Als Audi vor vielen Jahren damit begonnen hat, die Strategie für eine Premium-Marke im Volkswagen-Konzern zu entwickeln, war ich skeptisch. Warum sollte ein Kunde für einen Golf im Audi-Kleid bereit sein mehr zu berappen, als für den Klassiker selbst. Damals ahnte ich nicht, welches Qualitätsniveau Audi einmal erreichen sollte und welche Anmutung der Audi Innenraum ausstrahlen, ja sogar zur Benchmark im Segment werden würde. Am vorläufigen Ende dieser Entwicklung standen die Top-Modelle A8 und R8. Und beide kamen bestens bei den verwöhnten Kunden an. Der A8 konnte zeitweise sogar den Titel als meistverkaufte Oberklasse-Limousine im Premiumsegment einheimsen. Wer sich zwar etwas gönnen möchte, dabei aber auf Understatement Wert legt, der kauft anstatt einer S-Klasse oder eines 7ers eben einen Audi. Damit das auch in Zukunft so bleibt, rollt nun der neue A8 an den Start. Und er möchte gleich bei seiner Premiere zeigen, was im modernen Automobilbau möglich ist, und dass „Vorsprung durch Technik“ kein schnöder Slogan ist.Optisch hat mich der neue Audi A8 im Rahmen seiner statischen Weltpremiere in Barcelona überzeugt, auch wenn ich eine stärkere Neu-Positionierung erwartet hätte. Aber die eher konservative Zielgruppe für den großen Audi hätte das vielleicht nicht mitgetragen. Die Formensprache, die Audi-Chef-Designer Marc Lichte ersonnen hat, macht den Luxus-Liner von Audi kraftvoller. Sein zurückhaltendes Wesen gibt das Flaggschiff  der Ingolstädter aber nicht auf. Während sich die Front nur evolutiv weiterentwickelt, zeigte Designer Lichte am Heck mehr Mut. Das quer verlaufende Lichtband ist wohl das auffälligste Design-Element am neuen A8. Im Innenraum hat sich deutlich mehr getan. Ich sehe Anleihen aus dem Porsche Panamera – berührungssensible Touch-Flächen ersetzen die Vielzahl von Knöpfen. Innenraum als Lounge

Freier Raum ist das prägende Gestaltungsmerkmal im neuen Luxusverständnis. Der A8 gleicht deshalb einer großzügigen, weit geschnittenen Lounge. Im Vergleich zum Vorgängermodell hat er bei beiden Karosserievarianten in der Länge deutlich zugelegt (5,17 Meter langen Normalversion oder als A8 L mit 13 Zentimeter längerem Radstand). Das Angebot an Ausstattungen und Materialien ist breit gefächert und liegt zugleich in jedem Detail auf Manufaktur-Niveau – von der Perforation an den Sitzbezügen bis hin zu den elektrisch auf- und zufahrenden Blenden über den Luftausströmern.

Audi A8

Audi A8 L

Der nobelste Platz im neuen Audi-Flaggschiff liegt hinten rechts. Denn der optionale Ruhesitz im A8 L überrascht mit seinen vielen Einstellmöglichkeiten und der aktiven Fußablage. Auf diesem Platz kann der Passagier seine Fußsohlen am Rücken des Beifahrersitzes in mehreren Stufen wärmen und massieren lassen. Zudem können die Fondpassagiere viele Funktionen wie die Ambientebeleuchtung, die neuen HD Matrix-Leseleuchten und die Sitzmassage über eine eigene Bedieneinheit steuern sowie private Telefonate führen: Das Rear Seat Remote mit seinem OLED-Display ist so groß wie ein Smartphone und herausnehmbar in der Mittelarmlehne untergebracht (siehe Foto).

Bedienung mit Fingerspitzengefühl

 Das Interieur der Luxuslimousine wurde reduziert gestaltet. Die Architektur des Innenraums ist klar und strikt horizontal orientiert. Mit diesem neuen Bedienkonzept wagt Audi auch hier den Schritt ins digitale Zeitalter. Es verzichtet auf den bekannten Dreh-/Drück-Steller und das Touchpad des Vorgängermodells. Die Instrumententafel bleibt weitgehend frei von Tasten und Schaltern. Ihr Zentrum bildet ein 10,1-Zoll-Touch-Display, das sich durch die Black-Panel-Optik vor dem Start nahezu unsichtbar in die schwarz-hochglänzende Blende einfügt.

