Der neue T6 ist noch verhüllt.

Zwei Gründe, weshalb man(n) gewöhnlich nach Amsterdam reist. Zum einen die Coffeeshops und zum anderen…. pardon, darüber spricht frau nicht. Wer Schlechtes denkt, weshalb VW den T6 gerade in der Metropole Amsterdam vorstellt, der irrt. Den männlichen Kollegen blieb nämlich kaum Zeit, durch das wusslige „Walletjes“, das Rotlichtviertel von Amsterdam, zu schlendern. Der Grund, warum die statische Vorstellung in Amsterdam stattfand, ist ein anderer. In Amsterdam wurde einst die Idee für den Bulli geboren.

A

Auf einem Ringbuchblock entstand in der holländischen Metropole die erste Skizze für den Bulli. Ben Pon, ein Autohändler, so heißt es, habe 1947 mit seinen Kritzeleien einen entscheidenden Anstoß für den Bau des kompakten Transportes gegeben. Nun ja, die weitere Geschichte braucht nicht erzählt zu werden. Denn längst steht die Kultkutsche für Abenteuer, Rock’n’Roll, Hippie-Lifestyle und heiße Liebesstunden. Der VW Bus hat wie kaum ein anderes Fahrzeug in Deutschland Automobilgeschichte geschrieben.

P1150789

Nach nun mehr als 65 Jahren wechselt die Kultkutsche in die 6. Generation. Nicht ganz freiwillig.  Immerhin verkaufte sich der Bus über 2 Millionen Mal in den vergangenen 13 Jahren.  Zum aktuellen Modellwechsel wurde VW quasi gezwungen. Zu viel Schadstoffe verursachte der T5. P1150808Ab dem 1. September 2015 müssen neu zugelassene Pkw in der EU die sogenannte Abgasnorm Euro-6 erfüllen, und das tun die im T5 verbauten Aggregate nicht.

Motoren: 84 bis 204 PS

Die wichtigsten Veränderungen unter dem Blech betreffen die Motoren, deren Leistungsspanne nun von 84 PS bis zu 204 PS reicht. Künftig gibt es sechs Motorisierungen, allesamt mit Start-Stopp-Automatik. Sie erfüllen in der Pkw-Version „Multivan“ alle die Euro 6 Norm. Diese Triebwerke sind im Schnitt im Vergleich zum T5 um 15 Prozent sparsamer. „Der Durchschnittsverbrauch wurde um ein Liter reduziert“, hebt Entwicklungsvorstand Hans-Joachim Rothenspieler den Vorteil der neuen Aggregate hervor.

P1150786

Optisch hat sich beim Wechsel vom VW Bus T5 zum T6 nicht viel geändert. Das Design setzt auf klare Linien. Vor allem an der neuen Frontpartie ist die „Generation six“ zu erkennen. Die Bugschürze wurde tiefer gezogen. Die Rückleuchten sind abgeschrägt. Das Format bleibt mit einer Stirnfläche von zwei mal zwei Metern, Radständen von 3 oder 3,40 Metern und Längen von 4,89 oder 5,29 Metern im Groben unverändert. Unter der gelifteten Karosserie steckt allerdings die alte Plattform. Tiefer angesetzte Außenspiegel, neu konzipierte Felgen und LED-Scheinwerfer runden das modernere Bild ab.

Volkswagen präsentiert also keine komplette Neukonstruktion. Die wird es wohl erst in zwei Jahren mit dem T7 geben. Mit den drei Grundvarianten Transporter, Caravelle und Multivan sowie dem Camping-Ausbau California, zwei Radständen, drei Dachhöhen und Bauformen vom Kasten- bis zum Pritschenwagen ist bislang auf dem Markt nahezu jede Verwendung abgedeckt. Mehr als 500 Karosserievarianten lassen schließlich wenig Raum für neue Spielarten.

T6_interieur_1

Innenraum

Im Innenraum fallen die Veränderungen mehr auf. Mal offen, mal geschlossen zeigen sich Ablagen und Staufächer in Abhängigkeit des Modells. Das liegt vor allem am neuen Armaturenbrett sowie an den Mittelkonsolen, die in der gewerblichen Version anders gestaltet sind, als in der Pkw-Version. Im Unterschied zu den PKW-Modellen wird im Nutzfahrzeug eine schmalere Mittelkonsole verbaut. Der Beifahrer auf dem Mittelplatz hat so mehr Beinfreiheit. Beim Multivan ist die Mittelkonsole breiter geworden. Sie bietet nun Platz für zwei Cupholder, ein Multimediafach inklusive Schnittstelle fürs Handy sowie einen Flaschenhalter, der wie das Handschuhfach über die Klimaanlage gekühlt werden kann.

 

Auf die Neugestaltung der Sitze legten die VW-Techniker großen Wert. Diese bieten nun besseren Seitenhalt, außerdem wurden ihre Einstellmöglichkeiten erweitert. Die optionalen Armlehnen sind jetzt höhenverstellbar. Erstmals steht ein elektrischer 12-Wege-Sitz mit 4-Wege-Lordose und Memory-Funktion für den Fahrer in den Aufpreislisten. Außerdem gelingt die Nutzung der hinteren Sitze im Multivan, Caravelle und Kombi durch eine Easy-Entry-Funktion nun etwas einfacher.

P1150785

Mehr Sicherheit

Deutlich erhöht hat VW die aktive und passive Sicherheit im Fahrzeug mittels einer Vielzahl von Assistenten und für Transporter, Multivan und Caravelle. So erkennt das Umfeldbeobachtungssystem „Front Assist“ mittels Radar kritische Abstände zum Vordermann und hilft, den Anhalteweg zu verkürzen. Bei der automatischen Distanzregelung „ACC“ misst ein Sensor die Entfernung und die Relativgeschwindigkeit zum vorausfahrenden Fahrzeug. In Verbindung mit dem Doppelkupplungsgetriebe bremst „ACC“ das Fahrzeug, beispielsweise in Kolonnen- oder Stausituationen, auch bis zum völligen Stillstand ab.

P1150803

Fazit

Normalerweise wird man mit 65 in den Ruhestand geschickt. Nicht so der Bulli. Denn der Bulli ist Kult. Und wird es wohl bleiben. Wie ein guter Wein scheint er im Lauf der Jahre besser zu werden. Ein Facelift reichte den VW Verantwortlichen für der 6. Generation aus, um aus ihrer Sicht konkurrenzfähig zu bleiben. Auch ohne komplette Neukonstruktion wird der VW Bus der sechsten Generation wohl weiter an Erfolgsgeschichte VW Bus schreiben. Ob es die Erinnerung an heiße Liebesnächte oder was auch immer ist, sei dahin gestellt. Zu übrigens teilweise deutlich gesunkenen Preisen kommt im Juli die neueste „Bulli“-Generation auf den Markt. Der Transporter kostet ab 27 412 Euro. Den Multivan mit dem 84 PS-Motor gibt es ab 35 643 Euro.

 

Sophie 1950

Die gute alte Miss Sophie…..

Unterschiedliche Modelle aller bisherigen T-Baureihen, vom taubenblauen Kastenwagen „Sophie“ (Baujahr 1950) bis hin zur Gegenwart der T-Baureihe rollten auf die Bühne oder parkten im Garten bei der statischen Neuvorstellung.

Impressionen 65 Jahre Bulli-Geschichte