Was für ein Auftritt! Obwohl der BMW i8 nun schon geraume Zeit auf dem Markt ist, sorgt diese spacige Flunder für enormes Aufsehen. Selbst Porsche Fahrer machen Verrenkungen, um einen Blick auf diesen ungewöhnlichen BMW werfen zu können. An der Ampel wartende Autofahrer knipsen hektisch Handy-Fotos obwohl längst grün ist. Immer wieder staunende Blicke. Menschen drehen sich nach dem i8 um und recken den Daumen ungeniert und scheinbar neidfrei nach oben.

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Auch wenn man als Autotester immer mal wieder das Glück hat, tolle Autos zu fahren, die Reaktionen auf den i8 sind außergewöhnlich und übertreffen die auf einen Ferrari. Und das soll was heißen. So sexy war wohl noch kein BMW. Doch was macht diesen hybriden Sportwagen neben seiner aufregenden Optik so besonders? Ein Plug-in-Hybrid ist ja nicht wirklich etwas Neues. Der i8 verbraucht weniger Sprit als ein normaler Sportwagen. Das macht ihn ökologischer und damit wohl auch sympathisch.

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Sexy Design

Aber nun wollen Sie vermutlich wissen, wie sich dieser stylische Sportwagen fährt? Richtig gut! Die kurvenreiche Schwarzwaldhochstraße von Titisee über den Feldberg bis Triberg war an einem wundervollen Sonnentag im Herbst die perfekte Kulisse für meine Testfahrt. Und zum Glück diente der dichte Nebel im Tal nur als perfekter Hintergrund den Mutter Natur kostenlos zur Verfügung stellte.

Ich war überrascht, mit welcher Kraft man von den zwei relativ kleinen Motoren beim „kick-down“ in die Sitze gedrückt wird. Neben dem 1,5-Liter-Turbo-Benziner mit 231 PS arbeitet noch der 131 PS starke E-Motor. Macht zusammen ordentliche 362 Pferdestärken. Der Elektromotor treibt die Vorderachse an, der Benziner die Hinterräder. Diese Kraft der zwei Herzen katapultiert den Wagen über das automatische Getriebe in 4,4 Sekunden von null auf Tempo 100. Bei 250 km/h wird abgeregelt. Das sind veritable Sportwagenwerte.

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Der Verbrauch des i8 liest sich dagegen nicht wie der eines Sportwagens. So gibt BMW den CO2-Ausstoß mit 49 Gramm je Kilometer an. Den kombinierten Norm-Verbrauch mit 2,1 Liter auf 100 Kilometer. Aus der Kombination beider Aggregate soll eine Reichweite von 600 Kilometern resultieren. Auf meinen Testfahrten habe ich jedoch keine 500 Kilometer geschafft. Und was ist, wenn Akkus und Tank leer sind? Wer einen 3,7 kW Anschluss zur Verfügung hat, kann den i8 in 2,5 Stunden zu 80 Prozent laden. Wer diese Zeit nicht hat, fährt ganz traditionell an die Tankstelle.

Klingt wie ein 8-Zylinder mit Turbinenschub

Das Zusammenspiel von E-Motor und Verbrenner lässt sich übrigens einstellen. Im „e-drive-Modus“ ist der i8 ein reines Elektroauto. Die Höchstgeschwindigkeit liegt dann bei 120 Stundenkilometern pro Stunde. Die maximale Reichweite bei circa 35 Kilometern. Im „Comfort-Modus“ ergänzen sich Benziner und Batterie im Sinne eines optimierten Verbrauchs. In der „Sportfunktion“ ist der Verbrenner im Dauereinsatz. Der Elektromotor liefert dann, fast wie in der Formel 1, Energie für die kurze, intensive Beschleunigung. Gleichzeitig werden die Akkus über einen Generator am Benziner mit „Saft“ versorgt. Das geht jedoch auf Kosten des Verbrauchs.

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Weil der i8 die schweren Akkus mitschleppen muss, wollten die Entwickler dieses Gewicht an anderer Stelle einsparen. So wird die Fahrgastzelle des i8 aus leichtem Karbon gefertigt. Die Karosserie besteht aus Kunststoff und das Fahrgestell aus Aluminium. Alle besonders leichte Materialien. Am Ende kommen „nur“ 1.485 Kilo zusammen. Damit wiegt dieser Zweisitzer mit den beiden Notsitzen etwa genau so viel wie ein Porsche 911 in der GT3 Variante. Und weil der i8 eben kein Schwergewicht ist, vermitteln die 361 PS jede Menge Fahrspaß. Einziges Manko: In schnell gefahrenen engen Kurven neigt der flache Münchner dazu über die Vorderräder nach außen zu drängen. Daran musste ich mich gewöhnen.

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In der ersten Beschleunigungsphase erinnert ein leichtes Pfeifen an eine Flugzeugturbine. Das wird jedoch schnell abgelöst vom – selbstredend – künstlich generierten 8-Zylindergrollen. Trotz der Akustikeingriffe klingt das einfach gut und man vergisst schnell, dass der i8 von einem 3-Zylinder befeuert wird. Die Bremsen greifen, ganz Sportwagen, kraftvoll zu. Auch wenn es mal enger werden sollte, da bleibt ein gutes Gefühl.

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Mühsamer Ein- und Ausstieg

Beim Alter, das die meisten der i8 Fahrer wohl haben werden, kommen mir Zweifel, ob diese problemlos ins Auto kommen und ob sie auch wieder raus kommen. Ich jedenfalls stand bei nach oben geöffneter Fahrertür vor dem i8 und fragte mich, „wie komme ich da rein“. Nach einer kurzen Kreativphase habe ich mich mit dem Rücken zum Auto gedreht, mich gebückt, den Kopf unter der Flügeltür eingezogen und bin anschließend mit angewinkelten Knien über den fetten Schweller rückwärts ins Auto gerutscht. Zum Glück fängt der Sitz den Fahrer dort weich ab. Elegant sieht das allerdings nicht aus. Und zum perfekt gestylten Auto wollen diese Verrenkungen nicht passen.

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Mein Fazit: Wer einen verbrauchsgünstigen und ökologisch verträglichen Sportwagen sucht, und mindestens 126.000 Euro übrig hat, kommt am BMW i8 kaum vorbei. Dieser Preis ist im Vergleich mit anderen Sportwagen deutscher Herkunft angemessen. Und der i8 ist zudem ein wundervoll gezeichneter Traumwagen mit modernster Technologie.

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