrem-Bereich berechenbar und stabil. Wer sich für den Alltag und auf der Autobahn etwas Gutes tun will, der ordert die adaptiven Stoßdämpfer für 1.045 Euro. In Kombination mit dem rund 2.000 Euro teuren Doppelkupplungsgetriebe (DSG) mit Schaltwippen am Lenkrad nähert sich unser GTI gefährlich nahe dem an, was wir als bequeme Perfektion eines Allrounders zwischen Stadt, Landstraße, Rennstrecke und Autobahn bezeichnen würden.

Fazit

Wermutstropfen im GTI-Cocktail bleibt leider sein hoher Preis. Denn mindestens 29.975 Euro kostet der VW GTI nun mit Handschaltung. Das sind 350 Euro mehr als vor dem Facelift. Wer sich das Siebengang-DSG gönnt, wird mit mindestens 31.975 Euro zur Kasse gebeten. Der VW Golf 7 GTI Performance beginnt fortan bei 32.475 Euro. Mit verschiedenen Optionen kann der Preis spielend leicht auf 40.000 Euro getrieben werden. Wem die erhöhte Leistung noch immer nicht genügt, der sollte zum allrad-getriebenen Golf 7 R Facelift greifen. Neben der optischen Varianz erhält er dort zu Preisen ab 40.675 Euro satte 310 PS und 400 Newtonmeter.

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Hier unser Leistungs- und Preis-Vergleich im Segment der kompakten Sportler:

Mini John Cooper Works (231 PS ab 31.600 Euro)

Skoda Octavia RS (245 PS ab 31.290 Euro)

Hyundai i30n (275 PS ab 29.700 Euro)

Seat Leon Cupra 5-Türer (300 PS ab 34.320 Euro)

Ford Focus RS (350 PS ab 40.675 Euro)

BMW 125i 5-Türer mit Automatik und Heckantrieb (224 PS ab 39.050 Euro)

BMW M40i 5-Türer manuell, Heck  (340 PS ab 45.950 Euro)

Mercedes A250 Limousine Modell 2018 7G-DCT (224 PS ab 36.461,60 Euro)

 

Fotos: picture-service.de