Nur wenige Kilometer unweit der französischen Grenze, nahe der Ortenauer Kleinstadt Kehl: Mehrere hundert Meter staut sich der Verkehr auf der B28. Die meisten Autofahrer haben vor wenigen Augenblicken französischen Boden verlassen. Feierabendverkehr am Mittwochnachmittag?
Weit gefehlt. „Polizeikontrolle“ wird bereits 200 Meter vor dem Parkplatz in Höhe Kork auf einem Schild am Straßenrand angezeigt. Ein Einsatzwagen der Polizei leitet auch schon den Verkehr auf der zweispurigen Straße in eine Spur. Der Puls steigt. Das Herz pocht. Warum nur?

Polizeikontrolle in der OrtenauKeinen Tropfen Alkohol im Blut und auch die Autoreifen haben ordentliches Profil. Eigentlich gibt es keinen Grund für mulmige Gefühle. „Wenn ich privat in eine so großangelegte Polizeikontrolle fahre, geht es mir, wie den meisten“, erklärt Dieter Hutt von der Bundespolizeiinspektion Offenburg. Mit 30 Beamten der Bundespolizei, sechs Kollegen des Zolls und weiteren sechs Beamten der Landespolizei ist Hutt vor Ort. Ein Dutzend Einsatzfahrzeugenparkt am Parkplatzrand.

Auf einer Wiese einige Meter weiter ist vor wenigen Minuten der Helikopter der Fliegerstafel Oberschleißheim gelandet. „In einer Minute 45 Sekunden sind wir in der Luft“, sagt Pilot Thomas Klahre. Seine Augen leuchten, wenn er von der EC155, die 14 Millionen Euro gekostet hat, berichtet. Von einer Wärmebildkamera und jeder Menge Hightech erzählt Klahre mit hörbarer Begeisterung. „Beim Versteckspielen, gewinnen wir“, scherzt der Pilot aus Bayern, der seit über 14 Jahren mit Helikoptern in die Luft geht. „Durchbrechende Fahrzeuge sind chancenlos.“ Die Vorbereitung einer Großkontrolle dauert Wochen, erklärt Hutt. Die unterschiedlichsten Abteilungen müssen terminlich koordiniert werden. Den Schwerpunkt setzen die Beamten bei der Kontrolle unweit von Straßburg heute auf unerlaubte Einreise, Waffen und Drogen.

Polizeikontrolle„Ich war es also nicht“, sagt Michael Gruber, als er mit seinem VW Lupo mit den auffällig roten
Felgen nach der Pass- und Führerscheinkontrolle weiterfahren darf. Ein Team, das auf Fälschungen spezialisiert ist, kontrolliert in einem Container Ausweispapiere. Der Autofahrer aus Kehl meint, die Polizei suche einen flüchtigen Verbrecher. „Ich habe den Polizeihubschrauber fliegen gesehen“, ergänzt er. Nach welchen Kriterien die beiden Beamten die Fahrzeuge von der B28 herauswinken? „Die Kollegen greifen auf polizeiliche Erfahrung zurück und entwickeln ein Gespür“, betont Polizeisprecher Hutt. Schrottkisten werden ebenso rausgewunken wie auch Edelkarossen.

Bus

Reisebusse haben die Beamten bei der achtstündigen Kontrolle besonders im Fokus. Pech für die Reisenden im Bus, der gerade aus Südspanien kommend in Richtung Karlsruhe unterwegs ist. Über 26 Stunden sind sie schon unterwegs. Kein Platz im Bus ist frei. „Manche hatten sogar Gepäck auf dem Schoß“, erzählt ein Passagier, der von seiner 14-tägigen Pilgerreise zurückkehrt. Gepäck ausladen, heißt es jetzt. Adi, einer der drei anwesenden Polizeihunde, schnüffelt nach Drogen. Derweil werden alle Pässe eingesammelt. Drei Personen können sich nicht ausweisen. „Wir möchten niemanden kriminalisieren“, betont Hutt, aber über die Flüchtlinge will man an die Schleuserbanden herankommen. „Im Zeitraum vom 1. Januar bis heute reisten im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizei Offenburg knapp 700 Personen unerlaubt ins Bundesgebiet ein“, erklärt Dieter Hutt. Im Jahr 2014 waren es insgesamt 3543 unerlaubte Einreisen.

3Bei der Aktion am Mittwoch überprüfen die Beamten 475 Personen, 114 Fahrzeuge und fünf
internationale Linienbusse. Aus Guinea, Jordanien, Syrien und Marokko reisen fünf Menschen unerlaubt ein. Die Odyssee der strapaziösen Reise sieht man den Flüchtlingen an. Mit seiner syrischen Ehefrau reiste ein Jordanier aus seinem Heimatland erst in den Libanon und von dort aus in die Türkei. Danach weiter mit dem Bus nach Italien-Frankreich-Deutschland. Sie hätten 30000 US-Dollar an einen unbekannten Schleuser gezahlt.

Fündig in Sachen illegaler Waffen werden die Beamten in einem Pkw. Der Fahrer führt Teleskopschlagstöcke mit sich. Sieben Mal finden die Beamten kleinere Mengen Drogen. Auch vier Steuerstraftaten werden aufgedeckt. Ein Ukrainer hat in der Schweiz drei Smart-Kleinwagen gekauft und will nun über Frankreich zurück in sein Heimatland. Die notwendigen Steuern hat er nicht bezahlt.

SchlußfotoZwei Autofahrer werden ohne Führerschein erwischt. Ein Fahrer fährt unter Drogeneinfluss. Eine Fahrerin stellt den gestohlenen VW-Bus am Seitenstreifen ab und flüchtet. Aber wie sagte Hubschrauberpilot? „Beim Versteckspielen, gewinnen wir“. Nun muss sich die polizeibekannte Frau verantworten.