Die Tage werden kürzer, die Sicht schlechter und die Straßen sind oft nass. Dann beginnt auch die Hochzeit der Unfälle, die passieren, weil Autofahrer nicht ausreichend gut sehen. Mit neuen, innovativen Lichtsystemen, wie dem „IQ.Light“, möchte Volkswagen die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer erhöhen. Forscher und Entwickler beschäftigen sich in Wolfsburg längst mit dem Licht der Zukunft. Intelligente Lichtsysteme – besser gesagt lichtbasierte Assistenzsysteme – können Verkehrsteilnehmer nämlich besser schützen.

Acht Jahrzehnte liegen zwischen den Halogen-Scheinwerfern des Käfers und dem IQ.Light des Touareg. Im aktuellen Touareg (3. Generation) hat der Wolfsburger Autobauer bereits eines der weltweit besten Scheinwerfersysteme eingebaut, erklärt Volkswagen selbstbewusst. Die Leuchtkraft von 256 Leuchtdioden in den beiden Scheinwerfer sollen die Nacht auf der Straße taghell und damit sicherer machen. Über die LEDs des Abblend- und Fernlichts werden intelligente Lichtfunktionen gesteuert. Stellt der Fahrer „Dauer-Fernlicht“ ein, so erledigt der Rechner den Rest des Lichtgeschäfts. Der Computer sorgt dafür, dass die Licht-Bereiche, die den entgegenkommendem Verkehr erfassen würden, ausgeblendet werden. Personen und Tiere bleiben dagegen sichtbar.Das System fokussiert sich bei Autobahnfahrten auf eine höhere Reichweite und reduziert die Eigen- und Fremdblendung bei nasser Fahrbahn und schlechter Sicht. Um störende Reflexionen zu verhindern, blendet das System sogar einzelne Verkehrsschilder aus. Noch ist das neue „IQ-Licht“ mit seinen LED-Matrix-Scheinwerfern im Touareg allerdings nur gegen Mehrpreis zu haben.

Volkswagen Licht-Kompetenzzentrum, LichttunnelAutofahrer können sich in Zukunft auf weitere Innovationen im Bereich der Lichttechnik einstellen. Daran arbeitet Volkswagen in seinem eigenen Licht-Kompetenzzentrum. Inmitten des Werks in Wolfsburg (im inneren Sicherheitsring) hat der Autobauer einen Lichttunnel von 100 Metern Länge, 15 Metern Breite und fünf Metern Höhe gebaut. Hier werden auf einer Nachbildung realer Straßen die Lichtsysteme von morgen getestet. Der Tunnel soll den Testern eine Vielzahl an Nachtfahrten auf öffentlichen Straßen ersparen.

Neben dem Tunnel sind ein Licht-Demonstrator und ein Versuchsträger zur Licht-Inszenierung sowie Exterieur-HMI (Human Machine Interface) im Licht-Kompetenzzentrum untergebracht.

Human Machine Interface? Damit ist eine „Mensch-Maschine-Schnittstelle“ gemeint. Was wird sein, wenn Autos autonom fahren? Ein Thema, mit sich dem die VW-Ingenieure beschäftigen. Der Blickkontakt von Autofahrer zu Fußgänger fällt weg. Große LCD-Bildschirme an der Front und an der Seite des Forschungsfahrzeugs – ein Tiguan – sollen für Ersatz sorgen. Piktogramme  sollen Fußgängern beispielsweise signalisieren, dass sie jetzt die Straße überqueren können.

Der Lichtdemonstrator in Form eines ID-Modells ist Versuchs- und Anschauungsplatz für das 15-köpfige Design-Teams von Volkswagen. Noch einen weiten Weg bis zum Serieneinsatz haben die Fähigkeiten des „ID. Crozz“ vor sich, der von Kopf bis Fuß auf Licht-Kommunikation eingestellt ist. Das Elektroauto zeigt vom beleuchteten VW-Logo ausgehend eine beeindruckende Lichtshow, wenn sich der Fahrer nähert. Es öffnet die Scheinwerfer, als wären sie Augen, verfolgt damit den Weg des Piloten und leuchtet rundum auf. Neben die Fahrertür wird ein Einstiegs-Licht-Teppich projiziert. Fährt das E-Mobil los, zeigen das Lichtpfeile auf der Fahrbahn an. Wenn der Fahrer aussteigen will, wird der für die Türöffnung benötigte Raum auf dem Boden aus Licht nachgebildet. Gleichzeitig warnt eine rote Licht-Jalousie in der Heckscheibe, als dritte Bremsleuchte, und an der Fahrertür etwa vor Fahrradfahrern im toten Winkel.

Die Lichtingenieure von Volkswagen arbeiten an weiteren interessanten Technologien. So setzt der Wolfsburger Automobilbauer in einem Touareg als Versuchsträger HD-LCD-Scheinwerfer ein. Sie ermöglichen eine Auflösung von bis zu 30 000 Pixeln pro Scheinwerfer. Zum Vergleich: der aktuelle Scheinwerfer verfügt über rund 80 Pixel. Die HD-LCD-Scheinwerfer optimieren die klassischen Lichtfunktionen, realisieren aber auch Fahrhilfen wie einen optischen Spurassistenten.

Beeindruckend sind auch die Mikropixel-LED-Scheinwerfer. Hier sollen drei kleine LED-Chips mit je einer Größe von 4 x 4 Millimetern für leistungsstarkes Licht mit einer technisch denkbaren Auflösung von bis zu 30.000 Pixeln sorgen. Interaktive Lichtprojektionen auf die Straße, der Fahrsituation angepasste Lichtsteuerung und ein hohes Maß an Individualisierungsoptionen sollen mit dieser Variante umgesetzt werden können.

Eine andere Technologie soll dem Laserlicht sehr nah kommen. Was VW-intern als „High Performance LED“ bezeichnet, sind deutlich stärkere Lichter als die bisher handelsüblich. Sie sorgen für ein Plus an Ausleuchtungsbreite und Reichweite, so die VW-Ingenieure. Die High Performance LED Scheinwerfer sollen eine günstigere, aber ähnlich leistungsfähige Lichtquelle wie das Laserlicht sein. Schließlich müsse Sicherheit bezahlbar sein, sonst entscheiden sich die Auto-Käufer nicht für die Sicherheitsfeatures.

Fotos: Volkswagen