Woher der Audi TT seinen Namen hat und wie lange das Leben sein sollte …

Zum 20 jährigen Jubiläum bereitet sich Audi selbst ein Geburtstagsgeschenk: Zwei Jahrzehnte nach dem Seriendebüt des Ur-TT verpassen die Ingolstädter der dritten Generation des Audi TT ein Facelift, das sowohl Cabrio als auch Coupé zugute kommt. Wir haben das mindestens 35.000 Euro teure Modell als TTS mit 306 PS schon jetzt für euch auf der Isle of Man gefahren, erklären was alles neu ist und woher der TT seinen Namen hat.

Erste Testfahrten auf der Isle of Man

Bestimmt haben Sie schon von den verwegenen Motorrad-Rennen auf der Isle of Man gehört. Aber kaum jemand weiß, wo diese malerische Insel wirklich im Meer schwimmt. Sie liegt in der irischen See. Die Queen ist zwar auch hier der repräsentative Chef. Aber das kleine Eiland zwischen Irland und England gilt als eine der letzten Steueroasen dieser Welt. Wie kann das sein? Die „Manx“ (so nennen sich die Inselbewohner) haben eine eigene Regierung und gehören weder zum Vereinigten Königreich noch zur Europäischen Union. Und so gibt man sich die Gesetze selbst. Gewerbesteuer zahlt man hier beispielsweise nicht. Was nicht passen will, wird hier passend gemacht. So sparte Lewis Hamiltons beim Kauf seines Privatjets durch eine kurze Zwischenlandung auf der Insel die Mehrwertsteuer in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Fakten, die Finanzbeamte wahrscheinlich unglaublich spannend finden, mich als Normalverdiener allerdings lediglich mit einem verwirrten Schulterzucken zurück lassen. Für mich ist dieser Ort einer der wenigen Plätze auf der Welt, die keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Landstraßen kennen. Das lockt natürlich die PS-Junkies. So ist die Isle of Man die Heimat DER Tourist Trophy (TT) , dem berühmt-berüchtigten Motorrad-Rennen, das seit 1907 jährlich auf der Insel stattfindet. Eine Fahr-Oase, die Jahr für Jahr 40.000 Gäste anzieht. 20 Millionen Pfund lassen Fahrer, Teams und Zuschauer dabei auf der Insel. Doch warum ist die TT so bekannt, dass das Image einer ganzen Insel davon lebt?

Es gibt nicht mehr viele echte Abenteuer auf dieser Welt. Die Tourist Trophy auf der Isle of Man ist eines davon. Sie gilt als ältestes, bekanntestes, gefährlichstes und damit vielleicht auch umstrittenstes Motorradrennen überhaupt. Die Fahrer rasen durch 300 Kurven, millimeternah vorbei an Häusern und Steinmauern. Über gefährliche Kuppen, Brücken und entlang an Abgründen. Gut nur, dass die öffentlichen Straßen während des Rennes abgesperrt werden. Eine Runde ist 60 Kilometer lang. Sechs (!!!) Runden werden mit einem Schnitt von 210 Stundenkilometern (!!!) bewältigt. Dabei erreichen die Fahrer auf geraden Abschnitten wie „Sulby Straight“ weit über 310 Stundenkilometer.

Als Start-Ziel-Gerade dient die „Glencrutchery Road“ im Hauptort Douglas, einer insel-typischen Wohngegend. Wer bremst verliert. Und einer, der nur ganz selten gebremst hat, ist der heute 42-Jährige Richard „Milky“ Quayle. Einer von nur drei Einheimischen (Maxmen), die das Rennen (2002) bisher gewinnen konnten. Jeder auf der Insel kennt sein bubihaftes Milchgesicht, das einem auf Anhieb sympathisch ist. Milky ist wahrscheinlich der erfahrenste (lebende) Fahrer auf diesem Kurs. Als Milky mal bei einer berüchtigten Stelle bei Ballacraine in der Mauer einschlug, hatte er mit seinem Bike ungefähr 250 Sachen drauf. Man kann sich diesen unvorstellbaren Crash noch heute auf Youtube ansehen. Für schwache Nerven ist das allerdings nichts. Ein Wunder, dass Milky noch lebt. Denn seit seinem 16. Lebensjahr hat er jeden Cent in Benzin investiert, 10.000 Runden hier gedreht und dabei etwa 50 Stürze er- und überlebt. Die meisten hätten ihn das Leben kosten können. Nach einem lag er sechs Monate im Koma. Bei einem Bier in einem dunklen, verrauchten Pub am Fuße des Moutain Course zeigt er mir voller Stolz seinen von unzähligen Narben gezeichneten Körper. Mit noch mehr Leidenschaft erzählt er, dass sein Sohn (14) jetzt aufs Motorrad steigt. Da fragt man sich schon, ob dieser Typ nicht irgendwie irre ist. Unzurechnungsfähig? Braucht er ’nen Vormund? Nein, weder noch. Milky´s Leben ist einfach dieses Rennen. Er ist ein echter Adrenalin Junky, der kalkuliert, was er tut, das Risiko kennt, und es annimmt.

