Es ist mein erster Besuch beim 24 Stunden Rennen auf dem Nürburgring. Eigentlich verwunderlich, zieht mich die Grüne Hölle doch seit jeher in ihren Bann. Wie groß das Event hier ist, zeigt sich alleine an den harten Fakten: 160 teilnehmende Autos, etwa 575 Fahrer und schätzungsweise 240.000 Fans. Dabei war das diesjährige Rennen eines der gefährlichsten, spannendsten und wohl das engste Rennen überhaupt.
Das 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife hat Kult-Charakter – keine Frage. Wer hat die folgenden Namen noch nicht gehört? Fuchsröhre, Karussell, Schwalbenschwanz, Hohe 8, Schumacher S, Bergwerk oder Brünnchen. Alle samt weltweit bekannte Streckenabschnitte auf der 20,8 Kilometer langen Nordschleife. Die Strecke wurde 1927 eröffnet und wurde von Jackie Steward nicht nicht ohne Grund als „Grüne Hölle“ bezeichnet. Unzählige Unfälle, Verletzungen und tragische Todesfälle spielten sich hier seither ab.
Diese extrem anspruchsvolle und gefährliche Strecke passt im Grunde so gar nicht in die von der Natur verwöhnte Landschaft der Eifel rund um die Nürburg. Vielleicht macht gerade dieser Widerspruch den ganz speziellen Reiz. Jedenfalls lockte die Strecke in Verbindung mit dem 24-Stunden-Rennen in diesem Jahr wieder unzählige Camper an die Strecke. Die meisten von ihnen Rennsport-Verrückte, die Hagel, Regenergüssen und matschigen Campingplätzen gerne trotzen. Sie bringen oft einen ganzen Hausstand, ausrangierte Sofas, lustige Accessoires, Grillfleisch und natürlich eine Menge Bier mit an den Ring und bleiben eine komplette Woche. Schon die Trainingstage sind für sie ein Event. Das Erlebnis 24-Stunden auf der Nordschleife.
Es begann Samstag Nachmittag um 15.30. Fahrer und ihre heissen Kisten traten in 30 Klassen zu diesem Motorsport-Event des Jahres an. Dabei setzen sich die 25,378 Kilometer des Kurses aus Nordschleife und Grand Prix Kurs zusammen. Der Kurs ist damit der längste weltweit. Schon etwa 45 Minuten nach Rennbeginn begann es stark zu regnen, als dann auch noch Hagel dazu kam, rutschten mehrere Autos ineinander oder von der Strecke, nicht wenige Rennwagen konnten auf glatten Reifen nicht weiter Fahren. Folglich wurde das Rennen etwa drei Stunden bis 19:20 Uhr unterbrochen. Zeit, die benötigt wurde, die gestrandeten Boliden zu bergen und wieder fahrtauglich zu machen.
Mit BMW, Porsche, Mercedes und Audi trafen vier deutsche Hersteller mit ihren GT3 Rennmaschinen aufeinander. Das waren der letztjährige Sieger, der Audi R8 LMS, Rekordsieger BMW mit dem neu konzeptionierten M6 GT3, Mercedes mit den AMG GT3 und Porsche mit den 911 GT3 R. Neben den deutschen Herstellern sind auch Aston Martin, Bentley, Lamborghini, Nissan und Toyota vertreten.
Gefahren werden die Rennwagen von Profi-Fahrern und privaten Fahrern gleichermaßen. Meist sind vier Fahrer für ein Auto vorgesehen und wechseln sich beim Fahren ab. Jeder ambitionierte Rennfahrer möchte dieses Rennen einmal in seinem Leben gewinnen. Doch für BMW war es in diesem Jahr kein erfreuliches Renn-Wochenende. So schied der erste BMW M6 GT3 vom Team Schubert auf vielversprechender Position liegend durch einen Motorenplatzer aus. Etwa gegen 9:25 h wurde der auf Platz 3 platzierte BMW in einen Unfall am Ausgang der Boxengasse verwickelt und schied aus. Schade für BMW, die sich hier mit großem finanziellen Aufwand engagierten und unzählige Fans anlockten.
Auch die beiden Porsche Werk-Teams in ihrem 911 GT3 R ausschieden vorzeitig aus. So war der Weg für Mercedes AMG geebnet. Man konnte sich eigentlich nur noch selbst schlagen. Und vielleicht war es gerade deshalb das engste Rennen aller Zeiten. Mit 5,697 Sekunden Vorsprung gewann das Team Marco Engel, Bernd Schneider, Adam Christodoulou und Manuel Metzger vor dem Team um die Piloten Hohenadel, Seefried, Vietoris und van der Zandemit der Startnummer 29. Dabei gab es in der letzten Runde einen spektakulären und nicht ganz unumstrittenen Führungswechsel. Die Plätze  3 und 4 gingen ebenfalls an Teams im Mercedes AMG GT3.
Fazit: 2016 war ein verrücktes 24-Stunden-Rennen in der Eifel. Nach 134 Runden und 3.400 Kilometern ging es zu Ende. Leider führte das Wetter mit Hagel, Regen, Gewitter und Sonne oft die Regie. Und Mercedes-AMG sicherte sich nach den Ausfällen der Konkurrenz einen souveränen 4-Fach Erfolg. Letztlich war der BMW M6 GT3 von Rowe Racing auf Platz 5 der beste Nicht-Mercedes. Der-Autotester.de wird mit seinem Team im nächsten Jahr definitiv wieder zum 24-Stunden-Spektakel an der Nürburgring kommen. Denn die motorsport-verrückten Zuschauer, der Wettbewerb der Autohersteller und die weltweit einmalige Strecke machen das Rennen für uns zum Motorsportevent des Jahres!