Der neue Audi A8 möchte automobilen Luxus neu definieren. Womit? Mit einem futuristischen Bedien-Konzept. Mit vollautomatischem Smartphone-Parken. Mit künstlicher Intelligenz. Und mit einem mit Mild-Hybrid-Antrieb der durch seine Segelfunktion bis zu 0,7 Liter auf 100 Kilometer sparen kann. Der Liegesitz hinten rechts, natürlich mit umfangreichen Massage-Funktionen  selbst für die Füße.Wir sind den A8, der weiterhin auch mit einem 12-Zylinder-Motor angeboten wird, schon gefahren und waren sehr gespannt, was der neue A8 mit dem Baucode D5 wirklich kann. Und wie gut ist er im Vergleich zur inzwischen modernisierten Mercedes S-Klasse oder dem aktuellen 7er BMW? Welche innovativen Technik-Features setzen die Messlatte? Klar ist, dass im Bereich der Premium-Dickschiffe ein Wettrüsten stattfindet. Jeder will am Ball bleiben, den anderen übertrumpfen und mit neuen Technologien als erster auf dem Markt sein. Denn die Strahlkraft der Flaggschiffe ist riesig. Auch wenn sie für die meisten Auto-Enthusiasten für immer ein Traum bleiben werden, hat die Vergangenheit gezeigt, dass die neuen Konzepte bald auch in bezahlbaren Modellen ankommen.Auch im absoluten Luxus-Segment ist das Design der Kaufgrund Nummer eins. So war für Audi Chefdesigner Marc Lichte der neue A8 eine Herausforderung. Denn ein Flaggschiff muss auch optisch Prestige und modernste Technik verkörpern. Der Look des A8 mit dem Single-Frame Kühlergrill, der nun wesentlich flacher und breiter wurde, ist gelungen, aber keine Revolution.  Revolutionen sind in dieser Fahrzeugklasse kaum gefragt. Modernste Technik schon. So spenden die optionalen HD-Matrix-Scheinwerfer mit ihrem Laserlicht kühle Technokratie. Die Silhouette der Business-Limousine wirkt mit ihrem lang gestreckten und eleganten Körper (Radstand fast drei Meter) erhaben. Die beinahe coupehafte Erscheinung drückt in Kombination mit der nach unten verlagerten Schulterlinie den optischen Schwerpunkt Richtung Straße. Das schafft Freiraum für die Definition von Blech gewordenen Muskeln. Die horizontalen Linien am Heck werden unterstützt durch die schmalen OLED-Leuchten mit ihren 135 Leuchtdioden. Das verbindende Lichtband lässt den A8 optisch breiter wirken. Die zwei dicken Auspuffblenden fügen die Audi-Designer ausgesprochen elegant ins Gesamtbild. Das Ingolstädter Lichtspiel-Fest hinterlässt so auch bei Nacht einen tollen Eindruck mit hohem Wiedererkennungswert. Und es beweist, dass nachts doch nicht alle Katzen grau sind. Bei wem schon das Außendesign das Herz höher schlagen lässt, der sollte den Innenraum aus Angst vor Rhythmus-Störungen nicht betreten. Steigt man in den 5,17 Meter langen A8 (3,7 Zentimeter länger als Vorgänger und als L 5.30 Meter lang) ein, kommt einem sein vielstufiges Luftfahrwerk etwas entgegen. Das lässt Fahrer und Beifahrer beim Aussteigen immer gut aussehen. Der Neue schafft es edlen Luxus mit modernster Technik in Einklang zu bringen. Die durchdachte Architektur spendet Übersichtlichkeit. Die Bedienung findet auf zwei Ebenen statt. Die erste ist der 10,1 Zoll große Touch-Monitor des Infotainment-Systems. Unter ihm rangiert nahtlos ein 8,6 Zoll großes touch-responsible Feld zur Steuerung von Klimaautomatik, Drive-Select und Sitzheizung. Hier kann nahezu komplett auf klassische Schalter und Tasten verzichtet werden. Zudem interagieren das ultra-scharfe 12,3-Zoll-Virtual-Cockpit und das große Head-up Display. Bleibt abzuwarten, wie schwer sich die 60+ Käuferschicht mit diesem innovativen Bedienung tun wird. Sie werden sich wohl mehr an den federweichen Leder-Kopfstützen und die edelsten Materialen erfreuen. Das technische Highlight des Autos ist die Nutzbarkeit der MMI Touch-Bedienung. Sie ist für die Verwendung im Audi optimiert und gibt ein akustisches und haptisches Feedback, das die Illusion von echten Knöpfen vermittelt. Die elektrisch öffnenden Blenden der Belüftung und deren Touch-Bedienung sind ein cooles Gimmick. Außerdem können Wünsche nun individuell formuliert werden: „Mir ist kalt – suche Fischrestaurant in Valencia“ – der Audi kommuniziert mit mir und sein System lernt dabei.

Der Audi A8 ist wohl stärker mit der Umwelt vernetzt, als jedes andere Auto. Schwarm-Intelligenz wird über die Live-Daten anderer Audis genutzt. Naht ein Ziel so werden verschiedenen Parkmöglichkeiten aufgezählt. Mit dem Audi-Connect Schlüssel lässt sich das Auto auch via Handy öffnen und starten.

