Schon der normale neue Audi TT war mehr als eine Reise wert. Denn auch wenn er nach wie vor eindeutig als TT zu erkennen ist, hat sich doch viel an diesem Sportwagen verändert. Innen ein beinahe revolutionäres, zumindest hoch-modernes Bedienkonzept, das auf den Navi-Bildschirm in der Mitte verzichtet und ihn fahrer-bezogen hinters Lenkrad in das virtuelle Cockpit mit unzähligen Variationsmöglichkeiten verlagert.

Audi TT RS SeitenansichtAußen klarere Linien und eine stärkere Annäherung an den Supersportwagen R8. Dazu passt bestens, dass der neue TT nun in einer heißen RS Variante kommt. Und zwar als Coupé, wie auch als Roadster.

Alltagstauglicher Sportwagen

Wir haben den TT RS bereits für unsere Leser gefahren. Auf der Autobahn und auf den Landstraßen in den Bergen rund und um Madrid. Fern von den herbstlich nassen Straßen Deutschlands kann der dynamischste TT perfekt zeigen, was er drauf hat. Und um seine sportlichen Ambitionen deutlich zu machen, hat Audi die Rennstrecke Jamara gebucht, wo wir den TT ohne Sorge vor Leitplanken und Gegenverkehr auch mal ans Limit bringen können.

3,6 Kilogramm je PS als Leistungsgewicht

Doch zunächst zu den beeindruckenden Formalien: Maximal 400 Pferdestärken (das sind 60 PS mehr als beim bisherigen TT RS), bis zu 480 Newtonmeter Drehmoment, in 3,7 Sekunden auf 100 und eine Top-Speed von 280 Stundenkilometern (Option gegen Mehrpreis) sprechen eine klare Sprache und versprechen in Kombination mit einem sportlich abgestimmten Fahrwerk, puren Fahrspaß. Und den liefert der TT. Wie auf den (zu oft zitierten) Schienen gezogen, zieht der TT RS Roadster mit seinem permanenten Allrad-Antrieb (elektro-hydraulische Lamellenkupplung) durch jede Kurve. Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe leitet die Kraft ohne erkennbare Schubunterbrechung an die Räder weiter. Zum Glück sind die Straßen hier nur wenig befahren, ideales Terrain für unsere Fahrten. Wir wollen uns dem Limit behutsam annähern. Jede Kurve ein wenig schneller. Bald sind wir an dem Punkt, an dem wir dachten, das packt er kaum noch. Aber er packt es. Doch gemach mit den jungen Pferden, auch der TT läuft in den physikalischen Grenzen. Das Fahrwerk haben wir mit serienmäßigem Fahrdynamik-System „Drive select“ längst in den sportlichsten Modus „dynamic“ (neben comfort, auto und individual) versetzt. Den Wählhebel auf „S“, den Sound-Bottom aktiviert und auch „ESC Sport“ gedrückt, was spätere und geringere Regeleingriffe bewirkt und das Motorenmoment weniger stark reduziert. Audi TT RS HeckMehr Sport geht nicht. Alles andere wäre ja für Weicheier (oder für die lange Autobahnfahrt). Neben dem gierigen Motorensound des 5-Zylinders (nach Audi Aussagen nicht getunt, sondern ehrlicher Motorensound) und den Windgeräuschen ist nichts zu hören. Da knarzt oder ächzt nichts unter der Last der schieren Kraft. Das ist Qualität, wie wir sie uns wünschen. Das gilt bekanntlich auch für die im Audi-Innenraum verwendeten Materialinen und deren Verarbeitung. Pures Vergnügen. Das alles zusammengenommen hat allerdings seinen Preis hat. Den Audi TT RS gibt es als Coupé ab 66.400 Euro.

Audi TT RS Front

Der Preis ist hoch

Der Roadster kostet mindestens 69.200 Euro. Darin ist aber noch nicht jede sinnvolle oder wünschenswerte Ausstattungsoption enthalten. Wie unser Testwagen beweist, der unter anderem zusätzlich mit braunem individual Leder, Magnetic-Ride-Fahrwerk, Assistenzpaket und den neuen OLED-Rückleuchten (erstmals in einem Serien-Audi) aufwartet, die nicht mehr punktuell leuchten, sondern flächig und in unterschiedlicher Helligkeit. Audi TT RS FelgeSo aufgewertet kostet der Testwagen unglaubliche 90.000 Euro. Ein kleines Vermögen. Selbst wenn man den serienmäßigen Allradantrieb, den zusätzlichen Zylinder und die 50 PS Mehrleistung gegenüber dem Boxster S und dem Cayman S (ab 64.118 Euro) berücksichtigt, ist das eine gewaltige Ansage. Aber wie hat der neue Chef der Quattro-GmbH im Rahmen der Vorstellung doch gesagt: „Exklusivität ist wichtig“. Wenn man weiß, dass Stephan Winkelmann bis zuletzt viele Jahre der erfolgreiche Boss der Audi-Tochter Lamborghini war, kann man nachvollziehen, warum er dieses Konzept nun auch bei Audi umsetzen möchte.

Brachialer Vortrieb und ein süchtig machender Sound(-Knopf)

Und was machen die Kunden? Kaufen sie nun den Porsche, weil er etwas weniger kostet? Schwer zu beantworten. Am Ende ist das eine Frage des Geschmacks und der Präferenzen (Mittel-Motor gegen Frontmotor). Im Vergleich der Coupés dürfte der Audi bei der Alltagstauglichkeit vorn liegen, weil er hinten deutlich mehr und größere Teile wegpacken kann. Welches Auto schöner ist, liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Und ob ich einen Porsche fahren möchte oder lieber einen Audi, das ist eine Frage des Geschmacks. Beim Wertverlust werden sich die beiden wohl wenig nehmen. Beide gibt es als Coupé und als Cabrio. Beide sind fantastische Sportwagen mit modernster Technik und hoher innerer Sicherheit. Vor 20 Jahren hätte sich der Verfasser nicht vorstellen können, mal ein Porsche mit einem Audi in einem Atemzug zu nennen. Da hat Ferdinand Piëch Weitsicht und strategisches Geschick bewiesen und die Audi Mitarbeiter haben ein tollen Job gemacht. Audis TT RS und Porsches Cayman/Boxster sind so geschickt positioniert, dass sie sich auf dem Markt wohl kaum im Weg stehen werden. Kompliment!

Datenblatt

Audi TT RS

Länge x Breite x Höhe (m): 4,19 x 1,83 x 1,34
Radstand (m): 2,51
Motor: R5-Benziner, 2480 ccm, Turbo, Direkteinspritzung
Leistung: 294 kW / 400 PS bei 5850–7000 U/min
Max. Drehmoment: 480 Nm bei 1700–5850 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (abgeregelt; optional: 280)
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 3,7 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 8,2 Liter
CO2-Emissionen: 187 g/km (Euro 6)
Leergewicht / Zuladung: 1.440 kg / 400 kg
Kofferraumvolumen: 305 – 712 Liter
Räder / Reifen: 9 J x 19 / 245/35 R 19
Luftwiderstandsbeiwert: 0,32
Preis: 66.400 Euro