Bevor er ein langweiliges Dasein fristet, führt er lieber keins. Er maximiert nicht die Tage seines Lebens, sondern das Leben in den Tagen, die er hat. Ein echter Lebemann also und auf seine Art ein Lebens-Motto, um das ich ihn beneide.Was das Rennen so gefährlich macht, will ich von ihm wissen. Seine Antwort: „Kommt man nur 10 Zentimeter von der Ideallinie ab, so entscheidend das nicht selten über Sieg, Niederlage oder eben Sein und nicht Sein.“ Seit Bestehen der Tourist Trophy haben hier 254 Fahrer ihr Leben gelassen.

Beinahe jedes Jahr kommt es zu tödlichen Unfällen. Wer jetzt schockiert die Hände überm Kopf zusammen schlägt, der sollte Alkohol, Zigaretten, die Nordschleife, den Haushalt oder Teile der A5 ebenfalls meiden. Für Milky ist das hier – trotz der ganzen Trauerfälle – sein Happy-Place. Und für Audi das Event nach dem die Ingolstädter ein Modell benannt haben. Den TT – in Anlehnung an Ewald Kluges Sieg auf einer DKW.

Rennen auf der Isle of Man – Risiko-Challenge für Wagemutige

Deshalb ließe sich kaum ein besserer Ort finden, das 20-Jährige Jubiläum und das Facelift der dritten Generation des TT Cabrios und des Roadsters vorzustellen. Zum Geburtstag gibt es außerdem zwei Sondermodelle. Den auf 999 Stück limitierten „TT 20 years“ und den sportlichen „TTS Competition“. Letzterer zitiert an einigen Stellen das Urmodell. Optisch sind die Änderungen an allen TT-Modellen von zarter Natur. Okay, der Singlefram ist etwas flacher, die vorderen und hinteren Schweller ausgeprägter, es gibt einen neuen Diffusor und die Farben Kosmosblau für alle TT sowie Pfeilgrau, Pulsorange und Turboblau für S Line sowie den TTS. Warum sollte man eine Ikone auch zu stark verändern.

Und was ändert sich bei den Motoren?

Der 1,8-Liter Basis-Benziner mit 180 PS entfällt fortan. Er wird durch einen Zwei-Liter Motor, dem 40 TFSI, mit 197 PS ersetzt, welcher in 6,6 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigt. Der 45 TFSI, also das nächst stärkere Aggregat, leistet 245 PS, er beschleunigt den TT in 5,9 Sekunden auf 100 Sachen und lässt sich optional mit dem „Quattro“-Allradantrieb verbinden. Letzterer ist beim vorläufigen Topmodell mit 306 PS, dem TTS, serienmäßig. Alle TT Coupés erreichen nun eine Spitzengeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern. Das teilweise serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe (DSG) schaltet nun durch 7 anstatt bisher durch 6 Gangstufen.

Umfangreichere Grundausstattung

Der 306 PS starke TTS scheint der ideale Begleiter für eine schnelle Tour über einen kleinen abgesperrten Teilbereich der Isle of Man Rennstrecke: Die Mountain Road von Ramsey bis Creg Ny Baa. Dem Allradantrieb sei dank, beschleunigt die geliftete Rakete in 4,5 Sekunden auf Tempo. Bei 250 Stundenkilometern wird die TTS Maschine – zum Glück – elektronisch abgeriegelt. Wie es war, will Milky nach meinen ersten Kilometern auf der Rennstrecke von mir wissen? Obwohl die Strecke gemeingefährlich ist, könnte man den Linksverkehr für einen Moment lang vergessen. Kaum vorstellbar scheint mir hier der Ritt auf einer Kanonenkugel mit zwei Rädern. Mit über 300 Sachen. Zwar ist der Zwei-Liter-Vierzylinder im Konzern ein durchaus bekannter Antrieb, trotzdem sind wir von seiner Drehfreudigkeit und der präsenten Sound-Entfaltung beeindruckt. Wer im Vergleich zum Vorgänger 4 PS vermisst, der wird durch 20 zusätzliche Newtonmeter Drehmoment und einem besseren Beschleunigungswert besänftigt. Am Kurvenausgang ist bergaufwärts ein kleines Turboloch zu spüren, das aber durch beherztes Hochschalten per Paddel am Lenkrad oder durch einen kräftigen Tritt aufs Gaspedal gefüllt werden kann. Eine Geschwindigkeit-Erfahrung, die höchstens von Supersportwagen oder eben Motorrädern übertrumpft werden kann.

