Im M760Li xDrive kommt der schnellste Serien-BMW aller Zeiten genau zum richtigen Zeitpunkt, denn die erste Limousine feierte vor 40 Jahren mit dem E23 Geburtstag. Vor 30 Jahren debütierte im 750i der E32 Baureihe der erste 12 Zylinder. Jedes Kind war damals froh, wenn es den 7er mit seinen 12 Zylindern in seinem Auto-Kartenquartett hatte. Und jeder Erwachsene wünschte sich diese Kombination aus Luxus-Schiff und Sportwagen für seine Garage. Doch warum stechen Kinder mit dem aktuellen 7er in seiner Langversion alle anderen Modelle aus? Ganz einfach!Er beschleunigt in 3,7 Sekunden auf Tempo 100, zieht 610 PS aus 6,6 Litern Hubraum, bringt 800 Newtonmeter maximales Drehmoment auf die Straße und wer ihn in natura haben möchte, der muss mindestens 166.900 Euro auf den Tisch des Hauses legen können. Anhand dieser Daten wird deutlich, warum der neue M760i in jedem Quartett der King ist. Er ist das schnellste, kräftigste und teuerste Auto, das die Münchner jemals vom Band ließen. Mit seiner Beschleunigung kann ihm keine andere Limousinen das Wasser reichen.

Doch das ist längst nicht alles, was es über dieses Auto zu sagen gibt. Denn neben seiner scheinbar grenzenlosen Kraftentfaltung überzeugt er mit Komfortabilität und Luxus in jeglicher Form. Wie sich BMWs neues Supercar durch die Kurven der Rennstrecke in Palm Springs bewegen lässt, lesen Sie in diesem Fahrbericht.Der M760Li xDrive ist, so seltsam es nach dieser Einführung klingen mag, ein alltagstaugliches Auto. Zwar darf er als erster 7er in der Geschichte den Namenszusatz „M“ tragen, doch ist er trotz seiner beeindruckender Agilität und vieler sportlicher Features ein M Performance Automobil und eben kein reinrassiger M Sportwagen. BMW weiß nur zu gut, was die 7er Kunden neben der gewaltigen Power zu schätzend wissen: Langstreckentauglichkeit, sänftengleicher Federungskomfort, luxuriösen Innenraum aus edelstem Geschmeide und Platz für das Wertvollste – die Familie.Von seinen etwas zahmeren Brüdern unterscheidet sich der M760i auch optisch durch bemerkenswerte, sportliche Attribute. Monströse schwarz lackierte 20 Zoll Schlappen, matte Chromfreiheit, atemberaubende Lufteinlässe, satt-blaue Bremssättel. M-Logos am Heck und der Seite machen zudem deutlich, was für eine Maschine hier vorfährt. Wem der matte Lack zu aufdringlich ist und Eleganz und den zurückhaltenderen Auftritt vorzieht, der wählt die Excellence-Version. Sie kommt ihrer weniger aggressiv gestalteten Frontschürze, etwas Chrom und kommt ohne M-Logos daher. Nun erkennt man den PS-Krösus nur noch an der vierstrahligen Abgasanlage und dem V12 Zeichen an Heck und C-Säule.Welches Gefilde würde sich besser eignen, um diesen Dampfhammer zu erproben, als die Rennstrecke. Die BMW Verantwortlichen haben sich für den Rundkurs des Thermal Beach Clubs in Palm Springs entschieden. Und weil auch ein Autotester nicht zwangsläufig Rennfahrer sein muss, zeigt uns „Chauffeur“ Marco Wittmann, wie das richtig geht. Der zweifache Meister in der DTM ist für seinen nervösen Gasfuß und seine guten Reflexe bekannt. Wittmann wählt für Rennstrecke die sportlichste Abstimmung. Das macht den 2,2 Tonnen schweren Kraftprotz schier zur Gazelle. Im eng gesteckten Handling Kurs überrascht der M760i mit einer für nicht möglich gehaltenen Agilität. Zwar ist sein hohes Gesamtgewicht unverkennbar, doch der xDrive genannte Allradantrieb und die mitlenkenden Hinterräder sorgen dafür, dass man sich in einem wesentlich leichteren Auto sitzend fühlt. Den 7er quer zu stellen ist für mich eine echte Herausforderung. Marco Wittmann hingegen schaltet die elektronischen Sicherungssysteme aus, und schafft das scheinbar spielerisch. Die bereits ab 1.500 Umdrehungen anliegenden 800 Newtonmeter maximales Drehmoment bringen uns immer wieder in die gewünschte Spur zurück. Völlig gleich, in welchem Drehzahlbereich, Fahrmodus oder Gang des 8‑Gang Steptronic Sport Getriebes sich dieser 7er bewegt, ein mutiger Gaspedalstoß katapultiert uns in jeder Lage mächtig nach vorne und presst uns in die serienmäßigen Nappa-Leder Komfortsitze des 7ers.

