Stromer, Hybrid oder Brennstoffzelle: Die Autowelt ist im Umbruch, alternativen Antrieben gehört die Zukunft der Mobilität. Die Tage von Benzinern und Diesel scheinen gezählt. Von München bis nach Wolfsburg, von Ingolstadt bis nach Stuttgart und von Rüsselsheim bis nach Köln schlägt das grüne Herz der großen deutschen Hersteller immer schneller.

Nissan reveals stylish new LEAF Black EditionEile ist jedoch geboten, denn die Konkurrenz aus Japan und Korea hat sich bereits in Stellung gebracht. Egal, ob Stromer (Nissan Leaf) oder Wasserstoff-Fahrzeug (Hyundai iX35 Fuel Cell und Toyota Mirai) – die Marken aus Fernost gehen in Deutschland längst auf Kundenfang. Und dann ist da noch der US-Elektropionier Tesla. Es gibt also viele Gründe, bei den umweltschonenden Antrieben am Ball zu bleiben.

Trotz guter Vorsätze und staatlicher Anschubhilfe kommt die Elektromobilität in Deutschland nur schleppend voran. Woran liegt das? Es fehlt an alltagstauglichen Elektrofahrzeugen mit großer Reichweite und einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur. Mit einer Blitz-Idee hat Opel das erste Problem jetzt gelöst. Mit dem neuen Ampera-e sollen nach Angaben des Herstellers Reichweiten jenseits der 500-Kilometer-Marke möglich sein. Und damit kommt der Ampera-e laut Opel immerhin 100 Kilometer weiter als der nächstbeste Wettbewerber.

Opel Ampera-e

Die Reichweite haben sich die Rüsselsheimer nicht im Labor nach Neuem Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) ermittelt, sondern im wahrsten Sinne des Wortes erfahren. Als Testfahrer saß Dr. Ralf Hannappel am Steuer, Direktor Elektrifizierung bei Opel. Der Experte hat sich mit dem Elektroauto auf die lange Reise von London nach Paris gemacht. Am Ende standen 417 Kilometer auf der digitalen Anzeige des Stromers sowie eine Restreichweite von 80 Kilometer.

Wie aber ist das Reichweiten-Problem dauerhaft zu lösen? „Mit großen Batterien mit zum Beispiel 60 Kilowattstunden Kapazität wie beim neuen Ampera-e und natürlich einem engen Netz an Schnell-Ladestationen auf Gleichstrombasis, ähnlich dem aktuellen Tankstellen-Netz“, sagt Dr. Ralf Hannappel. Die Entwicklung leistungsfähiger Energiespeicher läuft bereits auf Hochtouren: „Zudem wird die Energiedichte von Batterien weiter steigen, sodass bei gleichem Volumen größere Kapazitäten und damit selbstverständlich höhere Reichweiten generiert werden können.“

Und Reichweite wird belohnt. So ist das 2017er Modell des Chevrolet Bolt vom US-Fachmagazin „Green Car Journal“ zum Green Car of the Year 2017 gekürt worden. Finalisten waren der BMW 330e iPerformance, der Chrysler Pacifica, der Kia Optima und der Toyota Prius Prime. Laut „Green Car Journal“ steigt die Zahl potenzieller Kandidaten für den Wettbewerb zum Green Car of the Year von Jahr zu Jahr. Daran werde das zunehmende Engagement der Hersteller bei der Entwicklung effizienterer und umweltfreundlicher Fahrzeuge deutlich. Und wer weiß: Vielleicht gewinnt ja beim nächsten Mal der Opel Ampera-e den Oscar für Elektroautos in Europa.

Auch in die Verbesserung der Infrastruktur kommt Bewegung. So hat das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur angekündigt, bis Ende 2017 in Zusammenarbeit mit dem Autobahn-Raststätten-Betreiber „Tank & Rast“ 400 Schnell-Ladestationen entlang der deutschen Haupttrassen einzurichten. Zudem will die Bundesregierung in den kommenden Jahren 300 Millionen Euro in die Entwicklung der nötigen Elektro-Infrastruktur investieren: Bis 2020 sollen insgesamt 5.000 Schnelllade- und 10.000 weitere Lademöglichkeiten an prominent gelegenen Tankstellen, an Einkaufs- und Sportzentren, Car-Sharing-Stationen, Bahn- und Flughäfen sowie Messezentren entstehen. Und so werde es bald möglich sein, Fahrzeuge wie den Ampera-e ständig einsatzbereit zu halten, betont Hannappel.

Was spricht neben dem Umwelt-Aspekt noch für den Kauf eines Elektroautos? „Wir bieten auf die Batterie acht Jahre Garantie oder 160.000 Kilometer bei unserem Ampera-e an, keine CO2 Emissionen, fast keine Lärmemissionen und sehr gute Beschleunigungswerte: von 0 auf 100 km/h in nur 7,3 Sekunden“, erklärt Ralf Hannappel. Und Opel hat noch einiges in der Pipeline, versichert der Direktor Elektrifizierung: „Wir sehen die E-Mobilität als den Antrieb der Zukunft und werden unseren Kunden marktgerechte Produkte anbieten.“

Der lange Atem des Ampera-e könnte der Elektromobilität in Deutschland zum Durchbruch verhelfen. Das erste richtige Elektroauto der Marke in der Neuzeit soll im Frühjahr 2017 auf den Markt kommen. Preise nennt Opel noch nicht. Die Förderprämie mit eingerechnet, dürfte der Ampera-e etwa 35.000 Euro kosten – nicht schlecht für einen Stromer mit so einem langen Atem. mid