Kotflügel, Außenspiegel, Stoßfänger: Ein Unfallschaden ist schnell passiert und kann sehr teuer werden. Das gilt besonders für Deutschland. Der Grund: „Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Spanien oder den Niederlanden sind Karosserie-Ersatzteile in Deutschland deutlich teurer. Das Designschutz-Recht ermöglicht den Automobilkonzernen hierzulande ein Monopol auf bestimmte sichtbare Ersatzteile und verhindert damit Wettbewerb“, erläutert Hartmut Röhl, Präsident des Gesamtverband Autoteile-Handel e.V.

Und deshalb ist jetzt die Kampagne „Mehr Gerechtigkeit für deutsche Autofahrer“ der europäischen ECAR Allianz (European Campaign for the Freedom of the Automotive Parts and Repair Market) gestartet worden. Ziel ist es, fairen Wettbewerb zum Vorteil der Verbraucher bei allen sichtbaren Kfz-Ersatzteilen zu erreichen. In Deutschland wird die Kampagne vom Gesamtverband Autoteile-Handel e.V. (GVA) getragen.

In anderen europäischen Ländern dagegen wurden die Märkte für sichtbare Ersatzteile bereits liberalisiert. Das Resultat ist wenig überraschend: Die Preise für viele Teile sind unabhängig von Marke, Modell und Ersatzteil deutlich niedriger als in Deutschland. Eine aktuelle Studie zu den Preisen sichtbarer Ersatzteile für sechs Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller hat gezeigt, dass die Kosten in Spanien und in Italien etwa um ein Fünftel (19 bzw. 18 Prozent) geringer sind, im Nachbarland Niederlande sogar um fast ein Drittel (30 Prozent).

Mit der Kampagne „Mehr Gerechtigkeit für deutsche Autofahrer“ macht der GVA diese Ungerechtigkeit im Wahljahr zum Thema. Benachteiligt werden nämlich nicht nur freie Werkstätten und Ersatzteil-Produzenten, sondern vor allem die Kunden. Wenn ein Fahrzeughersteller ein sichtbares Ersatzteil als geschütztes Design anmeldet, zwingt er die Autofahrer, seine zumeist teureren Teile zu kaufen. In diesem Fall lassen sich die Hersteller das Design ihrer Fahrzeuge gleich mehrfach vom Autofahrer bezahlen – einmal beim Kauf und dann erneut bei jeder Reparatur. Besonders pikant: Die Autokonzerne produzieren viele der betroffenen sichtbaren Ersatzteile wie etwa Scheinwerfer gar nicht selbst, sondern beziehen sie von Zulieferern.

Der maßgebliche Unterschied hierbei zwischen Deutschland und anderen europäischen Ländern ergibt sich aus einem liberalisierten Designrecht. Mit der sogenannten „Reparaturklausel“ werden sichtbare Karosserie-Ersatzteile vom Schutz ausgenommen, sodass ein fairer Wettbewerb möglich ist. Der legitime Schutz des Neuwagen-Designs bleibt davon unberührt. In vielen Staaten Europas hat sich die Reparaturklausel zum Wohl der Verbraucher und der kleinen sowie mittelständischen Unternehmen des freien Teile- und Servicemarktes bewährt.

Es geht um große Summen: Der Markt für Ersatz- und Verschleißteile beläuft sich in Deutschland jährlich auf mehr als zwölf Milliarden Euro, etwa vier Milliarden Euro entfallen dabei auf die betroffenen sichtbaren Ersatzteile, die von einem Designschutz der Automobilkonzerne als Quasi-Monopol bedroht sind.

„Nicht nur wir, sondern auch unsere europäischen Nachbarn sowie Verbraucherschützer und Automobilclubs schütteln nur den Kopf. Es ist wirklich nicht einzusehen, warum deutsche Autofahrer wieder einmal unnötigerweise Zahlmeister sind. Wir fordern daher vom nächsten Bundestag und der Bundesregierung, mit der Reparaturklausel endlich für fairen Wettbewerb zu sorgen. Schluss mit der Benachteiligung und Schluss mit dem Abkassieren der Autofahrer“, sagt GVA-Präsident Röhl. Weitere Infos: www.faire-ersatzteile.de. mid