Die meisten Kombis sehen nicht aufregend aus. Ist ja auch nicht einfach, aus einem Dickschiff eine Schönheit zu machen. Seit geraumer Zeit versuchen Autohersteller die zwischendurch in Vergessenheit geratenen Shooting Brake Modelle wiederzubeleben.

CLA Shooting Brake 2015
Bereits mit dem CLS hat Mercedes bewiesen, wie schön man ein wenig weniger Raum verpacken kann. Wohlgemerkt. Nicht wenig Raum. Viel Raum. Aber eben nicht ganz so viel, wie in einem klassischen Kombi. Dafür eben hübsch verpackt. Das gilt auch für den CLA Shooting Brake, der seit Kurzem erst auf dem Markt ist. Über Schönheit und Geschmack lässt sich bekanntlich vorzüglich streiten.


Aber alle, die ich nach ihrer Meinung zu meinem Mercedes CLA Shooting Brake (SB) Testwagen gefragt habe, fanden ihn richtig schön und sahen in ihm „eine unerwartet stattliche Erscheinung“, wie man sie von einem A-Klasse Derivat kaum erwartet hätte. Insofern wurde der Einstiegspreis des CLA SB durchweg deutlich höher geschätzt, als er tatsächlich ist.

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Der liegt nämlich bei 29.809 Euro für den CLA SB 180 (Benzin), der 122 PS (90 kW) leistet und mit einem Norm-Verbrauchswert von 5,5 Liter Super angegeben wird. In 9,6 Sekunden ist der CLA SB 180 auf Tempo 100. Schluss ist bei 210 Stundenkilometern.

Mercedes CLA Shooting Brake

Und wenn ich dann den Gepäckraum öffne, nimmt die Begeisterung nicht ab. Denn da passt richtig was rein. Und das erkennt man sofort.

Gelungene Kombination aus Nutzwert und Ästhetik

Der CLA Shooting Brake bietet bei gleicher Außenlänge (4,63 Meter) deutlich mehr Gepäckraumvolumen als das Coupé. 495 Liter Gepäck lassen sich hier verstauen, wenn man bis zur Oberkante der Rückbank belädt. Das sogenannte Laderaum-Paket (380,20 Euro Mehrpreis) lässt den Kofferraum durch einen steileren Anstellwinkel der Rücksitzlehne auf 595 Liter ansteigen.
CLA KofferraumWird das gesamte Kofferraumvolumen ausgeschöpft, lassen sich bis zu 1.354 Liter Gepäck unterbringen. Die niedrige, aber etwas schmale Ladekante erleichtert das Beladen. Der auf der A-Klasse basierende Raumgleiter bietet in der zweiten Sitzreihe klassentypisch nicht den größten Fußraum, aber das passt noch.
Unangenehm wird es dagegen beim Ein- und Aussteigen. Hier sollte der Fahrer seine Insassen, so wie die Männer der Kripo im Tatort, die Köpfe der Einsteigenden leicht nach unten drücken, sonst könnte unliebsamer Kontakt mit dem an dieser Stelle deutlich abfallenden Dachbogen entstehen. Aber man kann halt nicht alles haben.

Wer hinten meist Kinder unterbringen möchte, für den sollte das kein Thema sein. Die Kids können hinten auch gut raus schauen. Große Menschen haben hier jedoch die Dachverkleidung vor Augen. Aber wie heißt es so schön: Wer schön sein will. ….In der ersten Reihe ist von solchen Einschränkungen nichts zu spüren. Hier unterscheidet sich der Shooting Brake nicht von der CLA Limousine.

Foto 14.04.15 10 35 51Modernes, klar gezeichnetes Innenraumdesign lässt sachliche Wohlfühlatmosphäre entstehen. Die Bedienung des SB ist weitgehend selbsterklärend. Alles findet sich da, wo man es erwartet.


Unser Testwagen ist mit dem 2-Liter- Benzinantrieb, 211 PS (155 kW) maximale Leistung, ausgestattet. Mit ihm ist der CLA SB in 8,8 Sekunden auf 100. Seinen kombinierten Normverbrauch gibt Mercedes mit 5,6 Liter an. Auf unseren über 2 Wochen dauernden Testfahrten lag der Verbrauch im Mittel bei 7,5 Liter. DER CLA SB 200 ist ab 32,725 Euro zu haben.

2015-04-20 16.45.41Für deutsche Käufer wird er wohl seltener die erste Wahl sein, denn für wenig mehr Geld (ab 34.539 Euro) bietet Mercedes besonders drehmomentstarke Selbstzünder (Diesel) an, deren Verbrauchswerte insbesondere bei Fahrten mit höheren Geschwindigkeiten unterproportional ansteigen. Der CLA 200 CDI leistet 136 PS (100 kW). Er wird mir einem Normverbrauch von nur 4,1 Liter angegeben. Übrigens: der CLA SB braucht nicht mehr Treibstoff als die Limousine. Im Alltag machte unser Testwagen keine Zicken. Er fährt sich leicht und locker. Insbesondere das gegen Aufpreis erhältliche Automatikgetriebe möchte ich geneigten Käufern ans Herz legen. Es schaltet schneller und mit weniger Schubunterbrechung, als die meisten von uns das könnten und verbraucht dabei nicht mehr, als das Schaltgetriebe. Neben dem Aufpreis von 2.165 Euro spricht aus meiner Sicht nichts mehr für ein Schaltgetriebe. Es sei denn, Sie schalten einfach gern.

Fazit

Der Mercedes CLA Shooting Brake ist ein Auto, das deutlich mehr Platz und Flexibilität bietet als eine Limousine, aber etwas weniger Stauraum, als ein klassischer Kombi. Er ist im doppelten Wortsinn ein schöner Kompromiss, der ästhetisch geprägte Menschen, die trotzdem auf den Nutzwert eines Autos achten, begeistern sollte.