Erste Ausfahrt Lissabon.  Der Marco Polo von Mercedes wartet vollgetankt vor dem Flughafengebäude. Zwei Tage lang wollen wir uns entlang der portugiesischen Atlantikküste ein Bild davon machen, wie sich das neue kompakte Reisemobil schlägt. Da stehen sie in Reih und Glied und in verschiedenen Farben. Ich entscheide mich für einen Schwarzen mit dem 190 PS (140 kW) leistenden C 250 in Kombination mit dem Doppelkupplungsgetriebe.

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Die beige Lederausstattung ist ein schöner Kontrast zum edel-schwarzen Blechkleid. Der Innenraum des Marco Polo wirkt so noch heller und freundlicher. Das moderne und klar gezeichnete pkw-hafte Armaturenbrett ist auch bei meiner dritten Begegnung mit der neuen V-Klasse noch immer ein Hingucker im besten Sinn.

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Diese  hochwertige Qualitätsanmutung  ist aus meiner Sicht bisher unerreicht und erleichtert den Übergang von einem PKW zu der V-Klasse erheblich. Gleiches gilt für das Möbeldesign im Marco Polo. Hier mag man sich gern aufhalten.

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Durch die vielfältigen Einstellmöglichkeiten ist die perfekte Sitzposition schnell gefunden. Die Drehsitze bieten einen hohen  Sitzkomfort. Leider offeriert Mercedes für sie keine Sitzbelüftung. Gerade auf langen Urlaubsfahrten könnte eine Sitzkühlung den berühmten nassen Rücken vermeiden. So muss es weiter das gute alte Handtuch zwischen mir und der Lederhaut der Sitze  richten. Schnell noch das Navi einstellen. Alles geht auf Anhieb und ohne nachzulesen.

Wunderbar intuitiv nennt man das wohl. Schon auf den ersten Metern durch Lissabon wird deutlich, wie gut der Marco Polo gebaut ist. Keine Knarzgeräusche trüben das Bild. Lediglich die Tassen im Schrank scheinen mit meiner dynamischen Fahrweise nicht einverstanden zu sein. Dieser Marco Polo liegt trotz seines Gewichts wie ein Kombi oder ein SUV auf der Straße. Die Wankneigung hält sich in engen Grenzen. Und mit dem leistungsstarken Motor ist der nötige Vortrieb nie ein Thema. So macht Wohnmobil fahren Freude.

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Mein Testwagen ist mit Vielem ausgestattet, was die Reise und das Leben in einem kompakten Reisemobil angenehmer macht. Das Aufstelldach fährt auf Knopfdruck nach oben (gegen Mehrpreise) und auch die relativ schwere Heckklappe schwingt von Elektromotoren getrieben behände nach hoch. Beide Optionen möchte ich geneigten Käufern ans Herz legen. Ob dagegen die elektrische Seitentür ein Muss ist, sollte jeder für sich entscheiden.

Der neue Marco Polo Fahrvorstellung/The New Marco Polo driving

Zugänglichkeit und Nutzbarkeit der Möbel im Marco Polo sind durchdacht. Allein den tief unten im Schrank sitzenden, nur durch ein Loch in der Seitenwind erreichbare, Schmutzwasserablasshahn, scheint an dieser Stellen, wo gern Töpfe und Tassen untergebracht werden, nicht ideal. Wo ich schon am Kritteln bin. Die in den Fußraum ragende untere Mittelkonsole macht den Weg vom Fahrersitz in Richtung Wohnraum beschwerlich.

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Denn die Beine müssen rund 30 Zentimeter angehoben werden, während sich der Körper zu Fahrzeugmitte hin dreht. Das ist wohl der Großserie geschuldet. Die Sitzmöbel für draußen sind in einem Stoff Hängeschrank im Heck gut untergebracht. Die gesamte Verstauvorrichtung lässt sich komplett heraus nehmen, wenn die Stühle auf einer Fahrt mal nicht benötigt werden.

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Es wird Abend an der Algarve. Und ich bin gespannt auf die Nacht im Marco Polo. Die Unterkonstruktion des Betts sieht aus wie ein moderner „Lattenrost“ – also ohne Latten. Einzelne schwingende Plattenträger unterstützen die Mehr-Zonen-Matratze. Darunter trennt nur eine Stoffschicht das Bett vom Wohnraum. Das ist gut, denn so kann die Luft viel besser zirkulieren und die Feuchte der Nacht vertreiben.

Der neue Marco Polo Fahrvorstellung/The New Marco Polo driving

Das Bett ist wunderbar bequem, kaum ein Unterschied zum – mit Bedacht ausgewählten – Bett zuhause.  Das Bettzeug ist aufgeschüttelt. Nun kann die Nacht kommen, an diesem traumhaften Standplatz ganz nah am Atlantik. Ein vorzügliche Glas Rotwein unterstützt das Hinübergleiten in die Welt der Träume.

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Gut erholt wache ich am nächsten Morgen auf. Blauer Himmel.  Der unverwechselbare Geruch der Pinienwälder. Schon am Morgen knappe 20 Grad. Der nächste Tag mit dem Marco Polo beginnt nach einem gesunden Frühstück.

 

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Mein Fazit

Der neue Marco Polo ist das edelste und schickste Kompakt-Reisemobil, das ich kenne. Mit ihm auf Reisen zu gehen, macht einfach Spaß. Seine Außenmaße sind kaum größer, als die eines großen Kombis. Damit ist er auch in den engen Gassen verträumter Altstädte behände unterwegs. Selbstredend erfordert mobiles Leben auf so engem Raum Einschränkungen. Andererseits kann dieser Marco Polo auch als Alltagswagen für die ganze Familie das ganze Jahr über genutzt werden. Vor diesem Hintergrund relativiert sich sein Preis. Ab 54.835 Euro ist man mit dem kW 200 (134 PS) in der Basisausstattung dabei. Mein Testwagen mit dem C 250 Antrieb kostet mit der genannten Ausstattung runde 80.000 Euro. Das klingt nicht nach wenig. Wer diese Preise aber mit dem Marktführer vergleicht, erkennt, dass der Mercedes nicht teurer ist.