Die Gewerkschaften fordern die Autobauer zum radikalen Umsteuern auf. „Die Automobilbranche in unserem Land muss sich neu erfinden. Es geht darum, die Ziele Klimaschutz, saubere Luft und sichere Arbeit so in Gleichklang zu bringen, dass die Automobilindustrie stärker aus der Krise hervorgeht, als sie hineingegangen ist“, schreibt jetzt der IG-Metall-Vorsitzende Jörg Hofmann in einem Gastbeitrag für die „WirtschaftsWoche“. Und ohne ein entschiedenes Umsteuern auf neue Mobilitäts- und Antriebskonzepte werde das nicht gelingen. Hintergrund: Der Autogipfel der Gewerkschaften mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz steht in Kürze an – da heißt es Druck aufbauen.

Der Gewerkschafts-Chef kritisiert zugleich, dass mancher Manager auch weiter auf dem hohen Ross sitze, obwohl die Reputation der Automobilindustrie durch illegale Machenschaften und mangelnde Transparenz schwer beschädigt sei. „Um das Vertrauen zurückzugewinnen, reichen weder Inszenierungen im Wahlkampf noch Marketing-Maßnahmen. Das gelingt nur, wenn die Autoindustrie restlos aufklärt und umfassende Transparenz herstellt“, sagt Hofmann.

Der IG-Metall-Chef sieht aber auch die Politik in der Pflicht. Die Regierung müsse ihren ohnehin ausbaufähigen Ankündigungen vom Diesel-Gipfel Taten folgen lassen. Es bleibe bislang ein Rätsel, wie mit den beschlossenen 500 Millionen Euro für den Fonds „Nachhaltige Mobilität in der Stadt“ die Situation wirksam verbessert werden könne. Hofmann macht aber auch klar: „Der Diesel bleibt als Übergangstechnologie unverzichtbar.“ Zudem fordert er generell strengere Abgasnormen. Diese sind laut Hofmann „eine Chance für die deutsche Automobilindustrie, mithilfe der innovativsten Umwelt-Technologien rund um das Auto ihre Spitzenstellung im internationalen Wettbewerb zu behaupten.“ mid