Die Benutzeroberfläche erscheint, sobald sich das Auto öffnet. Auf dem großen Display steuert der Fahrer das Infotainment per Fingerdruck. Über ein zweites Touch-Display auf der Konsole des Mitteltunnels hat er Zugriff auf die Klimatisierung und Komfortfunktionen sowie die Möglichkeit zur Texteingabe. Löst der Fahrer im oberen oder unteren Display eine Funktion aus, hört und spürt er einen Klick als Bestätigung. Die Bedientaster in Glasoptik reagieren in gleicher Weise. „Mit der Kombination aus akustischem und haptischem Feedback sowie der Anwendung gängiger Touch-Gesten, wie beispielsweise dem Wischen, lässt sich das neue MMI touch response sicher, intuitiv und schnell bedienen“, verspricht Audi.

Darüber hinaus steht der A8 als intelligenter Gesprächspartner bereit. Mit einer neuen, natürlichen Sprachbedienung kann der Fahrer eine Vielzahl an Funktionen im Auto aktivieren. Die Informationen über Ziele und Medien sind entweder onboard vorhanden oder kommen mit LTE-Geschwindigkeit aus der Cloud. Zum Angebot von Audi connect gehören mit Verkehrszeichen- und Gefahreninformation auch innovative Car-to-X-Dienste, die die Schwarmintelligenz der Audi-Flotte nutzen. Ein weiteres Novum bietet die umfangreich optimierte Navigation: Sie lernt selbst – und zwar auf Basis der zuvor gefahrenen Strecken. Somit erhält der Fahrer intelligente Suchvorschläge. Zudem integriert die Karte hochdetaillierte 3D-Modelle von europäischen Großstädten.

Marc Lichte, Head of Design, AUDI AG

Innovative Technik

Technologisch möchte sich Audi mit den neuen Gadgets des A8 wieder an die Spitze bringen, möchte Trends setzen auch für das, was in den Klassen darunter im Lauf der nächsten Jahre zum Standard werden soll. Denn nur wenn die enormen fixen Kosten der Entwicklung solcher Systeme auf eine große Zahl von Automobilen verteilt werden können, wird ihr Preis attraktiv und die künftigen Gewinne hoch sein. Hier hat Audi als Teil des Volkswagenkonzerns mit seinen Marken entscheidende Vorteile, vor allem gegenüber BMW, die vergleichsweise geringe Stückzahlen produzieren. Als erstes Serienauto der Welt wurde der A8 nach Aussagen von Audi für hochautomatisiertes Fahren entwickelt. Ab 2018 bringt Audi pilotierte Fahrfunktionen wie Parkpilot, Garagenpilot und Staupilot sukzessive in Serie.

Weltpremiere: Der Audi A8 fährt pilotiert

Als erstes Serienautomobil der Welt wurde der neue A8 speziell für hochautomatisiertes Fahren entwickelt. So übernimmt der Audi AI Staupilot auf Autobahnen und Bundesstraßen mit baulicher Trennung im zähfließenden Verkehr bis 60 km/h die Fahraufgabe. Zum Aktivieren des Systems dient die AI-Taste auf der Mittelkonsole.

Der Staupilot managt Anfahren, Beschleunigen, Lenken und Bremsen. Der Fahrer muss das Auto nicht mehr permanent überwachen. Er kann die Hände dauerhaft vom Lenkrad nehmen und sich abhängig von den geltenden Landesvorschriften einer Beschäftigung widmen, die vom Auto unterstützt wird, etwa das Onboard-TV verfolgen. Sobald das System an seine Grenzen stößt, fordert es den Fahrer auf, die Fahraufgabe wieder selbst zu übernehmen.

Aus technischer Sicht ist der Staupilot eine Revolution. Während der pilotierten Fahrt errechnet erstmals ein zentrales Fahrerassistenzsteuergerät (zFAS) aus der Fusion der Sensordaten permanent ein Abbild der Umgebung. Neben den Radarsensoren, einer Frontkamera und den Ultraschallsensoren nutzt Audi dafür als erster Automobilhersteller auch einen Laserscanner. Die Einführung des Audi AI Staupilot erfordert für jeden einzelnen Markt neben der Klarheit über die gesetzlichen Rahmenbedingungen eine landesspezifische Applikation und Erprobung des Systems. Darüber hinaus sind weltweit unterschiedliche Zulassungsverfahren und ihre entsprechenden Fristen zu beachten. Aus diesen Gründen wird Audi den Staupilot im neuen A8 Schritt für Schritt in Serie bringen.

