In den nächsten zehn Jahren wird sich beim Thema individuelle Mobilität mehr ändern, als in den letzten 50 Jahren, diese Ansicht äußern nicht wenige Branchenexperten. Die BMW-Verantwortlichen um BMW CEO Harald Krüger haben das frühzeitig erkannt und vor rund zwei Jahren ein Team aus branchenfremden Spezialisten zusammengestellt. Sie kamen von renommierten Firmen wie Microsoft, Nokia, Google oder Apple in die bayrische Metropole, um intensiv am Umbau von BMW, weg vom reinen Hardware-Anbieter (Auto-Hersteller) hin zum ganzheitlichen Spezialisten für Mobilität zu arbeiten. Nun hat die Gruppe ein vielversprechendes Projekt vorgestellt, das seit dem 31. März 2016 bereits in den USA als „BMW Connected“ auf dem Markt ist. Ab Anfang August 2016 wird BMW Connected auch in Deutschland, Österreich, UK, Italien, Frankreich, Schweiz, Belgien, Spanien, Dänemark, Niederlande, Tschechien, Norwegen, Polen, Portugal, Schweden, Finnland, Irland und Luxemburg gelaunched. Die Europa Version soll bereits Feedback und Wünsche der amerikanischen Nutzer berücksichtigen.Share_ETA_and_ETA_DE-10

Die Funktionen von BMW Connected

Um Mobilität schon zuhause beginnen zu lassen, kann der Nutzer eine App auf sein Smartphone speichern, über die er mit seinem Auto kommunizieren kann. Zudem arbeitet BMW mit Amazon zusammen. Amazon hat in den USA zu Beginn dieses Jahres sein System „Amazon Echo“ eingeführt. Amazon-Echo nutzt eine etwa 20 cm hohe Röhre, mit der man sprechend kommunizieren kann. Diese Röhre ist mit dem Internet verbunden. So kann man dieser in der Wohnung aufgestellten Röhre beispielsweise zurufen: „Alexa (so heißt die Röhre mit integrierten Lautsprechern), bitte bestell‘ mir vierlagiges Toilettenpapier.“ Alles weitere geschieht dann vollautomatisch bis hin zur Lieferung des Toilettenpapiers.

AlexaDie schwarze Röhre kostet aktuell etwa 179 Dollar und ist seit dem US-Marktstart 2015 ein Erfolg. Doch was hat das nun mit BMW zu tun? Die Verbindung von BMW-Connect mit Amazon-Echo ermöglicht dem Kunden quasi mit seinem Auto von zuhause aus zu sprechen. So kann ich meinem Auto mitteilen, dass ich morgen nach Stuttgart fahren möchte, und es fragen, wann ich wegfahren muss, um rechtzeitig um eine bestimmte Uhrzeit am Zielort zu sein.

Nur ein erster Schritt

Für die Entwicklung der Antwort verwendet das stetig lernende System die Daten aus Kalendereinträgen, bisher durchgeführten Fahrten, vorhandenem Tankvolumen und Real-time-Navigationsinformationen, die auch aus dem Verhalten anderer Nutzer abgeleitet werden. So wird das System im Lauf der Zeit selbst vergessene Termine, die nicht eingetragen wurden aufgrund der bisherigen Regelmäßigkeiten erkennen und so den Nutzer per Smartphone beispielsweise fragen, ob er heute nicht zum Tennisspielen gehen möchte.

Für die Zukunft lassen sich deutlich weitgehendere Möglichkeiten antizipieren. So könnten beispielsweise Staus verhindert werden, in dem alle Kalendereinträge von geplanten Fahrten – selbstredend anonymisiert – erfasst und ausgewertet werden. Das könnte beispielsweise zu folgendem Hinweis führen, die das System seinem Nutzer auf sein Smartphone sendet: „Wenn du deine für morgen geplante Fahrt nach München erst um 9.25 Uhr beginnst, wirst du keinen Stau auf deiner Strecke haben.“ Die persönlichen Mobilitätsprofile könnten dann auch von Fahrzeug zu Fahrzeug übertragen werden. Die Nutzung wäre nicht auf das eigenen Fahrzeug beschränkt. Der Zugriff auf ein Auto könnte dadurch entscheidender werden, als das Eigentum an ihm.

Time_To_Leave_iWatch_DE-1Amzon Echo in den USA bereits ein Erfolg

Die BMW-Verantwortlichen betonen, dass die erhobenen Daten in vertrauenswürdigen Händen sind. Die entsprechenden Speicher sollen in Europa stehen. Mit Blick auf die Datensicherheit habe man harte Verträge mit Amazon geschlossen. Wer von den Vorteilen von solchen Systemen profitieren möchte, wird nicht umhin kommen, auch seine ganz persönlichen Daten preiszugeben. Wie man heute schon bei Facebook sieht, ist die Bereitschaft dazu für weit wenig nutzbringende Anwendungen in breiten Bevölkerungsschichten vorhanden. Die BMW-Verantwortlichen um Projektleiter Dieter May betonen, dass die Anwender jederzeit ihre Daten im Systemrechner löschen können. Wir dürfen gespannt sein, was uns die automobile Zukunft bescheren wird.

„In den nächsten Jahren wird die Digitalisierung die Nutzung des Fahrzeugs maßgeblich verändern: wir werden digitale Dienste erleben, die uns und unsere Welt vollständig miteinander vernetzen, unterwegs wie zu Hause. Das Fahrzeug wird zum Smart Device; intelligent vernetzt, nahtlos eingebunden und perfekt abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse jedes Nutzers. Diesen Anspruch zeigen wir mit der ersten Version von BMW Connected.“, erklärt Dieter May.

 

Was Amazon Echo ist!