Nicht mehr mit Schaltgetriebe

„Geradeaus“ können bekanntlich viele. Die Stärke des TTS ist eindeutig seine Kurvendynamik. Extrem agil schneidet er durch unterschiedlichste Kehren, als wäre er ein frisch geschliffenes Messer. Der Quattro-Antrieb leistet dazu einen ordentlichen Beitrag. Das neue 7-Gang-DSG-Getriebe passt so gut zum Motor, dass wir uns stets im richtigen Gang wähnen. Ein Schaltgetriebe gbt es für die TTs fortan nicht mehr.

An diesem Ort, an dem es kein Tempolimit auf den Straßen gibt, fühlt sich der TT zuhause. Sein Fahrwerk ist straff, aber nicht zu hart, um über jede einzelne Bodenwelle der Insel berichten zu können. Durch das Magnetic Ride-Fahrwerk und der Progressivlenkung ist der TT auf Knopfdruck des Selected Drive Schalters in der Kennlinie der Lenkung, der Federung, des Motorsounds oder der Gas-Annahme mal zurückhaltender Begleiter beim offenen Cruisen im Cabrio und mal bissiger Sportwagen im Coupé. Sein größter Vorteil im Vergleich zu Milkys Motorrad wird unmittelbar deutlich.

Die vier Räder verlieren quasi nie alle gleichzeitig ihre Verbindung mit der Straße, was das Fahrerlebnis im TT zwar etwas unspektakulärer erscheinen lässt, als das auf dem Moped, trotzdem ist man selbst auf dem gefährlichen Mountain Course wesentlich sicherer unterwegs, denn auf 2 Rädern. Was mir persönlich sehr nahe kommt, denn schöne Kurven gibt es viele, nur will ich ungern, dass eine davon meine letzte ist.

Blitzer oder Radarkontrollen kennt man auf der Isle of Man übrigens nicht. Als die Manx einmal über eine Tempolimit abstimmen mussten, war das Ergebnis eindeutig: Abgelehnt! Zu lukrativ ist die TT für alle hier. Trotzdem kann man nicht leugnen, dass das hier einer der gefährlichsten und gleichzeitig aufregendsten Orte der Sport-Welt ist. Mit jedem Atemzug saugt man den Mythos von Abschnitten wie Braddan Bridge, Greeba oder Glen Helen ein, wird noch etwas konzentrierter und greift das Lenkrad mit feuchten Händen noch etwas fester. Hier auf der Insel ist man so stolz auf den und die TT. Eine Rennstrecke bzw. ein Teilstück die nun erstmals für Fahrzeuge mit vier Rädern abgesperrt wurde. Für den neue Audi TT.

Fazit

Der neue Audi TT ist nach dem Facelift im Kern geblieben, was er immer war: ein fahrerorientiertes Sportcoupé oder Cabrio, das zur sportlichen Kurvenhatz einlädt, auf Knopfdruck aber auch komfortables Cruisen drauf hat. Zwar stehen die Preise noch nicht final fest, aber das sportliche Spaßmobil aus Ingolstadt wird wohl ab rund 35.000 Euro zu haben sein. Das wären dann zwar 1.850 Euro mehr als beim Vorgänger, dafür fährt er nun serienmäßig mit stärkeren Motor, Drive Select und Multifunktionslenkrad vor. Für den die aktuelle Top-Motorisierung TTS werden mit 54.000 Euro für den Roadster wohl mindestens 2.500 Euro mehr fällig. Bestellbar ist der faceliftete Audi TT ab September. Noch im Herbst sollen die ersten Stücke ausgeliefert werden. Wir freuen uns schon auf den – wahrscheinlich 2019 folgenden – 400 PS starken TT RS. Auch wenn die gelifteten Modell teurer geworden sind und der TTS nicht mehr als Handschalter verfügbar ist, hoffen wir sehnlichst auf den Fortbestand dieser Design-Ikone ab 2021.