Der Audi AI Remote Parkpilot und der Audi AI Remote Garagenpilot steuern den A8 selbsttätig unter Überwachung des Fahrers in eine Parklücke beziehungsweise Garage und wieder heraus. Dabei muss der Fahrer nicht im Auto sitzen. Er startet das jeweilige System über sein Smartphone mit der neuen myAudi App. Zum Überwachen des Parkvorgangs hält er den Audi AI Button permanent gedrückt und sieht auf seinem Display eine Live-Anzeige der Umgebungskameras des Autos.Neue Größenordnung: Fahrwerk

 Mit einem ganzen Paket an Innovationen lotet das Fahrwerk die Grenzen der Physik neu aus: Eine von ihnen ist die Dynamik-Allradlenkung, die direktes, sportliches Lenken mit unerschütterlicher Stabilität vereint. Die Lenkübersetzung an der Vorderachse variiert je nach Geschwindigkeit, die Hinterräder schlagen abhängig vom Tempobereich um einige Grad gegen- oder gleichsinnig ein. Noch dynamischer und präziser wird das Handling mit dem Sportdifferenzial. Es verteilt die Antriebsmomente aktiv zwischen den Hinterrädern und ergänzt auf diese Weise den permanenten Allradantrieb quattro, der im neuen A8 zum Serienumfang gehört.

Bei der zweiten neuen Technologie, dem Audi AI Aktivfahrwerk, handelt es sich um ein vollaktives Federungssystem. Je nach Fahrerwunsch und Fahrsituation ist es in der Lage, jedes Rad separat über elektrische Aktoren nach oben zu ziehen oder nach unten zu drücken. Durch diese Flexibilität erreicht die Fahrcharakteristik eine große Bandbreite – vom sanften Abrollkomfort einer klassischen Luxuslimousine bis hin zur Dynamik eines Sportwagens. In Kombination mit pre sense 360° hebt sich das Auto blitzschnell an, wenn eine seitliche Kollision droht und reduziert so mögliche Unfallfolgen für die Insassen.

Die benötigte Energie bezieht dieses hochinnovative Fahrwerkssystem aus einem 48-Volt-Bordnetz. Audi setzt es im A8 bei allen Modellvarianten erstmals als Hauptbordnetz ein. Im Zusammenspiel mit der für den A8 weiterentwickelten Luftfederung sorgt das innovative Fahrwerkskonzept so für ein völlig neues Fahrerlebnis.

Mild-Hybrid und auch e-tron als Antriebe

Der neue A8 startet mit zwei stark weiterentwickelten V6-Turbomotoren auf den deutschen Markt, einem 3.0 TDI und einem 3.0 TFSI. Der Diesel leistet 210 kW (286 PS), der Benziner 250 kW (340 PS). Zwei Achtzylinder – ein 4.0 TDI mit 320 kW (435 PS) und ein 4.0 TFSI mit 338 kW (460 PS) – folgen etwas später. Auch noch nicht im Angebot ist auch die angekündigte Top-Motorisierung, ein 12-Zylinder mit 6,0 Litern Hubraum.

Alle fünf Aggregate arbeiten mit einem Riemen-Starter-Generator (RSG) zusammen, der das Herz des 48-Volt-Bordnetzes ist. Diese Mild-Hybrid-Technologie (MHEV, mild hybrid electric vehicle) ermöglicht das Segeln mit ausgeschaltetem Motor samt komfortablem Wiederstart. Zudem verfügt sie über eine erweiterte Start-Stopp-Funktion und einer Rekuperationsleistung von bis zu 12 kW. In Summe sollen diese Maßnahmen den Verbrauch um bis zu 0,7 Liter pro 100 Kilometer im realen Fahrbetrieb senken.

Zu einem späteren Zeitpunkt soll zudem der A8 L e-tron quattro mit seinem Plug-in-Hybridantrieb folgen: Sein 3.0 Benziner und die mit ihm kombinierte E-Maschine kommen auf 330 kW (449 PS) Systemleistung und 700 Nm Systemdrehmoment. Die Lithium-Ionen-Batterie speichert Strom für etwa 50 Kilometer elektrisches Fahren. Optional lässt sie sich per Audi Wireless Charging laden: Eine Bodenplatte in der heimischen Garage überträgt den Strom mit 3,6 kW Leistung induktiv an eine Empfängerspule im Auto. Der neue Audi A8 und der A8 L werden am Standort Neckarsulm gebaut und starten im Spätherbst 2017 auf dem deutschen Markt. Der Grundpreis für den A8 beträgt 90.600 Euro, der A8 L startet bei 94.100 Euro.

 

Fotos: Der-Autotester.de und Audi