Und wie klingt der 6,6 Liter-Zwölfzylinder? Im Sportmodus macht die Sportabgasanlage mit ihrer Klappensteuerung wie eine Horde Halbstarker auf sich aufmerksam. Sie rockt unsere Ohren und macht wie Iron Maiden im Konzert unmissverständlich klar – hier kommt ein kraftstrotzender 610 PS-Vollaluminium-Motor mit Klappensteuerung und zwei aufmerksamen Turboladern. Das klingt nie nervös, dieser Chor der Zylinder brodelt gelassen in seinem Selbstverständnis, auf jegliche Anforderung bestens vorbereitet zu sein. Der M760i bleibt stets unaufdringlich, fast schon würdevoll, als wolle er niemanden stören. Im Komfort-Modus bleibt dieser Motor so zurückhaltend, das man sich beim Anfahren gar in einem Elektro-Auto wähnt. In diesem Modus bügelt das Fahrwerk jede Unebenheit in schlechtem Geläuf weg. Für die Insassen passiert das kaum merklich. Diese enorme Spreizung zwischen rennstreckentauglichem Setup und komfortabelster Fahrwerks- und Motorenabstimmung ist für mich das eigentliche Highlight des BMW M760i. Eine Sport-Limousine, deren Beschleunigung selbst Rennfahrern wie Marco Wittmann ein Lächeln ins Gesicht zaubert und nach Erholung suchende Geschäftsleute entspannt ans Ziel bringen kann.

Eigentlich vergleichen wir Modelle gerne in ihrem Segment. Das ist theoretisch möglich, denn starke Flaggschiff-Limousinen besitzen auch andere Hersteller. Doch mit seinen Leistungsdaten sticht der Münchner die Konkurrenz aus Stuttgart schlichtweg aus. Der Mercedes S65 AMG holt aus seinen 12 Zylindern zwar beachtliche 630 PS, doch durch den fehlenden Allradantrieb beschleunigt er bei Bedarf 0,6 Sekunden langsamer (in 4,3 Sekunden) aus dem Stand auf Tempo 100.Ach ja, die Preise. 166.900 Euro werden ja – mindestens – aufgerufen. Wie zu erwarten war ist der 760Li nicht, was man landläufig als Schnäppchen bezeichnen würde. Doch verglichen mit anderen 7er Varianten gönnen die Münchner seinem Fahrwerk serienmäßig fast alles, was sie technisch derzeit zu bieten haben. Und das liest sich dann so: Adaptive Dämpfer, mitlenkende Hinterachse, Allradlenkung, adaptiver Luftfederung, aktive Rollstabilisierung, Allradantrieb und natürlich eine extra Portion besondere M Performance Abstimmung des Ganzen. Das macht in Kombination die BMW Luxus-Limousine zum dynamischsten 7er aller Zeiten. Oder auf Knopfdruck zum komfortabel rollenden Luftbett mit Massagesesseln.

Fazit

Der beste Platz in diesem 7er ist zweifelsohne hinter dem Lenkrad – und das obwohl auch die Massagesitze im Fond Teil der Serienausstattung sind. Mit seinem Grundpreis von 166.900 Euro wird der BMW M760Li für die Meisten ein unerreichbares Luxusgut bleiben. Doch unter den 12-Zylindern dieser Welt ist er das günstigste Angebot, das mit optionalem M Driver`s Package selbst bei einer Endgeschwindigkeit von 305 km/h noch elektronisch gezügelt werden muss. Und wer kauft dieses ultimative Automobil? Die wohlhabenden Kunden werden überwiegend aus dem aufstrebenden Asien und dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten kommen. Dort schätzt man diese wilde Kombination aus luxuriösem Komfort und der gewaltigen Performance eines Sportwagens.

Technische Daten

BMW M760 Li xDrive

Länge x Breite x Höhe (in m): 5,24 x 1,90 x 1,48
Radstand (m): 3,21
Motor: V12-Benziner, 6592 ccm, Twinpower-Turbo, Direkteinspritzung, Doppel-Vanos
Leistung: 448 kW / 610 PS bei 5500 U/min
Max. Drehmoment: 800 Nm bei 1550 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h abgeregelt (305 km/h mit M Driver’s Package)
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 3,7 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 12,8 Liter
CO2-Emissionen: 294 g/km
Effizienzklasse: G (Euro 6)
Luftwiderstandsbeiwert: 0,31
Leergewicht / Zuladung: min. 2180 kg / max. 660 kg
Max. Anhängelast: 2300 kg
Gepäckraumvolumen: 515 Liter
Reifen: vorn 8,5J x 20 mit 245/40 R20 99Y XL, hinten 10J x 20 275 /35 R 20 102 Y XL
Wendekreis: 12,9 m
Preis: 166.900 Euro

Fotos: Uwe Fischer und Jan Weizenecker