40 Jahre lang hat er mit Kürbissen zusammen in einer Scheune in Kalifornien vor sich hingerostet, soweit seine Aluminiumkarosserie das zuließ. Dann erbarmte sich ein ehemaliger NASA-Offizieller seiner und wollte ihn wieder genau in den Zustand zurückversetzen lassen, in dem Elvis ihn einst in Deutschland gekauft hatte. Das übernahm die BMW Group Classic. Das Ergebnis kann am Sonntag, 21. August 2016, im kalifornischen Pebble Beach beim Concours d’Elegance begutachtet werden.
Wie viele, später zu Ehren gekommene Oldtimer ein Jahrzehnte langes Dasein in dunklen Scheunen fristen mussten, bevor sie zufällig wieder ans Tageslicht gelangten, weiß niemand. Auch nicht, was an solchen Geschichten Legende ist oder den Tatsachen entspricht. Bei diesem BMW 507 aus dem Baujahr 1957 jedoch steht zweifelsfrei fest: Von Anfang der 1970er Jahre an stand er rund 40 Jahre in einer Lagerhalle für Kürbisse unweit von San Francisco, bis er 2009 von Jackie Jouret, einer Journalistin des US-BMW-Magazins „Bimmer“, entdeckt wurde. Anhand seiner Fahrgestellnummer 70079 und mit Hilfe des BMW-Archivs sowie Recherchen des letzten Besitzers ließ sich die Geschichte des Autos mit Leichtigkeit rekonstruieren.

Danach rollte der von Albrecht Graf Goertz gestaltete Sportwagen wenige Tage vor der Frankfurter IAA 1957 vom Band, wo er als Star den BMW-Stand zierte. Dann reichten ihn die Münchner als Presse-Testwagen herum, bis ihn ein paar Monate später der damals als Bergkönig bekannte Rennfahrer Hans Stuck übernahm, Vater des später „Strietzel“ genannten Hans-Joachim Stuck. Der alte Stuck nutzte den Wagen zu PR-Präsentationen und fuhr mit ihm 1958 in den Alpen bei mehreren Bergrennen Siege heraus. Im Herbst des gleichen Jahres kam der elegante Sportwagen an einen Händler in Frankfurt, der ihn dem damals 23 Jahre alten und in Deutschland stationierten US-Soldaten Elvis Presley zur Probefahrt überließ. Der King war so begeistert, dass er den Gebrauchtwagen auf der Stelle kaufte, ihn zunächst für Fahrten zwischen seinem Wohnort Bad Nauheim und der US Army Base in Friedberg einsetzte und nach Ablauf der Dienstzeit mit in die Staaten nahm.

Dort verließ ihn jedoch die Begeisterung für den BMW 507 ziemlich bald – vielleicht auch deshalb, weil weibliche Fans immer wieder Lippenstiftspuren auf der Karosserie hinterließen, die er deshalb bereits von weiß in rot hatte umlackieren lassen. Ein Radiomoderator kaufte das Auto für lächerliche 4500 Dollar, um es bei Rennen einzusetzen. Zuvor aber tat er dem bildschönen Wagen brutale Gewalt an: Den 3,2 Liter großen BMW-V8 (110 kW / 150 PS) ersetzte er durch ein bärenstarkes Chevrolet-Aggregat.
Weil dieses im Motorraum des ursprünglichen 507 keinen Platz fand, ging das nur mit tiefgreifenden Umbauten: Teile des vorderen Rahmenträgers wurden herausgeschnitten, Getriebe und Hinterachse ersetzten die Amerikaner ebenso wie die Instrumente im Cockpit. Nach weiteren Besitzerwechseln landete der Wagen schließlich in Kalifornien, wo ihn Jackie Jouret vor sieben Jahren aufstöberte.

Weitere fünf Jahre vergingen, bis im Frühjahr 2014 Spezialisten der BMW Group Classic das Auto zusammen mit etlichen Ersatzteilen, die der letzte amerikanische Besitzer gesammelt hatte, per Container nach München verfrachteten. Dort nahm es zunächst unrestauriert einen Platz im BMW-Museum ein, bevor es eine grundlegende Auffrischung erfuhr. Dieses Jugendwerk gestaltete sich freilich wesentlich schwieriger als die Dokumentation des 507er-Lebenslaufs.

Der kompletten Demontage von Alu-Karosserie und Stahl-Bodengruppe, von Fahrwerk und nur mehr rudimentär vorhandenem Interieur folgte ein Säure- und Laugenbad, dem die alten Lackreste komplett zum Opfer fielen. Dann begann eine aufwändige, oftmals aber vergebliche Suche nach eventuell noch vorhandenen Ersatzteilen. Viele Komponenten mussten per Handarbeit komplett gefertigt werden. Für das Armaturenbrett stand ein ursprüngliches Muster Pate. Die Lederausstattung entstand exakt nach dem Vorbild alter Fotos und Kataloge. Beim Neuaufbau der Sitze war das originale Stahluntergerüst nach sorgsamer Entrostung wieder zu gebrauchen. Fensterkurbeln und Türöffner wurden in einem hochmodernen 3D-Druckverfahren nach Originalmaßen nachgefertigt.

Außergewöhnlichen Aufwand erforderte der neue Motor, der aus Einzelteilen komplett neu aufgebaut wurde. Der einst herausgeschnittene vordere Rahmenträger musste ebenfalls nachgefertigt und in die Bodengruppe integriert werden. In Material und Verarbeitung entspricht auch die Holznagelleiste zur Befestigung des Verdecks ganz dem Stil der 1950er-Jahre. Die Lackierung – wieder wie einst in Federweiß – erfolgte nach den gleichen Methoden, die vor 60 Jahren üblich waren.

Ebenso wie der Neuaufbau des V8-Motors und die Verwendung originalgetreuer Teile und Fertigungsverfahren entspricht auch die Auswahl der Lackierung exakt den Vorgaben des letzten Besitzers Jack Castor, einem einstigen Raumfahrt-Spezialisten der NASA. Er hatte von Beginn an den Wiederaufbau des Roadsters im Original-Auslieferungszustand des Jahres 1958 im Sinn gehabt. Sein Wunsch, den BMW 507 mit den Augen des „Kings“ sehen zu können, blieb dennoch unerfüllt. Jack Castor verstarb im November 2014 im Alter von 77 Jahren. In Pebble Beach wird deshalb auch seiner gedacht. Der dort erstmals gezeigte BMW 507 ist nicht nur das Auto des „King“, sondern auch das Vermächtnis Jack Castors und obendrein ein Meisterstück der BMW Group Classic.„Mit der Möglichkeit, den BMW 507 des King of Rock’n’Roll zu uns nach München zurückzuholen und ihn hier nach den Wünschen des Vorbesitzers zu restaurieren, ging für alle Beteiligten ein Traum in Erfüllung“, sagt Ulrich Knieps, Leiter der BMW Group Classic. „Dies war ein außergewöhnlich faszinierendes Projekt, dessen Ergebnis nicht nur uns mit großem Stolz erfüllt, sondern auch sicherlich Jack begeistern würde.“ Und mit Sicherheit auch alle Besucher, die am beim Concours d’Elegance im kalifornischen Pebble Beach dabei sein werden.