Nach zweijähriger Restaurierung zeigt der tschechische Autobauer ein Cabriolet vom Typ Škoda 860 im Škoda Museum in Mladá Boleslav. Der Oldtimer von 1932 verfügt über einen Achtzylinder-Reihenmotor mit 3,9 Liter Hubraum und einer Leistung 44 kW (60 PS). Die Höchstgeschwindigkeit des 5,5 Meter langen Fahrzeugs liegt bei 110 km/h.

Das Ausstellungsstück ist das einzige erhaltene Cabriolet der Baureihe und zeugt von den frühen Glanzzeiten des tschechischen Automobilherstellers.

PKW mit Achtzylinder-Reihenmotor waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts populär und wurden vor allem wegen der hohen Laufruhe geschätzt. Mit dem Škoda 860 knüpften die Konstrukteure in Mladá Boleslav technisch an den Laurin & Klement FF von 1907 an, das wahrscheinlich erste Automobil mit Achtzylinder-Reihenmotor in Mitteleuropa. Um die Schwingungen im Motor zu reduzieren, setzten die Ingenieure beim Škoda 860 auf eine neunfach gelagerte Kurbelwelle sowie einen Lanchester-Schwingungsdämpfer. Die Elastizität des Viertakt-Ottomotors mit 3.880 ccm Hubraum beeindruckt noch heute: Im dritten und höchsten Gang beschleunigt das fast 5,5 Meter lange Fahrzeug bereits ab Schrittgeschwindigkeit.

Sein Debüt feierte der Škoda 860 am 23. Oktober 1929 auf der Automobilmesse in Prag. Die Typbezeichnung gab Hinweise auf Zylinderanzahl und Motorleistung. Das Fahrwerk wog ohne Karosserie 1.460 Kilogramm, der komplette Wagen brachte rund zwei Tonnen auf die Waage. Bis Sommer 1931 entstanden insgesamt 49 Chassis, die letzten beiden erhielten ihre Karosserien im Frühling 1933. Trotz hochwertiger Ausstattung und überzeugender Motorleistung blieb der ganz große Erfolg des Škoda 860 aus. Grund war unter anderem die Weltwirtschaftskrise: Der Einstiegspreis der Limousine lag bei 125.000 Kronen, das Cabriolet startete bei 140.000 Kronen. Darüber hinaus bot Škoda damals das sogenannte Faux-Cabriolet an, also ein ,falsches Cabriolet‘. Der Wagen verfügte über ein festes Dach, dieses erweckte aber von außen den Anschein eines Faltdachs.

Fotos: Skoda