Diesmal teste ich das mobile Statussymbol für Menschen, die kein Statussymbol brauchen.  Den Dacia Lodgy. Als er vor mir steht, denke ich spontan an Mehmet Scholl, wie er die vielen Kinder vom Sport abholt. Und einmal mehr erkenne ich: Werbung funktioniert. Ein erster Blick ins Gepäckabteil. Dort macht sich eine zusätzliche Sitzbank (590 Euro) breit, deshalb lässt sich hier nur der kleine Einkauf unterbringen. Und kleine Sachen können dann quer durch den hinteren Wagen kullern. Nach meinem ersten Einkauf vermisse ich prompt die Kekse. Tatsächlich finde ich sie einen Tag später deutlich weiter vorn im Auto wieder. Aber zurück zum ersten Eindruck. Die große Heckklappe des Lodgy lässt sich überraschend leicht schließen. Ganz schön lang ist die der geräumige Rumäne. Knappe 4,50 Meter. Sein Türgriff passt ergonomisch nicht so recht zu dem, was meine Hand von einem Griff erwartet. Aber ich überwinde diese kleine Hürde und nehme auf dem Fahrersitz Platz. Schiebe den Sitz so weit wie möglich nach hinten. Aber selbst jetzt kann ich meine Beine nicht strecken. Für große Fahrer ist das auf längerer Fahrt belastend.

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In der Prestige-Ausstattung meines Testwagens ist Leder beinhaltet. Leider aber keine Sitzheizung. So ist das Sitzen auf den kalten Glattlederflächen kein Vergnügen. Glattleder braucht doch eine Sitzheizung. Auch wenn sie zusätzlich etwa 150 Euro kostet. Warm wird es im Diesel Lodgy erst mit deutlichem Zeitverzug. Die Heizung bekommt daher kein Lob von mir. Der erste optische Eindruck im Innenraum begeistert mich nicht. Sieht alles aus und fühlt sich an wie vor 10 bis 15 Jahren. Wäre da nicht das Display des Navi-Moduls, das weiterer Teil der Prestige-Ausstattung ist. Die Getränkehalter verdienen ihren Namen kaum, denn was man da rein stellt passt selten und steht daher nicht sicher. Aber ich möchte die Kirche im Dorf lassen. Dieses Auto mit dem riesigen Raumangebot von bis zu 2.600 Litern kostet mit der ausbaubaren 3. Sitzbank und Alufelgen runde 17.000 Euro. Und bei all der Mäkelei die ich hier so ablasse, sollte das im Hinterkopf mitschwingen. Wer es übrigens noch purer erträgt und auch auf den Dieselantrieb verzichten kann, der bekommt den Dacia Lodgy mit dem 61 kW Benziner (83 PS) in des Basis-Ausstattung „Essentiel“ sogar schon ab 9.900 Euro. Wer ein neues Auto mit so viel Platz braucht, der wird kaum eine Alternative finden, für die er weniger bezahlt.

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Und wie fährt sich dieser Kombi für Großfamilien?

So lange er in der Stadt und auf Landstraßen unterwegs ist, fährt sich der Lodgy passabel. Wenn aber Berge oder Autobahnanstiegen ins Spiel kommen, kommt der 79 kW (107 PS) Diesel an seine Grenzen. Dann hat der Fahrer viel zu tun, um immer im richtigen Gang und damit erträglichem Vortrieb unterwegs zu sein. Ziemlich laut und bisweilen dröhnend gibt sich der in Rumänien gebaute Lodgy bei höherem Tempo auf der Autobahn. Seine Bremsen beißen abrupt und kräftig zu, das ist zunächst ungewohnt. Bodenunebenheiten gibt der Lodgy erkennbar an die Insassen weiter. Bei höherem Tempo auf der Autobahn empfand ich diesen Dacia leicht schwammig. Insbesondere bei Fahrten auf nasser Autobahn. Im Zweifel kann man dieses Problem durch geringere Geschwindigkeiten lösen. Dieser Dacia soll ja kein Rennwagen sein. Ein Sparfuchs ist der Lodgy mit dem Selbstzünder andererseits auch nicht. Während Dacia den kombinierten Normverbrauchswert mit 4,4 Liter auf 100 Kilometer angibt, habe ich auf meinen Testfahrten über 14 Tage hinweg 6,5 Liter je 100 Kilometer verbraucht. Dabei ist mit aufgefallen, dass der Verbrauch erst in Geschwindigkeitsbereichen über 130 besonders trinkfreudig ist.

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Aus- und Einbau der Sitzbank erfordert Kraft und Geschick 

Wer nicht ständig 6 oder 7 Personen befördern muss, der kann die 3. Sitzreihe übrigens ausbauen und den frei werdenden Raum für Gepäck nutzen. Der Mechanismus zum Aus- und Einbau der Bank ist aber nicht der beste und auch das Gewicht der Bank motiviert kaum dazu, dieses Prozedere angehen zu wollen. Im Gegenteil. Man überlegt sich zweimal, ob man der im Regen an der Bushaltestelle Schutz suchenden Nachbarin wirklich anbietet, sie und ihr Fahrrad einzupacken. Der anstehende Umbau ist allein kaum rückenverträglich zu schaffen.

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Fazit

Der Dacia Lodgy bietet Platz für bis zu 7 Personen Platz und das für wenig Geld und 5 Jahre währender Garantiedauer (bis maximal 100.00 km). Ob ein geneigter Käufer mit der Materialanmutung und dem Fahrkomfort klar kommt, sollte er auf einer ausgiebigen Probefahrt am besten selbst herausfinden. Wer nach einem Blick aufs Bankkonto etwas mehr Spielraum erkennt, der findet beispielsweise mit dem Kia Carens, Toyota Verso, Ford C-Max, Opel Zafira Tourer oder dem Mazda 5 gute Alternativen.

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