Kleinwagen. Opel. Corsa. Es gibt wohl nur wenige Europäer die beim Namen Corsa nicht an den Kleinwagen von Opel denken. Das ist wohl auch der Grund, warum sich die Marketing-Strategen von Opel entschieden haben, ihre neue Nomenklatur, die mit Adam und Karl begonnen hat, nicht auch beim neuen Corsa fortzusetzen. Bis ein neuer Produktname etabliert ist, vergeht viel Zeit und vor allem sind knackige Investitionen notwendig. So blieb man beim „Corsa“ und zog die Sicherheit dem Risiko vor. Verständlich. Denn runde 25 Prozent des Opel Absatzes fallen dem bekannten Kleinwagen zu, der seit 1982 angeboten wird. Andererseits hätte ein neuer Name in Verbindung mit einem mutigen Design auch das weitere „Umparken im Kopf“ erleichtern können und der Marke neue Kunden zuführen können. Es ist nicht einfach.

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Vorsichtige Design Evolution

Auch die 5. Generation des Corsa wird im Thüringischen Eisenach und im Spanischen Saragossa gebaut. Wobei hierzulande nur der 3-Türer produziert wird. Wenn ab 2015 der „Karl“ den preislichen Einstieg in das Mini-Segment bei Opel markiert und der Adam mir seinem hohen Individualisierungsgrad besonders junge Zielgruppen erreichen möchte, soll der Corsa auch weiterhin der vernunftbetonte Allrounder sein, den es auch als 5-Türer gibt. Das Durchschnittsalter der Corsa Käufer liegt bislang bei überraschend hohen 45 Jahren. Das Design des neuen Corsa scheint dem Rechnung zu tragen. Allzu große Design-Überraschungen wollte man augenscheinlich vermeiden. Auch der Corsa zeigt nun das bei Adam ja so erfolgreiche „Smile Gesicht“ und den vergrößerten, etwas tiefer platzierten Grill, der den Wagen breiter Wirken lässt und ihn näher an die Straße rückt. Am Heck haben die Designer anscheinend stärker auf Wiedererkennung geachtet. An den Seiten sollen geschwungene Sicken schon im Stand Dynamik ausdrücken.

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Smile Gesicht vom Adam übernommen

Der Innenraum des neuen Corsa erscheint hochwertig und elegant. Hier ist der Fortschritt deutlich zu erkennen. Weiche und harte Kunststoffteile wechseln sich ab. Das Armaturenbrett wurde horizontaler angelegt. Der Fahrer wird gleichsam umarmt. Die Sitze des neuen Corsa sind relativ hart ausgelegt. Opel sagt, das sei bewusst, so, weil man so insbesondere auf langen Strecken rückenfreundlicher unterwegs sei. Mein Testwagen ist mit den 17 Zoll Alus und Sportfahrwerk ausgestattet (Zwangskombination). In Verbindung mit den hart ausgelegten Sitzen wirkt der Wagen noch sportlicher. Wer sich dagegen für 16 Zöller entscheidet, kann auf das Sportfahrwerk verzichten, das macht den Corsa komfortabler. Zum Komfort trägt auch die neue Vorderradaufhängung bei, auf die die Opel Ingenieure besonders stolz sind. Der Corsa lässt sich präzise durch Kurven lenken. Das macht richtig Spaß. Seine manuelle 6-Gang-Schaltung macht es dem Fahrer leicht, stets im richtigen Gang unterwegs zu sein.

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Neue Fahrassistenten

Die 5. Generation des Rüsselsheimer Kleinwagens hat – meist optional – alles an Bord, was Stand der Technik ist. So Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Abbiegelicht und ein LED Tagfahrlicht. Eine Frontkamera, die Verkehrszeichen erkennt und anzeigt, einen Spurassistenten, eine Abstandsanzeige zu Vorausfahrenden, einen Frontkollisionswarner und auch einen Fernlichtassistenten. Angenehm ist auch der „City-Mod“, der das Lenken in der Innenstadt besonders leichtgängig werden lässt. Ein automatisch lenkender Parkassistent kann längs und quer zu Fahrbahn einparken. Und eine Rückfahrkamera zeigt, was beim Rückwärtsfahren hinter dem Corsa passiert. Wer möchte, kann sich mit dem beheizbaren Lenkrad warme Hände machen lassen. „Intellilink“ spiegelt Funktionen  (Apps) vom Smartphones auf den Bildschirm des Autos. So auch die Navigations-App „bringo“. Leider funktioniert das noch nicht mit allen Smartphones. Und die sichere Nutzung dieses gekoppelten Systems bedarf einiger Übung.

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Neues auch unter der Motorhaube

Aus 2 Diesel- und 5 Benzinmotoren können die Kunden wählen. Komplett neu entwickelt wurde der 1,0 Liter 3-Zylinder Benziner, der für einen 3-Zylinder besonders laufruhig ist. Erreicht wurde dieser Effekt durch eine Ausgleichswelle. Diese  kleine Turbo Maschine leistet 66 kW (90 PS) und soll nur 4,3 Liter (das entspricht 100 Gramm CO2 pro km) auf 100 Kilometern verbrauchen. Wer sportlich unterwegs sein möchte, sollte den 1,4 Liter Turbo wählen, der 100 PS (74 kW) leistet, richtig spontan am Gas hängt (200 Nm) und vom Start weg kraftvoll los zieht. Die beiden Diesel leisten 55 und 70 kW. Mit ihrem Norm-Verbrauch von nur 3,2 Liter werden sie vor allem für Langstreckenfahrer interessant sein.

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Ab 11.980 Euro kostet der neue Corsa. Er kann ab sofort bestellt werden. Bei den Händlern ist er ab Januar zu besichtigen. Die ersten Kundefahrzeuge sollen schon im Dezember ausgeliefert werden. Unter 15.000 Euro werden die meisten Corsa kaum vom Hof des Opel Händlers rollen. Zu Reizvoll ist die Zutatenliste. Der 1,0 Liter Turbo Motor verursacht nur eine geringe jährliche Kfz Steuer von 30 Euro. In der Haft, Teil und Vollkaskoversicherung wird der neue Corsa in Klasse 16 eingestuft.

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Mein Fazit

Optisch vorsichtig weiterentwickelt und mit den technischen Zutaten der modernen Automobil-Technik versehen, wird der neue Corsa kaum einen Kunden verschrecken. Das „Umparken im Kopf“ und damit der Imagewandel von Opel hätte dagegen ein mutigeres Design-Konzept wohl stärker gefördert.

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