Der BMW i3 mit Range Extender

Auf den ersten Blick erinnert wenig an einen BMW. Etwas zu hoch, ein bissel zu schmal. Die Form wenig dynamisch. Nur die typische Niere an der Front macht deutlich, hier steht ein BMW. Im Unterschied zum Volkswagenkonzern, der alternative Antriebe in allen neuen Modelle packen möchte, hat sich der Premiumanbieter aus Bayern entschlossen, optisch selbstständige Modelle auf Karbonbasis für den Antrieb mit Elektrizität zu entwickeln. Der van-artige i3 ist der erste Vertreter dieser Generation. In Kürze wird ihm der i8 auf den Markt folgen, der Sportwagenfans begeistern soll.

Überraschendes Innenraumdesign

Im Innenraum des i3 die positive Überraschung. Klare Linien, leicht und luftig. Nordisch kühles Design aus dem Süden der Republik. So sah bisher kein BMW innen aus. Geformte Interieurteile überwiegend aus Recyclingmaterialien. Offenporiges, geschwungen verarbeitetes Holz will gestreichelt zu werden. Zwei aufrecht stehende Flachbildschirme sehen schick aus und informieren den Fahrer über alles Nötige. Nicht zuletzt über die allgegenwärtige Restreichweite des Stromers. Aber dazu später mehr. Die besonders dünnen Sitze – Leichtbau hatte höchste Priorität – sind überraschend bequem. Die gegenläufig öffnenden Türen dagegen gewöhnungsbedürftig. Das Fehlen einer B-Säule lässt zwar einen optisch großen Einstieg entstehen, aber an den untypischen Mechanismus konnte ich mich in der einwöchigen Testphase nicht wirklich gewöhnen. Während man in der ersten Reihe viel Platz hat, geht es hinten eher beengt zu. Aber für größere und kleinere  Kinder sollte das passen. Auch der Gepäckraum fällt nicht allzu groß aus. Für den durchschnittlichen Einkauf sollte er aber ausreichen. Und für längere Urlaubsfahrten ist das Konzept des i3 eh nicht gedacht.

i3 innen

Beinahe geräuschlos setzt sich der maximal 125 kW (170 PS) leistende i3 in Bewegung. Jeden Druck aufs Gaspedal setzt das einstufige Getriebe scheinbar eins zu eins um. Einen solchen Anzug (250 Nm Drehmoment)  ist man nicht mal von den bekannt spurtstarken Diesel-Motoren gewohnt. Das macht richtig Spaß. Bei Tempo 150 wird die Geschwindigkeit elektronisch begrenzt. Mein Testwagen ist übrigens die Variante mit einem sogenannten Range-Extender, der zur Ausweitung der Reichweite und zur Beruhigung der Insassen einen kleinen Benzinverbrennungsmotor an Bord hat. Und das ist gut so. Denn die theoretische Reichweite des BMW-E-Antriebs liegt, in Abhängigkeit vom gewählten Fahrmodus, zwischen 160 und 190 Kilometern. Mein i3 Testwagenhatte diese Werte jedoch nicht annähernd erreicht. Im Gegenteil. Beim Start werden zunächst zwar optimistische 160 Kilometer angezeigt, aber bald schon sinkt dieser Wert überproportional ab. Am Ende blieben rein elektrische Reichweiten von rund 130 Kilometer übrig. So war ich immer froh, auf die Benzinreserve des Range-Extenders zurückgreifen zu können, mit dem die Gesamtreichweite auf rund 300 Kilometer steigen soll. Die Befürchtung stehen zu bleiben wäre sonst zu groß. Der Blick auf die Restreichweite würde dem Blick auf die Straße zu häufig Konkurrenz machen. Aber vielleicht denke ich da zu traditionell. Das Fahrverhalten des i3 empfinde ich selbst auf Autobahnstrecken sicher und komfortabel.

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Begrenzte Reichweite

Die unter dem Wagenboden angebrachten Lithium-Ionen-Akkus des BMW i3 haben eine Kapazität von 22 kWh, von denen aber nur ein Teil (18 kWh) genutzt werden kann. Eine komplette Entladung des Akkus würde die Batterie schädigen. Der Verbrauch und damit die Praxisreichweite eines stromgetriebenen Fahrzeugs wird durch ähnliche Faktoren beeinflusst wie beim Verbrennungsmotor. Der spezifische Verbrauch ist umso geringer, je niedriger die möglichst konstante Geschwindigkeit ist. Wenn man oft Vollgas fährt oder viele Nebenaggregate aktiviert hat, wächst der Energie-Hunger des E-Cars erheblich. Und dann muss wieder geladen werden. An einer Schnellladestation sollen 80 Prozent der Kapazität schon in 30 Minuten gezapft werden können. Aber noch sind dieses selten. An einer normalen Haushaltssteckdose dauert der Spaß bis zu acht Stunden. Wohl dem, der den Range-Extender für 4.500 Euro geordert hat. Aber in Summe mit dem Grundpreis von 34.500 Euro kommen dann knapp 40.000 Euro zusammen. Sehr viel Geld für ein Auto mit stark eingeschränkter Reichweite. Wer den i3 jedoch beispielsweise ausschließlich für den Weg zur Arbeit (im Bundesdurchschnitt sind das runde 50 Kilometer) und zurück nutzten möchte, dazu die Möglichkeit hat, CO2 neutral gewonnenen Strom zu „tanken“ und Geld übrig hat, der kann sein Umweltgewissen mit dem i3 standesgemäß beruhigen und Eindruck bei Arbeitskollegen und Nachbarn schinden. Wer rechnen muss, wird wohl kaum beim i3 ankommen.

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