Zum Marktstart ist der A8 mit zwei 6-Zylindern und einem 8-Zylinder Motor bestellbar. Das ist zum einen ein 286 PS Diesel der neuerdings auf den Namen A8 50 TDI hört. Er bringt satte 600 Newtonmeter auf die Straße und drückt uns in 5,9 Sekunden auf Tempo 100. Darüber rangiert der 55 Benziner. Er leistet 340 PS und bringt 500 Newtonmeter. Später im Jahr rücken dann noch zwei V8 Motoren ins Programm. Das werden ein 4.0 TDI mit 435 PS und ein 4.0 TFSI mit 460 PS sein. 2018 soll dann die High-End-W12-Spitzenvariante mit 6.0 Litern Hubraum und 585 PS für hochrangige Staatsdiener und Superreiche folgen. Auch einen S8 und einen A8 L(ang) wird es wieder geben. Ein Hybrid-Antrieb mit 3.0 Liter Benziner, und einer  Systemleistung von 449 PS, 50 Kilometer rein-elektrische Reichweite und induktiver (kabelloser) Lademöglichkeit ist geplant. Alle Motoren werden bei 250 km/h elektrisch abgeriegelt. Sie besitzen ein Mild-Hybrid-System, das segeln erlaubt und eine 8-Gang Steptronic (Wandler-Automatik). Ein Doppelkupplungs-Getriebe hat Audi im A8 nicht im Angebot.

Der A8 erreicht mit einem Wendekreis von 11,4 Metern einen genauso geringen Radius wie der A3. Die Dynamik Allrad-Lenkung macht’s (optional) möglich. Denn ihre elektro-mechanische Hinterachse lässt bis zu 5 Grad entgegengesetzte Stellwinkel zu. Ab 60 km/h richtet sie das hintere Geläuf auf bis zu zwei Grad gleichsinnig. Jedes Rad hat beim „AI Aktiv-Fahrwerk“ einen eigenen Motor der es je nach Anforderung belasten und entlasten kann, um luftbettartige oder sportliche Fahrgefühle erzeugen zu können. Das führt zu einer enormen Agilität, Wendigkeit und Stabilität. Bereits das serienmäßige Luftfahrwerk arbeitet ohne Fehl und Tadel. Mit dem optionalen Aktiv-Fahrwerk und dem 48 Volt Board-Netz wird die Wank-Stabilisierung betrieben. Dank ihr neigt sich der A8 in schnellen Kurven nicht mehr nach außen und knickt beim Bremsen nicht ein.Was es noch gibt? Eine Kamera scannt den Straßenbelag, erkennt Bodenwelle rechtzeitig und belastet just in time das entsprechende Rad. Doch was ist die Audi AI? Sie bildet das Gehirn des neuen Audi A8. Die AI-Chiffre sorgt James-Bond-like für die neue Intelligenz des Autos. Laser, Frontkamera, und Radar arbeiten eng zusammen. So bereiten die Systeme vollautonomes Fahren (Level 3) vor. Im Stau funktioniert das dank adaptivem Tempomat, Spur-Assistent und Staupilot dann voll-autonom bis 60 km/h (verfügbar ab 2019). Dann ist auch der Garagenpilot bestellbar. Dank ihm lässt sich der Audi fahrerlos via Smartphone in enge Garagen steuern. Aktuell fährt der A8 allerdings kaum autonomer als in VW Tiguan.Das HD-Matrix-LED-Fernlicht sorgt für enorme Sicherheit. Denn es hat eine höhere Reichweite im Vergleich zu früher. Der Laser Spot Schalter sich ab einer Geschwindigkeit von 70 km/h ein und verdoppelt so die Leuchtweite. Die permanent arbeitende 360 Grad Kamera dient nicht nur dem Felgenschutz, sie ist auch wichtig für den Ausstiegs-Assistenten. Zwei Radarsensoren lassen rote Warnleuchte in der Türe blinken, wenn sich Fußgänger oder Radfahrer nähern. Droht ein Seitencrash, wird das Fahrwerk um bis zu 80 Millimeter angehoben und somit der Aufprall optimal abgefedert. Zusammen mit dem Querverkehr-Warner und City-Notbremsassistenten erwirbt man das Rundum-Sorglos-Paket. Auf Wunsch stehen unglaubliche 41 Fahrassistenten zur Verfügung.

Fazit:

Selbstredend ist der A8 ein gelungenes Auto, dass Technik-Freaks feuchte Träume bereitet. Der große Audi weiß mit tollem Fahrwerk, luxuriösen Materialen, edler Verarbeitung und effizienten Motoren zu überzeugen. Was will man an diesem Meisterstücke Ingolstädter Ingenieurkunst kritisieren? Vielleicht, dass wichtige Technologien nicht gleich zum Marktstart verfügbar sind (manche erst 2019). Und auch der Preis des neuen A8 kann kritisiert werden. Mit einem Startpreis von 90.600 Euro ist der A8 wohl nur etwas für die Besserverdiener unter den Chefs. In der langen Version werden mindestens 94.100 Euro fällig. Mit 8-Zylindern und den gern genommenen Ausstattungsoptionen kann der Audi leicht einen Listenpreis von 140.000 Euro erreichen. Damit ist der A8 in der Basis die aktuell teuerste Luxuslimousine – S-Klasse und 7er starten bei 88.447 bzw. 87.400 Euro. Die reichen Chinesen wird das kaum stören. China ist der größte Markt für die Flaggschiffe. Wir sind gespannt, wohin das Aufrüsten der Premium-Hersteller als nächstes führen wird.

Technische Daten:
Audi A8
Oberklasse
Basispreis: ab 90.600 Euro
Motorleistung: 210 bis 368 kW
Abmessungen: 5.135-5.265 mm L x 1.945-1.949 mm B x 1.460-1.473 mm H
Getriebe: 8-Gang Automatikgetriebe
Fahrzeuggewicht: 1.995 bis 2.150 kg
Fotos: Kai Bernstein – Herzlichen Dank!